Stuttgart - Für Andreas Vogel macht es einen großen Unterschied, ob ein Film analog über den Projektor flimmert oder digital von einem Beamer kommt. „Von dem Knattern geht eine ganz besondere Magie aus“, schwärmt der Filmenthusiast. Ab dem 30. August veranstaltet Vogel gemeinsam mit dem Planungsstab Haus für Film und Medien, der Montagegruppe sowie dem Verein Wand 5, mehrere Open-Air-Filmvorführungen in der Parkanlage Villa Berg in Stuttgart.
Vogel möchte dabei in die Vergangenheit abtauchen. Die 16mm-Analogfilme werden mittels Projektor auf eine Leinwand projiziert. Musikalische Untermalung kommt von einem Schallplattenspieler, und das Publikum darf Platz auf Picknickdecken nehmen – alles ganz im Retro-Flair.
Alle gezeigten Filme stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele von ihnen wurden ursprünglich als Lehrfilme in Schulen und Jugendzentren gezeigt – und waren lange verschollen. Vogel hat die Abende kuratiert: Einige Filme fand er auf Flohmärkten, andere stammen aus Archiven.
Filme aus dem privaten Archiv von Naturfilmer Karlheinz Baumann
Die erste Vorführung am Samstag, 30. August, zeigt Kurzfilme über Stuttgart in den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren. „Mit der Auswahl möchte ich zeigen, wie die Stadt damals aussah und wie sie sich selbst gesehen hat“, sagt Vogel.
Besondere Vorfreude hat er auf den 6. September: An diesem Abend zeigt er Naturfilme des renommierten Dokumentarfilmers Karlheinz Baumann. Der 87-Jährige, gesundheitlich verhindert, kann selbst nicht vor Ort sein – stellt jedoch mehrere Werke aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung. Baumann filmte jahrzehntelang Insekten, Orchideen und Pilze. Baumann produzierte mehrere Filme, unter anderem für das ZDF, SWR und Arte. Zudem hat er zahlreiche Fachartikel und Bücher verfasst.
Das Leben von Gastarbeitern der damaligen Zeit
Am dritten Abend, am 13. September, geht es um gesellschaftspolitische Filme der 1970er-Jahre: Eine Produktion über eine kirchliche Jugendgruppe aus Sindelfingen, surrealistische Darstellungen der Benachteiligung von Frauen und ein Blick auf das Leben von Gastarbeitern der damaligen Zeit. „Darstellungen, die so heute kaum noch denkbar wären“, sagt Vogel – er moderiert deshalb durch die Vorstellungen und ordnet die Filme in ihren historischen Kontext ein.
Den Abschluss bilden am 20. September Kurzfilme zu Verkehrserziehung und Arbeitssicherheit. Pro Abend werden jeweils drei bis fünf Filme gezeigt.
Wie sahen die Stadt und die Landschaft im Vergleich zu heute aus?
„Mit dem Blick in die Vergangenheit wollen wir auch etwas über die Gegenwart erfahren“, erklärt Vogel. Wie hat man damals gesprochen? Wie wurde erzählt? Wie sahen die Stadt und die Landschaft im Vergleich zu heute aus? Perfekte Kinobilder darf man dabei nicht erwarten. Die 16mm-Filme wackeln, knistern und sind teilweise verblasst. „Gerade das macht ihren besonderen Reiz aus“, sagt Vogel. Die Naturfilme von Karlheinz Baumann seien jedoch ein ganz besonderer „ästhetischer Genuss“, betont Andreas Vogel.
