Stuttgart

CDU-Erfolg: Opernsanierung muss warten

Vor der Sommerpause sollte die Planung des reduzierten Stuttgarter Opern-Interimsbaus beginnen. Plötzlich geht es um tiefgreifende Einschnitte – und zwar beim Haupthaus.

Stuttgart - Der Stuttgarter Gemeinderat sorgt für eine weitere Verzögerung bei den Sanierungsbemühungen für die Staatsoper. Die Entscheidung zur deutlichen Verkleinerung des neuen Opern-Interimsgebäudes im Norden der Stadt fällt nicht mehr vor der Sommerpause. Der sogenannte Vorprojektbeschluss wird vertagt.

OB Frank Nopper (CDU) zeigte kein Verständnis für den von der CDU-Fraktion initiierten Aufschub bis zum 24. September. Er sei ein Übel, die von SPD/Volt geforderte Vertagung bis Jahresende noch schlimmer. Unterstützt wurde Nopper von Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU).

Das „größte Problem dieser Opernsanierung ist, dass sie nicht schon längst begonnen wurde“, sagte er. Der Spielbetrieb im maroden, denkmalgeschützten Littmann-Bau sei gefährdet. Jedes Jahr Verzögerung koste wegen der Baupreissteigerung rund 50 Millionen Euro zusätzlich.

Die Christdemokraten wollen mit ihrer Vertagung diverse Forderungen auch vom Projektpartner Land erfüllt sehen. Diese zielen aber nicht auf das von 450 auf 289 Millionen Euro abgespeckte Interim, für dessen Bau eine Mehrheit existiert, sondern auf das sanierungsbedürftige Opernhaus am Eckensee. Dort droht mit den bisher vorgesehenen Erweiterungen, etwa dem Einbau einer Kreuzbühne und der erheblichen Vergrößerung des Kulissenhauses an der B 14, eine ausufernde Milliarden-Baustelle.

Daher sollen die Erweiterungen laut CDU entfallen: keine Kreuzbühne, kein neues Kulissengebäude, deutliche Reduzierung der Zusatzflächen und bis zum Wiedereinzug 2042 weniger Personal. Das Projekt brauche „klare Ansagen“, so CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Man wolle nicht die Fehler des Interims – erst groß planen, dann ein Jahr lang schrumpfen – wiederholen.

Die CDU will außerdem die zum Haushalt 2026/2027 vom Gemeinderat einseitig beschlossene Reduzierung der laufenden Opern-Zuschüsse beibehalten. Und sie fordert verbindliche Aussagen der Landesregierung und der regierungsbildenden Landtagsfraktionen zur Finanzierung der drei Bauteile Haupthaus, Interim und neue Werkstätten. Erst dann böte sich „aus heutiger Perspektive eine Chance auf Finanzierbarkeit und damit auf Realisierung“. Land und Stadt bestreiten sowohl den Betrieb als auch die Sanierung paritätisch.

Aktuell und bis zum Jahresende läuft zur Sanierung und dem Ausbau am Eckensee ein Architektenwettbewerb mit noch 16 Büros. Dessen Vorgaben könnten nicht einfach geändert werden, sagt Christoph Niethammer, der Chef der für die Opernsanierung gegründeten Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater (ProWST). Erst nach dem Wettbewerb seien Änderungen möglich. Die Verknüpfung des Beschlusses zum Interim mit dem Littmann-Bau sei „nicht nachvollziehbar“, so Niethammer. Ein Quartal Verzögerung verursache beim Interim zwei Millionen Euro Zusatzkosten.

SPD/Volt: Pläne aus einer anderen Zeit

Argumentativ hatten Nopper und Niethammer die Grünen an ihrer Seite, faktisch aber nicht. Ein Kostendeckel von einer Milliarde, wie ihn die FDP fordere, sei „unseriös“, sagte Stadtrat Marcel Roth (Grüne), die vom Linksbündnis geforderte zusätzliche Dauer- statt Interimsspielstätte bei den Wagenhallen „unsinnig“, die von SPD/Volt favorisierte Sanierung im laufenden Betrieb (und damit ohne Interim) „nicht nachvollziehbar“. Quintessenz für Roth: „Wir schließen uns dem CDU-Antrag an!“ Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Stuttgart-Mitte, Grüne) verwandte sich für eine rasche Entscheidung: „Die Oper ist ein Juwel, wir brauchen jetzt einen Anfang“, sagte sie.

Für SPD/Volt stammen die Planungen am Eckensee „aus einer andern Zeit“, nicht nur finanziell, auch was das „Kulturnutzungsverhalten“ angehe, so Stadtrat Dejan Perc (SPD). Die Genossen befürchten, dass die Stadt sich mit der Sanierung finanziell übernimmt. Wer die Baustelle am Eckensee schrumpfe, so der Gedankengang von SPD/Volt, könne sie auch ohne Interim durch Sanierung im laufenden Betrieb bewältigen. Dem widersprach Kulturbürgermeister Mayer vehement. Außerdem sei der Zuspruch zum Staatstheater noch nie so stark gewesen wie jetzt (die erfolgreichste Spielzeit). „Die Suche nach einem Plan B ist das einzige Kontinuum in diesem Projekt“, sagte Mayer.

Eine dritte Dauerspielstätte im Norden nur für die Oper neben dem bestehenden Schauspiel- und dem Opernhaus (dieses nur für Ballett) bedeute ein größeres Kulturprogramm und damit „doppelten Nutzen“ für die Bürgerschaft, so Hannes Rockenbauch für Linke/SÖS-Tierschutz. Noch eine Dauerspielstätte mache wegen höherer laufender Kosten „keinen Sinn“, kommentierte Mayer.

„Wir planen für 2040 und weitere Dekaden, für uns ist ein großer Konsens entscheidend“, mahnte der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks beim Gemeinderat Geschlossenheit an. Hendriks flocht die inzwischen surreal anmutende Anekdote ein, dass ihm bei seinem Wechsel nach Stuttgart 2008 gesagt worden sei, dass man die Oper innerhalb von sieben Monaten sanieren werde. Gleich nach dem Schauspielhaus, für zusammen 52 Millionen Euro.

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