Stuttgart - Der Fall der getöteten Pflegeschülerin Maha D., der derzeit vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt wird, und der Angriff auf eine Frau im Milaneo am Donnerstag erschüttern die Stadt. Diese und die anderen Taten eint, dass die Frauen von ihren meist ehemaligen- oder (Möchtegern-) Partner getötet wurden, weil sie sich von ihnen getrennt haben, das wollten oder gar nicht erst in eine Beziehung eintreten wollten. Seit Langem nennt man solche Taten Femizide.
In zwei Dritteln der Fälle könne man bereits vor der Tötung von einem „systematischen Gewalt- und Kontrollverhalten der Täter“ sprechen, sagt die Tübinger Kriminologin Sabine Maier vom dortigen Institut für Kriminologie. Zu Tötungen komme es schließlich, wenn Männern klar werde, „dass sie ihre Macht- und Kontrollansprüche nicht mehr weiter durchsetzen können: Sie fühlen sich in ihrer Männlichkeit gekränkt und wollen gezielt Rache nehmen.“ Verletztem Besitzdenken folge „krasse Gewalt“.
Auch in der Region Stuttgart ist es allein in den vergangenen zwei Jahren zu einer ganzen Reihe von Femiziden gekommen. In Kirchheim/Teck erdrosselte im August 2025 ein 26-Jähriger seine 30-jährige Freundin. Der Mann wurde vom Gericht dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen. In Remseck-Neckargröningen tötete ein 48-jähriger Familienvater am 20. März 2025 seine gleichaltrige Ehefrau im Schlaf mit über 25 Messerstichen. Die Frau hatte sich trennen wollen. Er gestand die Tat und wurde wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.
In Esslingen tötete ein 72-Jähriger Ende Februar 2025 seine ebenfalls 72-jährige Frau im Streit um die gemeinsamen Finanzen. Die Frau hatte die Scheidung gefordert. Der Mann wurde zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. In Stuttgart-Ost tötete am 10. Januar 2025 ein 33-Jähriger eine 25-jährige Studentin mit Messerstichen. Die beiden hatten sich zufällig in einem Fitnessstudio kennengelernt. Er spähte sie förmlich aus, beobachtete, wie sie mit einem anderen Mann das Studio betrat. Er wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
In Gerlingen schlug ein 24-Jähriger im Herbst 2024 seine 26-jährige Ex-Freundin nieder, danach erstach er sie. Die Leiche warf er in den Neckar. Er gestand die Tat und wurde zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. In Nürtingen erwürgte am 19. Oktober 2024 ein 38-jähriger iranischer Sprachschüler seine 66-jährige Sprachlehrerin. Die beiden sollen eine intime Beziehung gehabt haben. Es soll immer wieder zu Streit gekommen sein. Wegen Totschlags wird der Mann zu zehn Jahren Haft verurteilt.
