Stuttgart

Ein Foto-Schatz für die Stuttgarter Merz-Akademie

Tausende Fotobücher landen in der Bibliothek der Merz-Akademie. Mit der Sammlung des Stuttgarter Fotopioniers Dieter Woog erlangt die Einrichtung weit über die Region hinaus an Bedeutung.

  • Bibliotheksleiterin Sandra Gonser zeigt Rektorin Barbara M. Eggert, welche Schätze von Dieter Woog der Merz Akademie gespendet wurden.Foto: Jürgen Brand

    Bibliotheksleiterin Sandra Gonser zeigt Rektorin Barbara M. Eggert, welche Schätze von Dieter Woog der Merz Akademie gespendet wurden.Foto: Jürgen Brand

Stuttgart - Mehr als 4000 Bildbände, Sachbücher und Fachzeitschriften auf einmal, einfach geschenkt, gespendet – so ein Angebot bekommt eine Hochschulbibliothek nicht alle Tage. Die Leiterin der Bibliothek der Merz Akademie, Sandra Gonser, war davon auch völlig überrascht. „Im ersten Moment wollte ich sie ablehnen, einfach wegen der schieren Menge“, sagt sie. Bisher hatte die Bibliothek rund 12.000 Bände, etwa ein Fünftel davon zum Thema Fotografie. Doch dann ging sie mit dem Werkstattleiter und Fotografieexperten der Akademie, Victor S. Brigola, in die Wohnung in der Libanonstraße im Stuttgarter Osten. „Jeder Raum war voller Bücher. Das wäre fast schon ein Frevel gewesen, das abzulehnen.“

Seltene Fotografien New Yorker Wolkenkratzer

Gesammelt hat die Bücher der Ende vergangenen Jahres verstorbene Dieter Woog. Er hatte seine Ausbildung bei der auch für ihre Werksfotografie bekannten August-Thyssen-Hütte gemacht, ab 1964 war er selbstständig, die Meisterprüfung folgte 1969. Dem Stuttgarter Fotopionier waren die Kommunikation über Fotografie und vor allem auch die Ausbildung immer ein zentrales Anliegen. Er leitete selbst Kurse für Landschafts-, Porträt- und Werbefotografie, gründete den Arbeitskreis Werbe-, Mode- und Industriefotografie (AWI e.V.), gehörte zu den Mitgründern der Fotografen-Innung Stuttgart und des Stuttgarter Forums für Fotografie. Seine immer weiter wachsende Bibliothek war für ihn immer eine wichtige Wissens- und Inspirationsquelle.

Für die Nachkommen war von Anfang an klar, dass diese bedeutende Sammlung erhalten bleiben sollte. „Wir haben die Merz-Akademie immer als eine zentral wichtige Institution für die Ausbildung von Kreativen in Stuttgart wahrgenommen“, sagen Tochter Friederike und ihr Bruder Paul Woog. „Daher sind wir sehr glücklich, einen kleinen Beitrag und vielleicht auch einen Impuls für weiteres privates Engagement für die private Hochschule in diesen schwierigen Zeiten leisten zu dürfen.“ Die Merz-Akademie befindet sich, wie berichtet, in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. In diesen Tagen beginnt dort das neue Wintersemester, der Lehr- und Studienbetrieb läuft uneingeschränkt weiter.

Dem Architekturfotografen Victor S. Brigola leuchten die Augen, wenn er durch die kleineren, größeren und zum Teil auch gewichtigen Bände blättert. „Ich liebe natürlich diese Ausgabe von Reinhart Wolf, ,New York’, schwärmt er von den Fotografien der Spitzen von New-Yorker-Wolkenkratzern. „Das ist fantastisch schön und eins meiner Lieblingsbücher.” Zu den vielen Raritäten in der Sammlung gehören unter anderem auch Elliott Erwitts „On the Beach”, seltene regionale Publikationen aus der Region Stuttgart und natürlich wichtige Theorie-Standardwerke von Roland Barthes oder Susan Sontag. Brigola: „Ich habe jetzt noch mehr Lust, am Anfang des Semesters viele neue Dinge in die Kurse mitzubringen.”

Die Fotosammlung ist für alle Interessierten zugänglich

Sandra Gonser hat die ersten 500 Werke aus der Sammlung in die Bibliotheksräume gebracht, katalogisiert sie und macht sie dann im Bestand verfügbar. „Als öffentlich zugängliche Hochschulbibliothek möchten wir diese besondere Sammlung nicht nur Hochschulangehörigen, sondern allen Interessierten zugänglich machen“, sagt die Bibliothekschefin. „Die Sammlung ermöglicht unseren Studierenden, historische und zeitgenössische Positionen, unterschiedliche Bildsprachen und Formen fotografischen Erzählens unmittelbar am Original zu erschließen“, ergänzt die Rektorin der Merz-Akademie, Barbara M. Eggert.

Die Geschäftsführerin und Kanzlerin der Akademie, Andrea Zweifel, freut sich aus noch einem Grund besonders: „Gerade in der derzeit herausfordernden Situation ist die Entscheidung von Friederike und Paul Woog ein ermutigendes Zeichen des Vertrauens in die Merz Akademie. Dafür sind wir sehr dankbar.“

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