Stuttgart

Einspardebatte rund um die Oper nimmt Fahrt auf

Die Generalsanierung wird aus Kostengründen wohl deutlich bescheidener als bisher geplant ausfallen. Doch trägt das Land die Forderungen mit?

  • Außen hui, innen, nun ja: Das Opernhaus am Eckensee muss dringend saniert werden, die Technik ist überaltert, Ausfälle drohen.Foto: dpa/Bernd Weißbrod

    Außen hui, innen, nun ja: Das Opernhaus am Eckensee muss dringend saniert werden, die Technik ist überaltert, Ausfälle drohen.Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Stuttgart - Die Entscheidung zum Neubau der Interims-Spielstätte für die Württembergischen Staatstheater im Stuttgarter Norden verzögert sich weiter. Nach der Fraktion SPD/Volt im Stuttgarter Gemeinderat fordern nun auch die Christdemokraten und das Linksbündnis einen Aufschub. Der Beschluss zur weiteren Planung des Interims sollte am 30. Juli in der letzten Sitzung des Gemeinderates vor der Sommerpause fallen. Es geht um 289 Millionen Euro. Der gesamte Opern-Komplex könnte Baukosten von 2,2 Milliarden Euro erreichen.

SPD/Volt waren vor wenigen Tagen mit ihrem Antrag auf Verschiebung bis Anfang 2027 vorgeprescht. Die Fraktion will untersucht haben, ob „unter den veränderten planerischen und funktionalen Rahmenbedingungen“ eine abschnittsweise Sanierung des Operngebäudes „unter teilweisem Weiterbetrieb möglich wäre“. Dann bräuchte es gar kein Interim. Auswirkungen auf Bauzeit und Kosten sollen aufgezeigt werden. Die Anforderungen an eine Opernhaus könnten sich bis zum Ende der Generalsanierung 2042 verändert haben, sagt SPD/Volt.

CDU fordert Aufschub bis September

Auch die CDU-Fraktion habe Zeitpläne diskutiert, sagt Fraktionschef Alexander Kotz. Allerdings will man die Weiterplanung nicht so lange aussetzen wie SPD/Volt, sondern nur bis Ende September. Die CDU will die (schlechten) Erfahrungen aus der Planung des Interims für die Generalsanierung nutzen. Man wolle nicht nochmals Millionen für die Reduzierung eines zu großen Hauses ausgeben müssen. Zu groß heißt für die CDU, dass bei der Generalsanierung am Eckensee der diskutierte Einbau einer Kreuzbühne gestrichen wird. Außerdem soll die raumgreifende Erweiterung des alten Kulissengebäudes an der B 14 bis zum Königin-Katharina-Stift unterbleiben.

Land soll Zusagen machen

Insgesamt wolle die CDU-Fraktion das Raumprogramm reduziert sehen. Man müsse bis 2040 über weniger Arbeitsplätze im Staatstheater sprechen: 1100 statt bisher 1400. Im Antrag der CDU findet sich keine Beschäftigtenzahl. Die CDU fordert ein Bekenntnis der Landesregierung und deren Fraktionen für die Oper. Stadt und Land sollen sich bis September auf die genannten Eckpunkte einigen. Sie finanzieren alle Investitionen 50:50.

Der Antrag des Linksbündnisses deckt sich beim Eckensee mit dem der CDU. Dort solle „ausschließlich im Bestand“ saniert werden. Die Interimsoper bei den Wagenhallen wollen Linke/SÖD/Tierschutzer allerdings als Dauereinrichtung haben, was letztlich die laufenden Kosten treiben würde.

Grüne sprechen von Einsparung

„Wir stehen zur reduzierten Version für das Operninterim“, sagen die Grünen. Jede Verzögerung schmälere die Kosteneinsparung, daher wolle man die Entscheidung über das Interim nicht verzögern. Der Umfang der Generalsanierung gehöre aber „nochmals auf den Prüfstand, alle Optionen zur Kostenoptimierung müssen genutzt werden“, so Grünen-Stadtrat Marcel Roth an die Adresse von Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne).

Bund der Steuerzahler warnt

Die Einspardebatte ist Wasser auf die Mühlen des Bunds der Steuerzahler. Dessen Landesvorsitzender Eike Möller fordert, bei dem Littmann-Bau „auf allen Ebenen nach Einsparpotenzial“ zu suchen. Der Stadt würden wegen wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen Euro fehlen. Das erforderte ein Umdenken „auch bei der Opernsanierung“.

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