Stuttgart

B 14 ist mindestens fünf Jahre lang einseitig gesperrt

Aufgrund des Neubaus des Abwasserkanals unter der Bundesstraße ist eine geänderte Verkehrsführung notwendig – laut Stadt stehen aber immer zwei Fahrspuren in jede Richtung zur Verfügung.

  • Eine Straßenseite der B 14 ist zwischen Schwanenplatztunnel und Neckartor gesperrt.Foto: Andreas Rosar

    Eine Straßenseite der B 14 ist zwischen Schwanenplatztunnel und Neckartor gesperrt.Foto: Andreas Rosar

Stuttgart - Mit bis zu 70.000 Fahrzeugen am Tag ist die B 14 zwischen Schwanenplatztunnel und Neckartor eine der Haupteinfallstraßen in der Landeshauptstadt. Doch seit Donnerstag müssen sich Autofahrer auf der Cannstatter Straße, wie die Bundesstraße in diesem Abschnitt heißt, auf eine geänderte Verkehrsführung einstellen. Denn die B 14 ist nur noch einseitig befahrbar, die Straßenseite in Richtung Stuttgart ist gesperrt. Der Grund sind die großen Schäden am mehr als 60 Jahre alten Abwasserkanal, der unter der Bundesstraße verläuft. In mehreren Abschnitten wird der Nesenbachkanal zunächst saniert und im Anschluss durch einen Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite ersetzt. Die Stadt rechnet derzeit mit Kosten von mehr als 100 Millionen Euro.

Wie wird der Verkehr auf der B 14 geregelt?

Dass die B 14 im Zuge der Kanalsanierung zum Teil gesperrt werden muss, war von Beginn an klar. Doch dies kam nun schneller als erwartet. Denn im Zuge der vorbereitenden Maßnahmen wurde Asbest am Nesenbachkanal entdeckt. Zudem erwiesen sich die Schäden als deutlich größer als ursprünglich angenommen. Um das alte Bauwerk zu entlasten, wurde bereits ab dem 15. Juni ein Fahrverbot für den Schwerlastverkehr in Fahrtrichtung Stuttgart erlassen. Doch auch das reicht nicht aus. Als „reine Vorsichtsmaßnahme“ dürfen nun auch die Autos nicht mehr über den Abschnitt der B 14 rollen. Die beiden Fahrspuren in Richtung Innenstadt sind auf die Straßenseite in Richtung Schwanenplatztunnel verschwenkt.

Eine Einschränkung für den Verkehr soll es aber nicht geben. „Es stehen immer zwei Fahrspuren in jede Richtung zur Verfügung“, betonen die städtischen Experten. Aus Sicherheitsgründen gilt aber eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde im Schwanenplatztunnel in Richtung Innenstadt. Das Lkw-Verbot ist hingegen wieder aufgehoben.

Wie lange dauert die Sanierung?

Mit zügigen Fortschritten können Autofahrer nicht rechnen. Die ursprünglichen Planungen der Stadt sehen eine Bauzeit von mindestens sechs Jahren vor. „Es könnte aber auch deutlich länger dauern“, baut Jürgen Mutz, der Leiter des Tiefbauamts, angesichts der komplexen Sachlage vor. Eine Fertigstellung im Jahr 2031 scheint mit Blick auf die Verzögerung im Zuge der vorbereitenden Maßnahmen unwahrscheinlich.

Ab März 2027 soll mit der eigentlichen Sanierung des Nesenbachkanals begonnen werden. Bis dahin ist von der Bautätigkeit nicht viel zu sehen, es werden weitere Probebohrungen und Erkundungen durchgeführt. Im Anschluss soll dann der Neubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite erfolgen. Dann muss die Fahrbahn erneut verschwenkt werden. Für den Verkehr soll dann wieder nur eine Seite der B 14 zur Verfügung stehen.

Wie hoch sind die Kosten?

Ursprünglich ging die Stadtverwaltung einmal von Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro für die Sanierung des Nesenbachkanals aus. Inzwischen sind die veranschlagten Kosten bereits auf mehr als 100 Millionen Euro gestiegen. Und eine weitere Verteuerung will Amtsleiter Mutz keineswegs ausschließen. Denn die teure und aufwendige Entsorgung des Asbests am alten Abwasserkanal sorgt für zusätzliche Kosten. Zudem ist laut städtischen Experten noch nicht sicher, wie die Verstärkung des alten Bauwerks erfolgen soll und kann. Und nicht zuletzt würden auch weiter steigende Preise hinsichtlich des Neubaus erwartet.

Warum ist der Kanal so wichtig?

Im Zuge des Ausbaus der Cannstatter Straße in den 1960er Jahren wurde der Hauptauffangbereich des namensgebenden Nesenbachs zum heutigen Abwasserkanal umgestaltet. Er verläuft zwischen der Kreuzung Cannstatter, Wolfram- und Heilmannstraße sowie dem Schwanenplatztunnel unter den stadteinwärts führenden Fahrbahnen. Der Kanal ist 7,60 Meter breit und zwischen 3,50 und 4,50 Meter hoch.

Über diesen wird das Schmutzwasser aus Dusche, WC, Wasch- und Spülmaschinen sowie das Regenwasser von öffentlichen Plätzen aus den Stadtbezirken Vaihingen, Heslach, Kaltental und der gesamten Innenstadt aufgefangen. In der Regel rund 500 bis 600 Liter fließen pro Sekunde durch den Nesenbachkanal in Richtung Hauptklärwerk Mühlhausen. Nach Starkregenfällen kann sich dies auf bis zu 130.000 bis 140.000 Liter pro Sekunde steigern. Zum Vergleich: Bei Niedrigwasser stürzen am Rheinfall in Schaffhausen lediglich rund 100.000 Liter pro Sekunde in die Tiefe.

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