Stuttgart

Eine städtebauliche Vision auf 50 Hektar

SI-Centrum, Pressehaus, Sternhöhe: Das riesige Gebiet an der Plieninger Straße in Stuttgart soll ein neues Gesicht bekommen und besser vernetzt werden. Die Stadt informiert über die ersten Pläne.

  • Blick vom 15. Stock des Dormero-Hotels auf die Sternhöhe, die ehemalige Daimler-Konzernzentrale (links), sowie das Hines-Gelände mit dem markanten Schuttberg. Dahinter liegt das Areal des Pressehauses. Vorne rechts sind die Flüchtlingsunterkünfte.Foto: Uli Nagel

    Blick vom 15. Stock des Dormero-Hotels auf die Sternhöhe, die ehemalige Daimler-Konzernzentrale (links), sowie das Hines-Gelände mit dem markanten Schuttberg. Dahinter liegt das Areal des Pressehauses. Vorne rechts sind die Flüchtlingsunterkünfte.Foto: Uli Nagel

Stuttgart - Das Gebiet rund um die Landhauskreuzung in Stuttgart-Möhringen soll in großem Stil geordnet, überplant und in Teilen neu bebaut werden. Diese bei der Stadtverwaltung als „Transformationsraum Möhringen-Ost“ bezeichnete Fläche umfasst aktuell unter anderem das von Freizeit und Entertainment geprägte SI-Centrum, das Pressehaus-Areal sowie den Campus Sternhöhe. Zudem gibt es noch Grünflächen und zum Teil jede Menge Parkplätze. Die Stadt hat bei einer Bürgerinformation ihre Ziele und erste Ideen vorgestellt, was auf den Flächen möglich ist.

Hines plant 500 bis 600 Wohnungen

Dieses rund 50 Hektar große Gebiet entlang der Plieninger Straße sowie östlich und westlich der B27 muss nicht erst aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden, denn es befindet sich bereits heute im Wandel. Offenkundig wird dies auf dem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem einst IBM und später die Firma Daimler beheimatet waren. Das Immobilienunternehmen Hines hat 2017 das Grundstück mit dem Ziel erworben, hier ein Gewerbegebiet mit gut 4000 Arbeitsplätzen zu schaffen. Von diesen Plänen ist man abgerückt, auch weil die Nachfrage nach Büroräumen gesunken ist. Stattdessen soll jetzt ein Mischgebiet mit Gewerbe sowie rund 500 bis 600 Wohneinheiten entstehen.

Für das Grundstück, auf dem heute das Pressehaus steht, gibt es ebenfalls Interessenten. Die Deutsche Bundesbank will ihre in die Jahre gekommene Stuttgarter Filiale an der Theodor-Heuss-Straße aufgeben und an der Plieninger Straße in Möhringen einen Neubau errichten. Wie groß der künftige Hochsicherheitstrakt einmal wird, ist zwar noch unklar, allerdings wird es laut Bundesbank keinen Wassergraben wie bei ihrem Neubau in Dortmund geben. Im Zuge dieses Projekts könnten im südlichen Teil des Areals in Richtung Stadtbahntrasse Wohnungen entstehen, wofür jedoch der Bebauungsplan geändert werden müsste.

Auch SI-Centrum will sich verändern

Auch der Campus Sternhöhe auf der anderen Seite der Plieninger Straße strebt nach Veränderungen und soll weiterentwickelt werden. Die einstige Daimler-Konzernzentrale wurde von der Immobilienfirma Alstria Office REIT-AG 2006 erworben und für 200 Millionen Euro umgebaut. Mehrere Unternehmen, wie zum Beispiel der IT-Dienstleister Bechtle sind inzwischen auf dem Campus angesiedelt, der über ein Flächenpotenzial von rund 100.000 Quadratmetern verfügt.

Auch die Eigentümer des SI-Centrums wollen laut Stadtplanungsamt das Sammelsurium an Freizeit-, Unterhaltungs- und Gastronomieeinrichtungen „konsolidieren und fit für die Zukunft machen“. Mehr konnte Stadtplaner Dominik Schultheiß, der für das Transformations-Projekt verantwortlich ist, zu diesem Thema nicht sagen.

„Ziel der laufenden städtebaulichen Studie ist ein übergeordnetes Strukturkonzept als planerische Grundlage für die zukünftige Weiterentwicklung, das gemeinsam mit den Eigentümervertretern erarbeitet werden soll“, betont Schultheiß. Im Fokus stehen dabei unter anderem eine stärkere Nutzungsmischung, neue Wohnangebote, moderne Arbeitsorte sowie qualitätsvolle Freiräume und nachhaltige Mobilität. „Generell müssen die Flächen sehr viel besser vernetzt werden“, so der Stadtplaner. Im Fokus stehe dabei die Plieninger Straße, die ein neues Gesicht und – vor allem beim SI-Centrum und der Sternhöhe – neue Querungen erhalten soll.

Da solch ein städtebauliches Transformationsprojekt auch von Visionen lebt, wurde sogar eine Überdeckelung der B27 geprüft – aber schnell wieder verworfen. „Viel zu teuer“, sagt Thees Kalmer vom Büro Catalyst, das zusammen mit dem Büro Cityförster die Studie erarbeitet hat. Doch die Planer sind auch ohne „Deckel“ davon überzeugt, viel Arbeits- und Lebensqualität in das riesige Gebiet bringen zu können. „Allein der Innovationscampus hat heute schon eine hohe Strahlkraft, die es jedoch neu zu befeuern gilt“, sagt Thees Kalmer. Zudem bieten der SI-Busparkplatz und die nicht mehr benötigten Daimler-Parkdecks ebenfalls Entwicklungspotenzial – zum Beispiel für Wohnen oder Freizeit.

Sehr erfreulich aus städtischer Sicht sei die positive Entwicklung auf dem Hines-Areal, das aktuell nur von einem riesigen Schuttberg geprägt wird. Den Architektenwettbewerb im Jahr 2018 hatte das Büro Pickard Clinton (USA) in Arbeitsgemeinschaft mit ARP Architekten und Glück Landschaftsarchitekten (beide Stuttgart) gewonnen. Vorgesehen sind insgesamt sechs große Gebäudeblocks, die sich paarweise gegenüberstehen.

Die für den nördlichen Bereich des Standortes vorgesehenen Büronutzungen sollen im Erdgeschoss mit Restaurants, Cafés, Fitnessangeboten und einem Lebensmittelmarkt ergänzt werden. Im südlichen Abschnitt soll ein gemischtes Quartier mit dem Schwerpunkt auf Wohnen und der dafür notwendigen Infrastruktur wie etwa einer Kita entstehen. „Der Satzungsbeschluss für das Areal soll im Herbst getroffen werden, sodass zeitnah mit einem Baubeginn zu rechnen ist“, sagt Dominik Schultheiß.

In diesem Jahr soll es eine weitere Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger geben. Der endgültige Strukturplan soll dann noch in diesem Jahr fertiggestellt und 2027 vorgestellt werden.

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