Stuttgart

Aus für Theaterhausanbau und VHS-Pläne

Die desolate Haushaltslage der Stadt Stuttgart verhindert oder verzögert gleich mehrere Großprojekte. Die Philharmoniker spielen im mit Asbest belasteten Gustav-Siegle-Haus.

  • Der Treffpunkt Rotebühlplatz muss saniert werden. Wann das geschieht, was das kostet und wo die Volkshochschule und die Musikschule vorübergehend hinziehen, ist noch nicht klar.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

    Der Treffpunkt Rotebühlplatz muss saniert werden. Wann das geschieht, was das kostet und wo die Volkshochschule und die Musikschule vorübergehend hinziehen, ist noch nicht klar.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Stadt Stuttgart muss wegen Geldmangels die Umsetzung namhafter Projekte auf die lange Bank schieben oder aufgeben. Teils sind dafür schon erhebliche Planungsmittel ausgegeben worden.

Beim Theaterhaus-Ergänzungsbau sind seit dem Grundsatzbeschluss für das Gebäude hinter dem Kulturtempel auf dem Pragsattel elf Jahre vergangen. 2023 hat man die bisherige Planung aufgegeben, da ein Saal mit Bühne und Foyer plötzlich für entbehrlich erachtet wurde. Stattdessen sah man vor, dort das benachbarte Varieté zu integrieren. Die Kosten wurden seinerzeit auf 110 Millionen Euro taxiert. In diesem Jahr sollte der Grundstein gelegt, 2030 dann Einweihung gefeiert werden.

Auf Anfrage teilte die Verwaltung nun aber mit: „Wegen der Haushaltslage realisiert die Stadt den Ergänzungsbau nicht.“ Es werde derzeit geprüft, ob sich ein Investor finden lasse, der im Rahmen des geltenden Planrechts die Baulücke schließe, um die Lärmschutzproblematik zu lösen. Ein kompletter Verzicht auf den Ergänzungsbau – so hieß es 2023 bei der Präsentation des Alternativplans – sei „keine Option, da der Lärm, der vom bestehenden Theaterhausbetrieb ausgeht, laut eines schallimmissionstechnischen Gutachtens in den Abend- und Nachtstunden die gesetzlichen Emissionsgrenzen deutlich überschreitet“. Es sei „dringend erforderlich, eine bauliche Lösung zu finden.

Das Varieté, so teilt die Stadt mit, „verbleibt bis auf Weiteres, wo es ist“ – obwohl schon voriges Jahr die Baugenehmigung für den Zweckbau abgelaufen ist. Für die Tanzkompanie von Eric Gauthier würden derzeit alternative Probeflächen gesucht, da die angemieteten Flächen der Firma DIBAG im Löwentorviertel zeitnah geräumt werden müssen. DIBAG-Eigentümer Alfons Doblinger ist ein alter Freund des Theaterhauses und von Gauthier. Er plant nach Informationen dieser Zeitung, eine andere Halle für längere Zeit zur Vermietung anzubieten.

Ob die DIBAG bereitstünde, die Baulücke mit Büros am Pragsattel zu füllen, wie im Rathaus spekuliert wird, ist vor allem ungewiss, weil in der Nachbarschaft Mercedes-Benz-Töchter ihre Mitarbeiterpräsenz reduzieren und damit dort ausreichend Bürokapazitäten auf den Markt kommen. Rund sechs Millionen Euro kostete nach Angaben der Stadt die verworfene ursprüngliche Planung des Theaterhaus-Erweiterungsbaus.

Treffpunkt Rotebühlplatz ist sanierungsbedürftig

Das Stammhaus der Volkshochschule VHS und der Musikschule muss generalsaniert werden. Wann, das ist laut Stadtverwaltung unklar. Denkbar wäre ein Sanierungsbeginn frühestens im Jahr 2029. Die Entscheidung werde voraussichtlich in den Haushaltsplanberatungen im Dezember 2027 getroffen. Dafür wird ein zweistelliger Millionenbetrag fällig. Klar ist nun aber: Es wird kein neuer Standort mehr für die Volkshochschule gesucht. Das Uhland-Carré, das ehemalige Allianz-Domizil an der Charlottenstraße, komme jedenfalls nicht in Betracht. Das sei nicht finanzierbar. Wo die VHS übergangsweise einziehen könne, stehe noch nicht fest. Die Sanierungsphase des Treffpunkts werde auf rund fünf Jahre geschätzt.

