Stuttgart - In acht Jahren als Artenschützer hat Tim Hofmann noch nie einen Geparden in freier Wildbahn gesehen. „Aber das macht es umso spannender“, sagt der 37 Jahre alte Artenschützer. Er ist den weltweit schnellsten Tieren auf der Spur, indem er für die Umweltorganisation CCF (Cheetah Conservation Fund) die Hinterlassenschaften dieser bedrohten Tiere einsammelt. Der Kot wird untersucht und es wird geprüft, ob darin mehr Wild- oder Nutztieranteil enthalten ist. Ist letzteres der Fall, bekommen die Farmer vor Ort Herdenschutzhunde.
Bei der Suche nach Gepardenkot helfen Hofmann die beiden achtjährigen belgischen Schäferhunde Enyakwa (die Talentierte) und Gamena (die Beschützerin, die Mutige). Kürzlich berichtete der Wildtierbiologe in der Wilhelma, deren Förderverein sein Projekt unterstützt, von seiner Arbeit.
In Stuttgart konnte er Geparden auch im Gehege beobachten: Aktuell hat das Gepardenweibchen Niara sechs Jungtiere, die jetzt mehr als ein Jahr alt sind. Ein besonderer Moment für Tim Hofmann, die Tiere zu erleben, für deren Schutz er tagtäglich in Namibia mit Hilfe von dafür ausgebildeten Hunden unterwegs ist. „Ich bin begeistert von den Tieren hier, denn die Zucht ist sehr anspruchsvoll.“ Stefanie Reska, die Leiterin der Stabsstelle Artenschutz der Wilhelma, führt die Zuchterfolge auf die getrennte Haltung von Weibchen und Männchen zurück, die sich nur zur Paarung treffen, wie in freier Wildbahn auch.
Denn die Gepardinnen suchen sich ihre Partner: „Female choice“ sagt Hofmann. Und die erlebt Hofmann auch in Afrika, wo ein Weibchen ein Gebiet von bis zu 1600 Quadratkilometern durchstreift. Denn die Tiere kommunizieren dabei über ihre Hinterlassenschaften. Geparden-Männchen legen ihren Kot gerne auf Bäumen ab, die zur Seite geneigt sind, auf die sie leicht klettern können. Die Weibchen spüren diesen auf und entscheiden dann, mit welchem Männchen sie sich paaren möchten.
Meist ist Hofmann bei seiner Arbeit zusammen mit seiner Kollegin Ruusa Uugwanga für den CCF früh im Einsatz, bevor es heiß wird, teils schon um 4 Uhr früh. Er ist mit einem Geländewagen in ganz Namibia und auch in Angola unterwegs, zeltet und steht um 3 Uhr auf. Die Trockenheit von Mai bis Oktober helfe, die Kotproben zu finden. Oft findet er sie auf „Markierbäumen“, meist Kameldornbäume oder auf Termitenhügeln und Felsen. Hunde helfen Hofmann beim Aufspüren und im Labor kann dann der Gesundheitszustand des Tiers bestimmt werden, die Genetik, die Verwandtschaft, die Nahrung. Geparden hingegen seien extrem scheue, zurückhaltende Tiere. Aber: „Sie sind ein wichtiges Teil in der Nahrungskette und für uns als Wissenschaftler eine zentrale Art.“ Weil sie so große Streifgebiete haben, profitierten alle von Schutzmaßnahmen, auch andere Tiere und der Mensch, sagt Hofmann. Die 1990 in Namibia gegründete Umweltschutzorganisation CCF widmet sich der Rettung der Geparden in freier Wildbahn.
Hofmann bildet auch Herdenschutzhunde aus, beim CCF wurden in 30 Jahren bereits 800 Hunde an namibische Farmer vermittelt, die ihre Schafe und Ziegen vor Raubtieren wie Geparden beschützen. Dabei handelt es sich um anatolische Schäferhunde, die beim CCF gezüchtet und dann an die Farmer abgegeben und ausgebildet werden. Die Wilhelma unterstützt diese Arbeit und hat den anatolischen Schäferhund Jenny aus deutscher Zucht finanziert. „Wir haben etwa 30 Hunde, die bei uns leben und den Tieren zeigen, wie sie die anderen beschützen“, sagt Hofmann. Jenny sei besonders engagiert.
Der CCF hilft auch in der autonomen Region Somaliland am Horn von Afrika. Dort wurden 130 Geparden aus illegalem Wildtierhandel konfisziert. Die Wilhelma habe aus ihrem Notfallfonds mit 6000 Euro geholfen, sagt Reska. „Im ländlichen Gebiet leben die Menschen halbnomadisch und halten in den Hütten drei bis vier Geparden-Jungtiere.“ Diese werden dann verkauft. Die meisten seien sich nicht bewusst, dass es sich um eine Straftat handle, denn die Tiere gelten als Statussymbol und würden oft in arabische Länder gebracht, erläutert Hofmann.

