Stuttgart - Andreas Frei steht nicht gern im Mittelpunkt. An diesem Mittwochnachmittag sind die Kameras auf dem Busbetriebshof in Möhringen trotzdem auf ihn gerichtet. Verantwortliche des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) überreichen ihm Urkunde und Wimpel als „Busfahrer des Jahres 2026“. Frei nimmt die Ehrung zurückhaltend entgegen. Dass der 43-Jährige auch anders kann, zeigte er im April. Damals leistete er einem Fahrgast Erste Hilfe.
Im morgendlichen Berufsverkehr auf der Linie 81 in Richtung Büsnau stieg an der Haltestelle Hegel-Gymnasium ein Mann aus und brach wenige Meter weiter auf dem Gehweg zusammen. „Er erlitt einen epileptischen Anfall“, sagt Frei. Der Busfahrer war auf Notfälle vorbereitet: Bei der Bundeswehr machte er eine verkürzte Sanitäterausbildung, zudem absolviert er berufsbedingt regelmäßig Auffrischungskurse.
Busfahrer bringt bewusstlosen Fahrgast in stabile Seitenlage
„Ich habe den ohnmächtigen Mann zunächst in die stabile Seitenlage gebracht“, sagt Frei. Als der Mann wieder ansprechbar gewesen sei, habe er ihn auf eine Bank gesetzt und einen anderen Fahrgast gebeten, bei ihm zu bleiben, bis der Rettungswagen kam. Zugleich habe er seinen Bus mit rund 70 Fahrgästen im Blick gehabt. „Zu lange wollte ich sie auch nicht warten lassen. Als ich wusste, dass der Mann bei Bewusstsein ist und er versorgt wird, habe ich meine Fahrt fortgesetzt. Ich kam etwas aus dem Takt, war aber dank einer kürzeren Pause an der Endhaltestelle schnell wieder nach Fahrplan unterwegs.“
Wie es dem Mann inzwischen geht, weiß Frei nicht. Seither kam kein Kontakt mehr zustande. „Ich habe nach ihm Ausschau gehalten, ihn aber nicht mehr gesehen. Ich bin auch auf verschiedenen Linien unterwegs“, sagt der Busfahrer.
Frei lebt in Wiesensteig. Nach einer Ausbildung zum Schreiner und Tischler finanzierte er mit seinem Lehrgeld den Busführerschein und wechselte bereits vor zwei Jahrzehnten in den Fahrdienst. Für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) fährt er seit gut einem Jahr. „Schon als Kind wollte ich Busfahrer werden“, so Frei.
Fahrgäste können Busfahrer des Jahres seit 2004 wählen
Der Wettbewerb „Busfahrer/in des Jahres“ wird vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) seit 2004 ausgeschrieben. Fahrgäste können dafür ihre Favoriten nominieren, eine Jury aus Vertretern des Verbunds, der Landkreise und der Verkehrsunternehmen entscheidet über die Auszeichnung.
Bei der Preisverleihung sagte Nils Himmelsmann, Unternehmensbereichsleiter Betrieb bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB): „Busfahrer halten unseren Alltag am Laufen.“ VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt betonte, Busfahrer prägten mit ihrem Verhalten das Bild des öffentlichen Nahverkehrs. Als Anerkennung erhielt Frei zwei Gutscheine und eine kleine Prämie.

