Stuttgart - Die Entscheidung über zusätzliche Landerechte für die Golf-Airline Emirates in Deutschland könnte unmittelbar bevorstehen. Am Donnerstag wird der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, zu einem Staatsbesuch in Berlin erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz will ihn am Nachmittag im Kanzleramt empfangen. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Bundesregierung die strategische Partnerschaft und die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen. In der Luftfahrtbranche wird deshalb damit gerechnet, dass auch die seit Jahren umkämpften Verkehrsrechte der emiratischen Fluggesellschaft Thema sein könnten. Emirates darf in Deutschland bislang Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg anfliegen. Für weitere deutsche Flughäfen müsste das bestehende Luftverkehrsabkommen erweitert werden.
Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr in Aussicht
Stuttgart hat dabei seit Langem einen Anspruch angemeldet. Emirates selbst bekräftigte erst im Juni, täglich sowohl Stuttgart als auch Berlin anfliegen zu wollen. Voraussetzung sei allerdings eine Genehmigung des Bundesverkehrsministeriums. Die Airline stellte für die beiden neuen Verbindungen Investitionen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr in Aussicht.
Nun allerdings verdichten sich die Hinweise, dass Berlin den Vorzug erhalten könnte – und Stuttgart leer ausgeht. Eine solche Lösung könnte als Kompromiss in einem seit Jahren festgefahrenen Streit dienen. Denn zusätzliche Emirates-Flüge berühren die Interessen der großen deutschen Luftverkehrsdrehkreuze und damit auch die von Frankfurt und München. In der Debatte wird insbesondere auf die Interessen Hessens und Bayerns verwiesen. Beide Länder haben mit Frankfurt und München zwei der wichtigsten deutschen Flughäfen. Dort wird zusätzliche Konkurrenz durch eine weitere Emirates-Destination mit entsprechendem Umsteigeangebot nicht unbedingt als Vorteil gesehen. Mit dem Zuschlag für Berlin könnte das Interesse der Fluglinie in Teilen befriedigt werden und im Süden blieben Frankfurt und München die einzigen von Emirates bedienten Flughäfen.
Landesregierung macht in einem Schreiben Druck in Berlin
Für Stuttgart erhöht das den Druck. Die baden-württembergische Landesregierung hat sich deshalb erneut direkt an die Bundesregierung gewandt. Jörg Krauss, Staatsminister und Chef der Staatskanzlei, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Verkehrsministerin Nicole Razavi fordern in einem Schreiben von Anfang September an Kanzleramtschefin Nina Warken und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, der Flughafen Stuttgart müsse bei einer Erweiterung des bilateralen Luftverkehrsabkommens als Anflugpunkt aufgenommen werden.
Der Brief vom 4. September ist deutlich formuliert. Baden-Württemberg sei als exportorientierte Wirtschaftsregion auf gute Verbindungen zu den globalen Wachstumsmärkten angewiesen. Emirates habe im Juni erneut sein Interesse an täglichen Flügen nach Stuttgart bekräftigt.
Für Stuttgart geht es dabei um mehr als eine neue Flugverbindung nach Dubai. Über das Emirates-Drehkreuz könnten Reisende aus der Region Anschlüsse nach Asien, Afrika und Australien erreichen.
