Stuttgart - Als der frühere Staatssekretär Florian Stegmann auf der Feier zum 250. Geburtstag der USA Ende Juli als Vorstandschef des Deutsch-Amerikanischen Zentrums (DAZ) öffentlich verabschiedet wurde, wirkte alles harmonisch und geradezu überschwänglich. Landtagspräsident Thomas Strobl (CDU) dankte dem „Florian“ für seine „segensreiche Tätigkeit“ beim DAZ. Und auch die DAZ-Direktorin Christiane Pyka zollte Stegmann duzend Dank für die siebeneinhalb Jahre seines Wirkens. Gerade in Finanzierungsfragen sei sie bei ihm „immer auf ein offenes Ohr“ gestoßen.
Dem Vernehmen nach soll Florian Haßler, Staatssekretär für politische Koordination und Internationales im Staatsministerium neuer Vorstandschef des Deutsch-Amerikanischen Zentrum im Alten Waisenhaus am Charlottenplatz werden. Er muss allerdings vom DAZ-Vorstand noch gewählt werden. Die Landesregierung würde den Stabwechsel von Stegmann zu Haßler am liebsten als ganz normalen Vorgang aussehen lassen.
Stabwechsel beim DAZ ein ganz normaler Vorgang?
Doch meldeten sich am Abend der gemeinsam mit dem US-Generalkonsulat ausgerichteten DAZ-Feier im Hospitalhof Stimmen, die auf den umstrittenen Abgang Stegmanns aus dem Staatsministerium verwiesen. Zur Erinnerung: Anfang 2025 ließ sich Stegmann, von 2018 bis 2025 Chef der Staatskanzlei von Winfried Kretschmann, wegen eines schweren Krankheitsfalls in der Familie als politischer Beamter in den einstweiligen Ruhestand versetzen, trat aber schon am 1. Juni als Generalbevollmächtigter bei der Beratungsgesellschaft Christ Capital in Berlin wieder an.
Der Übertritt zum gut bezahlten Lobbyismus rief nicht nur die Opposition auf den Plan, die von „mehr als nur einem Geschmäckle“ und möglichen Interessenkonflikten in seiner Amtszeit als Staatssekretär sprach. Doch der rasche Wechsel in den Lobbyismus sorgte auch in grünen Kreisen für viel Unmut.
Für das DAZ ist Haßler ein existenzsichernder Coup
Obwohl Ex-Staatsminister Rudolf Böhmler (CDU) noch viele Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Stuttgarter Regierungszentrale als DAZ-Vorstand sogar unter einer grün geführten Landesregierung fungierte, hieß es für Stegmann: Nach Ende der letzten Legislatur von Kretschmann ist Schluss.
Und der neue Kandidat für das Amt des DAZ-Vorstandschefs äußert sich auf Nachfrage bereits programmatisch: „Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind für das Tagesgeschäft der neuen Landesregierung zentral“, sagt Florian Haßler unserer Zeitung auch mit Verweis auch auf die beträchtliche Förderung des Deutsch-Amerikanischen Zentrums durch das Land. Für das DAZ ist die Fortsetzung der Tradition, dass die Spitze stets vom Staatsministerium gestellt wurde, in fiskalisch ungewissen Zeiten ein existenzsichernder Coup. Zudem folgt auf den Verwaltungsjuristen nun ein waschechter, Realo- Außenpolitiker bei dem Außenpolitiker-Ministerpräsidenten Cem Özdemir.
Und dieser plant nach Angaben Haßlers bereits für das Frühjahr 2027 eine große Delegationsreise nach Nordamerika in die beiden baden-württembergischen Partnerregionen Kalifornien und Ontario.
