Stuttgart - Die Schotten haben ihr Wetter mitgebracht. Stuttgart im Nieselregen erinnert an Edinburgh im Sommer. So schliefen die Besucher zunächst einmal aus, ehe am Nachmittag die Sonne dann auch die Schotten nach draußen lockte.
Wie schmecken Maultaschen?
Zwei unserer Kollegen ließen die Gäste was ganz Besonders frühstücken – und Maultaschen probieren. Das Resultat war, sagen wir, gemischt. Von Begeisterung bis Entsetzen. Erstaunlich eigentlich, wenn man weiß, dass das schottische Nationalgericht Haggis aus dem Magen eines Schafes besteht. Der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Die Schotten sind freundliche Gäste, so sagten sie den Satz, den sie bei Dinkelacker und Hofbräu gerne hören werden. „Das Stuttgarter Bier ist besser als das Kölner.“ Dort hatte das schottische Team gegen die Schweiz gespielt. Vielleicht liegt das Lob aber auch daran, dass das Kölsch in Fingerhüten serviert wird. Bei Gläsern mit 0,2 Liter Inhalt braucht man viel Nachschub.
Was wird auf dem Schlossplatz gezeigt?
Sobald die Dudelsack-Parade der Kilt-Träger einmarschiert, stehen die Städte Kopf, bei der „Tartan-Army“, wie die schottischen Fans sich nennen, bleibt alles friedlich, und die Wirte freuen sich über Rekordumsätze beim Bier. Denn Schotten haben Durst, sehr viel Durst. Schon die Dänen haben es geschafft, in einer Nacht vor dem Spiel gegen Slowenien sämtliche Bierfässer von Sonja Merz im Biergarten im Schlossgarten leer zu trinken. „Deres skål“ heißt auf Dänisch Prost. Jetzt darf die Stadt noch was lernen. „Slaan-dsche-wah“, so klingt es, wenn sich Schotten zuprosten, von denen es heißt, sie seien noch viel trinkfreudiger als Dänen, falls es da noch eine Steigerung geben sollte.
Wie viele kommen? So genau weiß das niemand. Michael Schmücker, einer der Gastronomen in der Fanzone des Schlossplatzes, hofft, dass nicht alle Schotten zum Fanmeeting-Point im Stadtgarten gehen werden, wo am Sonntag um 21 Uhr das Spiel der Schotten gegen Ungarn gezeigt wird.
Dass zeitgleich auch die Deutschen gegen die Schweiz spielen, hat bei den Organisatoren des Fanfestes und der Polizei für einiges Kopfzerbrechen gesorgt. Gezeigt wird auf dem Schlossplatz die Partie der Deutschen gegen die Schweiz. Und wie bereits am Mittwoch wird mit einem proppevollen Schlossplatz gerechnet. Doch was tun mit den Schotten und Ungarn, die keine Karten fürs Stadion haben? Im Schlossgarten treffen sich wie am Mittwoch die Ungarn, und marschieren von dort um 17 Uhr ins Stadion. Im Schlossgarten stehen eine Bühne und eine Leinwand.
Wohin mit den Schotten?
Im Stadtgarten bei der Uni sollen die Schotten schauen. Dort waren 10 000 Dänen, nun werden allerdings weitaus mehr Schotten erwartet. Journalisten aus Schottland sind bereits da, auch einige tausend Fans. Die Vorhut. Unisono sprechen sie von vielen mehr, die kommen. Douglas (58), John (65) und dessen Sohn Markus (36) sind sichtlich nervös. Die drei Männer aus Glasgow schauen sich im Stadtgarten um. Eine Leinwand ist nicht zu sehen. Und der Platz sei viel zu klein. Bis zu 200 000 Schotten seien auf dem Weg nach Stuttgart, sagt Douglas. Sie sind am Mittwoch hergeflogen, um beim Gruppenfinale dabei zu sein und EM-Stimmung zu tanken – ohne Eintrittsticket. Jetzt sehen sie schwarz. „Das ist ein Desaster.“
Erst als ein Mitarbeiter der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart auftaucht, beruhigen sich die Schotten. Es werde Leinwände und Bierstände geben, erklärt er. 25 000 Fans sollen dort unterkommen. Ein Umstand lässt die Stimmung steigen: Weil der Schlossgarten kein offizieller Veranstaltungsort ist, kann Verpflegung mitgebracht werden. Doch eines muss man den Schotten noch sagen, rechtzeitig an Nachschub denken, sonntags sind in Deutschland die Supermärkte zu.
Geht das Bier aus?
Das wiederum freut die Wirte. Bei Michael Schmücker werde das Bier nicht ausgehen. Bei ihm steht ein Riesentank mit 250 000 Liter Bitburger. Auch Rico Becker, Gastronom auf dem Marktplatz, hat die Biervorräte ziemlich erhöht, aber auch Wein geht bei ihm gut. „Die Stimmung ist super in den EM-Tagen“, freut er sich, „das macht richtig Spaß.“ Ob sich der Einsatz auch finanziell lohnt? „Abgerechnet wird zum Schluss“, sagt Becker. Sonja Merz hat nach dem Besuch der Dänen gelernt. Auf zwei Parkplätzen stehen bei ihr nun zwei zusätzliche Bierkühlwagen, die einspringen können, wenn die Fässer leer laufen. Hofbräu-Chef Martin Alber sagt, seine Brauerei könne am Wochenende kurzfristig Bier per Laster liefern, falls es irgendwo knapp werden sollte.
Und bei Dinkelacker/Schwabenbräu? Da musste man die Bierproduktion nicht erhöhen. Laut Prokurist Til Odenwald habe man schon vor der EM „das Lager gut gefüllt“ und sei „in jedem Falle lieferfähig“. Man habe die Keller der Kunden „bis zum Anschlag voll gepackt“. Man habe obendrein ein Notlager eingerichtet, „mit dem wir in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit die Kunden mit einem schmalen Sortiment zu versorgen“. Bisher sei noch keiner seiner Kunden leer gelaufen – und dies werde auch weiterhin so bleiben. Mal schauen, ob die Schotten das ändern.