Geplant sei aber, dass die Musikschule nicht zurückkehre und eine neue Unterbringung erhalte. Der Suchlauf habe aber noch nicht begonnen. Die frei werdenden Flächen im „Treffpunkt“ würden dann zum einen der VHS zugesprochen, sodass kleinere Standorte aufgegeben werden könnten, und zum anderen den Berufsschulen, die dringend Flächen benötigten. Das stark sanierungsbedürftige Gustav-Siegle-Haus im Leonhardsviertel wird von den Stuttgarter Philharmonikern genutzt. Im Zusammenhang mit dem (mittlerweile in weiter Ferne liegenden) Vorhaben „Konzertforum“ in Bad Cannstatt als möglicher neuer Heimat, hatte die Stadt 2024 über eine Machbarkeitsstudie berichtet. Darin wurde von einer Bauzeit von mindestens vier Jahren ausgegangen. Für diesen Zeitraum müsste ein Interimsquartier für die Philharmoniker gefunden oder errichtet werden. Der Baubeginn sollte im Zeitfenster zwischen 2027 und 2029 liegen, spätester Termin zur Neueröffnung 2033 sein. Das Gesamtvolumen wurde damals auf bis zu 74 Millionen Euro ohne Interimsquartier geschätzt. Aber auch bei vollständiger Renovierung wäre das Haus grundsätzlich zu klein für eine angemessene Nutzung durch die Philharmoniker.

Nun verweist die Stadt darauf, dass es weder einen Baubeschluss gebe, noch eine gesicherte Finanzierung, ein Interimsquartier oder ein beschlossenes Nutzungskonzept für die Zeit nach einem möglichen Auszug der Philharmoniker. „Die Zukunft des Hauses ist faktisch an die ebenfalls noch offene Realisierung des Konzertforums gekoppelt.“ Nun habe man bei einer Untersuchung im Gebäude auch noch asbesthaltige Putzbestandteile an den Innenwänden gefunden. Davon gehe aber keine Gefährdung aus, weshalb nicht an eine Schließung gedacht sei. Die Beseitigung erfolge im Zuge einer künftigen Generalsanierung, die auch die Modernisierung der Gebäudetechnik (Heizung, Lüftung, Sanitär) sowie der energetischen Ausstattung vorsehe. Wie auch bei den anderen Projekten müssten für die Planung die Etatberatungen abgewartet werden, die allerdings einen noch strikteren Sparkurs zur Folge haben werden.

Villa Berg: es wird weitergeplant

Seit dem Auszug des SWR im Jahr 2005 steht das Kleinod Villa Berg weitgehend leer und wartet auf seine Sanierung und dauerhafte Bespielung durch einen Kulturbetrieb. Im vergangenen Jahr wurde wenigstens damit begonnen, den Park auf Vordermann zu bringen. Nach einer heftigen Kostendiskussion wurde die Planung für das Gebäude mit seinen Konzert- und Veranstaltungssälen, Probe- und Werkstatträumen, Gastronomie, Bühnen- und Medientechnik und der Sanierung der historischen Walcker-Orgel verkleinert. Laut Stadt laufen die Planungen weiter, dafür seien auch Mittel vorhanden. Man wolle sie auch „im Rahmen der bestehenden Verträge ohne Unterbrechung fortführen“, da eine Planungspause Mehrkosten aufseiten der planenden Büros nach sich ziehen würde. „Im Haushaltsjahr 2027 stehen nach derzeitiger Beschlusslage dann wieder neue Mittel zur Verfügung.“ Dass die Stadt derzeit 90 Millionen Euro – inklusive Park, Tiefgarage und Außenanlagen sogar mehr als 100 Millionen Euro – aufbringen kann, ist allerdings zweifelhaft.

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