Stuttgart

Die ganze Stadt feiert mit ihren Gästen

Halb Europa hat sich am Wochenende in der Fanzone auf dem Schlossplatz zum friedlichen EM-Mitfiebern getroffen.

Stuttgart - Längst sind Stuttgart und die Region auch die Heimat von Menschen, die ihre Wurzeln in Italien, Spanien, Kroatien, Serbien, Slowenien und Albanien haben. Am Samstag und Sonntag gesellte sich ein weiteres Völkchen unter die bunte Schar der EM-Fans. Mehrere Tausend „Wikinger“ verwandelten Stuttgart für 24 Stunden in ein Klein-Dänemark im Schwäbischen. Das Wochenende stand ganz im Zeichen der internationalen Völkerverständigung.

Durstige Dänen Aus München kam die Kunde, die Schotten hätten beim Auftaktspiel die Stadt an der Isar leer getrunken – in Stuttgart sind’s die Dänen, die den größten Durst haben. Schon vor dem Spiel der Wikinger am Sonntag gegen Slowenien meldet Wirtin Sonja Merz mit einer Mischung aus Verblüffung und Überraschung am Samstagabend: „Unser Bier ist aus!“ Etwa 3000 rot gekleidete Fans haben ihren Biergarten im Schlossgarten seit dem Vormittag mit Gesängen belagert. Als die Bierfässer nur mit Luft befüllt waren, stiegen die Gäste „auf Wein und Schnaps“ um, wie die Gastronomin berichtet. Die wiederum telefoniert bei ihren Kollegen rum, wer für Nachschub sorgen könne. Wasenwirt Dieter Klauss lieferte am Sonntag früh um 4 Uhr knapp 90 Fässer. Die Dänen-Party konnte weitergehen. „So was“, sagt Sonja Merz, „habe ich seit der WM 2006 mit den Briten und Holländern nicht erlebt.“ Und ein Däne ruft: „Deutschland ist dänisch!“

Die VIP-Logen vom Kleinen Schlossplatz Die ganze Stadt ein Stadion. Die Haupttribüne der City befindet sich auf dem Kleinen Schlossplatz. Die Freitreppe beim Kunstmuseum, das sind die VIP-Logen mit dem besten Ausblick. Von dort lässt sich wunderbar beobachten, wie Fans gruppenweise aufmarschieren in Richtung Fanzone des Schlossplatzes. Alles bleibt friedlich, hier zeigt sich: Fußball vereint unterschiedliche Menschen.

Die Stadt der Ringelschwänze Stuttgart hat in Sachen Sightseeing mehr zu bieten als Biergärten, liebe Dänen! Weil auf dem Marktplatz das Haus des Tourismus nicht rechtzeitig fertig geworden ist, hat Stuttgart Marketing beim Rathaus eine auf dem Dach begehbare Hütte mit der Aufschrift „Tourist-Information“ aufgebaut. Dort gibt es den Fan-Guide mit Stadt- und Spielplan sowie ein 32-seitiges Heft mit dem Titel „Discover Stuttgart and the Region“. Darin heißt es: „Stuttgart boasts many museums, but non like the Pig Museum. Here you can marvel at over 50 000 curly tails.“ Übersetzt: Stuttgart hat viele Museen, aber nur ein Schweinemuseum. Hier kann man über 50 000 Ringelschwänze bestaunen.

Noppers Trikotpanne Hohe Wellen im Netz hat OB Frank Nopper (CDU) ausgelöst, weil er auf die Schlossplatz-Bühne mit einem viel zu großen Trikotshirt gekommen ist, das halb in die Hose reingestopft war, halb darüber hing. „Die Anziehhilfe für Herrn Nopper“ möge schnell kommen, war zu lesen. Den Spott hat der OB mit Humor getragen und erklärt: „Ich hab ein XL-Shirt für einen XL-Sieg getragen.“

Drohnenalarm Der Schutz des Luftraums über den Veranstaltungen ist einer der Schwerpunkte der Polizei. Am Freitag musste sie tatsächlich auch in der Luft eingreifen: Über dem Schlossplatz und der Königstraße schwirrten zwei Drohnen. Sie gehörten Privatpersonen – einer 38-jährigen Frau und einem 51-jährigen Mann. Beide hatten die Flugobjekte nach ersten Erkenntnissen der Polizei „sorglos“ steigen lassen. Vom Flugverbot wussten sie nichts. Die Polizei fing die Drohnen ab.

Verlierer in Feierlaune Am ausdauerndsten haben am Samstag die Albaner gefeiert. Deren Mannschaft hatte das schnellste Tor der EM-Geschichte geschossen, aber verloren. Dennoch tanzten und jubelten sie bis Mitternacht. Unter anderem vor einem Lokal an der Theodor-Heuss-Straße, welche die Polizei wegen der großen Menschenmenge gesperrt hatte. Ein paar Böller flogen verbotenerweise, sonst sei es friedlich gewesen. Gegen Mitternacht habe man die Feiernden dann gebeten, doch mal aufzuhören, damit die Straße wieder freigegeben werden konnte. „Aber wir mussten sie nur ansprechen und nicht eingreifen“, sagt ein Sprecher der Polizei.

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