Stuttgart

Ein Festival, beim dem Musik auf Politik trifft

Das Umsonst & Draußen in Vaihingen will gesellschaftspolitische Themen und Musik zusammenbringen.

Stuttgart - Zelte, Essenswägen, Bierbänke und Sonnenschirme stehen verteilt über den ganzen Festplatz an der Krehlstraße in Stuttgart-Vaihingen. Menschen sitzen im Gras, stehen in Grüppchen herum oder schlendern umher. In der Mitte des Platzes ist eine große Bühne aufgebaut, auf der die erste Band des Tages, die Stuttgarter Gruppe ILI, ihren Auftritt startet - mit einem melancholisch klingenden Song, einer Mischung aus Rock, Blues und Ethno.

Die Temperaturen liegen bereits bei über 30 Grad. Auf dem Festivalgelände lassen sich die Besucher davon jedoch wenig anmerken. Einzig die Bewegungen werden allmählich etwas gemächlicher. Hier und da fächert sich jemand mit einem der Flyer Luft zu, die an den vielen Infoständen ausliegen. Diese stehen im sogenannten „Infodorf“ in einer langen Reihe nebeneinander. Andere drücken sich im Schatten unter den Dächern der Zelte herum und halten sich an ihrem kühlen Getränk fest.

Es ist das 45. Mal, dass das Umsonst & Draußen-Festival stattfindet. Die links-alternative Musikveranstaltung zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass der Eintritt frei ist, sondern versteht sich selbst „explizit als politischer Ort“, wie Britta Mösinger, eine der Organisatorinnen, betont. Der inhaltliche Schwerpunkt dieses Jahr: Kriegsdienstverweigerung. Die Festivalbesucher können sich an verschiedenen Ständen darüber informieren, wie sie sich „der zunehmenden Militarisierung entgegen stellen“ können, heißt es im Veranstaltungsflyer.

Mit seiner politischen Ausrichtung stößt das Umsonst & Draußen in Stuttgart immer wieder auf Ablehnung von rechter Seite. 2024 etwa veranstaltete die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative eine Kundgebung gegen das Festival, 2023 hatte die AfD im Gemeinderat einen Antrag eingebracht, der sich gegen die weitere Förderung des Festivals durch die Stadt richtete. Der Antrag wurde abgelehnt. In diesem Jahr blieb es von Seiten der AfD jedoch ruhig, sagt Mösinger.

Dafür beschäftigte das Festival in diesem Jahr ein anderes Thema: Stuttgart muss sparen, im Haushalt kürzte die Stadt die Förderung für das Festival um 20 Prozent. „Wir haben in diesem Jahr 6000 Euro weniger bekommen“, so Mösinger. „Und klar, die steigenden Kosten für Energie und Versicherung treffen auch uns in voller Härte.“ Sie veranstaltet das Umsonst & Draußen nun schon zum 16. Mal, mit einer festen Gruppe von 15 weiteren Organisatoren.

Das Festival setzt auf ein nicht kommerzielles Konzept: Die Musikerinnen und Musiker erhalten lediglich eine Kostenerstattung, das gesamte Team arbeitet ehrenamtlich. Einnahmen kommen vor allem durch den Verkauf von Speisen und Getränken sowie durch Spenden zusammen. Obwohl immer mehr kleinere Festivals aufgeben und die Kosten weiter steigen werden, macht sich Mösinger keine all zu vielen Sorgen über die Zukunft des U&D: „Wir wollen weitermachen, und wir haben so viele Ehrenamtliche, die sich hier dahinterklemmen.“

Für manche der Besucher ist das Umsonst & Draußen längst ein fester Termin im Kalender, andere sind eher selten da gewesen. So die 39-jährige Marlen. Die Stuttgarterin war „vor ungefähr zehn Jahren das letzte Mal hier“, wie sie erzählt. Diesmal ist sie mit ihrem Mann und den Töchtern Malia und Mira gekommen, „vor allem wegen der Musik und des Kinderprogramms“. Auch die 31-jährige Lilli und der 30-jährige Martin sind nicht gerade Stammgäste. Aber: „Gefällt uns bisher gut“ lautet ihr Urteil.

Ein wenig weiter trifft man auf eine vierköpfige Freundesgruppe: Sophia, Sophie, Annabell und Emma. Die vier sind über „Eintopf Stuttgart“, den emanzipatorischen digitalen Veranstaltungskalender für Stuttgart und Umgebung, auf das Festival gestoßen und zum ersten Mal hier: „Wir finden gut, dass hier auch politisch kommuniziert wird.“

Datenschutz-Einstellungen