Stuttgart - „Jetzt zählt’s! Vorfahrt für Solidarität. Für einen starken Sozialstaat und sichere Arbeitsplätze in der Region Stuttgart“ – unter diesem Motto fand am 9. Juli ein Autokorso der IG Metall Stuttgart statt. Im Konvoi ging es vom Fernsehturm in die Innenstadt und wieder zurück. Sehr zur Verärgerung des ehemaligen Grünen-Bezirksbeirats Peter Mielert, der Mitglied der Gewerkschaft Verdi ist.
Er begrüßt zwar die Inhalte der Protestaktion, die Aktion mit rund 200 Fahrzeugen mache ihn angesichts der damaligen Hitze „einfach nur sprachlos“ und lasse ihn an der Gewerkschaft zweifeln. Er fordert die IG Metall auf, künftig auf Autokorsos zu verzichten. „Die kritische Situation in der Stuttgarter Innenstadt erfordert eigentlich ein Fahrverbot für private Verbrennerautos bei gesundheitsgefährdenden Temperaturen.“ Diesen Schritt begründet er mit dem Wirkungsgrad von Benzinern und Dieseln. „Der überwiegende Teil der Energie wird sofort als Wärme abgegeben.“ Auch Bremsvorgänge und Rollreibung würden die Luft aufheizen.
Die Verkehrslage stellte sich nach Angaben der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) weniger dramatisch dar. Demnach führte der Korso vor allem am City-Ring zeitweise zu mittelschweren Verkehrsbehinderungen.
IG Metall weist Kritik von sich
Andre Fricke, Sprecher der IG Metall Stuttgart, weist die Kritik zurück. „Mit dem Protest wollten wir auf geplante soziale Einschnitte und auf die schwierige Lage in der Automobilindustrie aufmerksam machen“, sagt er. Nach seinen Worten geht es dabei um mögliche Verschlechterungen bei Arbeitsbedingungen und Entgelten sowie um Stellenabbau und Standortschließungen.
„Gerade in einer Region, deren Beschäftigung, Wertschöpfung und industrielle Zukunft eng mit dem Fahrzeugbau verbunden sind, lag es nahe, eine Aktionsform zu wählen, die diesen Zusammenhang sichtbar macht“, so der Sprecher der IG Metall. „Ein Autokorso ist aus unserer Sicht kein Ausdruck von Rückwärtsgewandtheit, sondern ein bewusst gewähltes Mittel, um Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum zu erzeugen und Menschen zu erreichen, gerade auch jene, die wir mit klassischen Formaten oft schwerer ansprechen können.“
IG Metall: stehen für nachhaltige Zukunft
Auch die Pflegekräfte hätten am 19. Juni wohl aus ähnlichen Gründen einen Autokorso durch die Stuttgarter Innenstadt veranstaltet. „Die IG Metall steht für eine nachhaltige Zukunft. Gute Arbeit, soziale Sicherheit und Klimaschutz sind für uns keine Gegensätze, sondern müssen gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Genau deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Transformation der Automobilindustrie erfolgreich gelingt und die Beschäftigten dabei nicht die Leidtragenden sind“, sagt Andre Fricke.

