Stuttgart - Wer die alte Brache zwischen rostigen Gleisanlagen und dem Neckar direkt hinter dem Bahnhof in Esslingen früher gekannt hat, der staunt heute nicht schlecht. Ein balkonartiger Aussichtspunkt, eine großzügige Freitreppe, das Flussufer renaturiert, 200 Bäume gepflanzt, Fuß- und Radwege neu gestaltet – so ist aus dem zwei Kilometer langen „Lostplace“ ein Schmuckstück geworden. „Ich bin überzeugt davon, dass dies ein Lieblingsplatz vieler Menschen wird, ein Ort, an dem man mitten in der Stadt die Seele baumeln lassen kann“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer jüngst bei der Eröffnung des neuen Grünzuges, der insgesamt zehn Millionen Euro gekostet hat.
Der schmale Neckaruferpark zwischen der Pliensaubrücke und dem sogenanntem Hechtkopf ist eine weitere Perle in einer langen Reihe von ähnlichen Maßnahmen, die seit exakt 20 Jahren von Kommunen und dem Verband Region Stuttgart jeweils in Form einer Kofinanzierung realisiert werden. Einen „Landschaftspark Region Stuttgart“ zu formen – diesen Auftrag hat der Verband Region vor zwei Dekaden zusätzlich zu seinen Aufgaben wie dem Management der S-Bahn und der Regionalplanung von der Landesregierung übertragen bekommen. „Da ist etwas gewachsen“, sagt der Regionaldirektor Alexander Lahl. „Erst als Idee in den Köpfen der Regionalpolitik und dann als Projekte in den Städten und Gemeinden.“
Landschaftspark in Einzelbausteinen
Der damalige Regionaldirektor Bernd Steinacher hat die Vision einst klar formuliert: „Es geht uns um die Verbesserung der vielfältig genutzten und bewusst gestalteten Kulturlandschaft“, betonte er, als 2006 die ersten Förderbescheide beschlossen wurden. Dieses Ziel solle nicht durch einige wenige große Projekte erreicht werden, vergleichbar dem viel gerühmten Emscher Park im nördlichen Ruhrgebiet, sondern dadurch, dass sich „viele Einzelbausteine über Jahre hinweg zum Landschaftspark Region Stuttgart zusammenfügen“.
20 Jahre später ist die Bilanz durchaus beeindruckend. Rund 350 Projekte wurden mit einem insgesamt hohen zweistelligen Millionenbetrag realisiert, alleine die Zuschüsse aus den Kassen der Region betrugen rund 30 Millionen Euro: „Aussichtsreiche Wanderwege, naturnahe grüne Klassenzimmer, spannende Themenspielplätze, familienfreundliche Radwege, zugänglich gemachte Flussufer“ stehen auf der Haben-Seite, wie der Verband in einem eigens aufgelegten Jubiläumsmagazin deutlich macht. Bei den Zugwiesen im Kreis Ludwigsburg ist eine naturnahe Auenlandschaft entstanden, der Travertinpark in Cannstatt wurde zum ökologischen Naturdenkmal umgewandelt, Masterpläne für Neckar, Rems und Alb bieten Leitplanken für künftige Entwicklungen.
Was aber sind die schönsten, spektakulärsten Projekt-Juwelen aus 20 Jahren neben dem Esslinger Neckaruferpark als jüngster Errungenschaft? Exemplarisch nennt der Verband Region unter anderem:
Flowtrail in Urbach (Rems-Murr-Kreis) Für passionierte Mountainbiker wurde eine 14 Kilometer lange Strecke durch das Gutenauer Tal geschaffen, die das Herz junger, geschickter und ambitionierter Zweirad-Freunde höher schlagen lässt – vor allem der 1,8 Kilometer lange Flowtrail mit einem Höhenunterschied von 400 Metern. Sport und Natur verbinden sich hier kongenial.
Albtraufgänger (Kreis Göppingen) Wer zu Fuß unterwegs sein mag, kommt auf dem insgesamt 113 Kilometer langen Abschnitt entlang der Albkante auf seine Kosten. Felsvorsprünge und Vulkankuppen bieten traumhafte Ausblicke, Streuobstwiesen, Wälder und Wacholderheiden garantieren Natur pur. Eingeweiht wurde der Albtraufgänger offiziell 2015.
Aussichtsturm Heidengraben Hoch oben in Erkenbrechtsweiler im Landkreis Esslingen befindet sich ein geschichtsträchtiger Ort; schon die alten Kelten siedelten dort im sogenannten Heidengraben. Seit rund zwei Jahren markiert ein 18 Meter hoher Aussichtsturm die Stelle und ist hauptsächlich an Wochenenden ein Anziehungspunkt.
Arsenalplatz Ludwigsburg Bäume, Wasserspiele, Sitzgelegenheiten – was aus einem einst großflächig versiegelten Parkplatz in einer Innenstadt entstehen kann, dafür ist der Arsenalplatz ein Paradebeispiel. 340.000 Euro an Zuschuss für die Umgestaltung kamen von der Region.
Seit 20 Jahren werden im Rahmen des Großprojektes Landschaftspark ganz konkret Freiräume erhalten oder neu geschaffen. Der Verband verfüge damit über ein wirksames Instrument, um gemeinsam mit den Kommunen und weiteren Akteuren gezielt in die Freizeit-Infrastruktur der Region zu investieren, heißt es, und damit einen Beitrag zu mehr Lebensqualität zu schaffen in einer nach wie vor wirtschaftsstarken Gegend.
Bundesgartenschau im Visier
Den nächsten großen Schub soll die Bundesgartenschau 2043 bringen, für die sich Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen und der Verband Region gemeinsam bewerben. Im Fokus: die Aufwertung des Neckars zu einem blauen Band durch die gesamte Region Stuttgart – nicht nur in Esslingen.
Weitere Informationen unter: https://landschaftspark.region-stuttgart.org
20 Jahre Landschaftspark
Fest Der Verband Region Stuttgart feiert 20 Jahre Landschaftspark Region Stuttgart an diesem Freitag, 10. Juli, bei den Weingärtnern des Teamwerk in Esslingen-Mettingen. Unter anderem soll an diesem Abend eine neu gestaltete Landschaftspark-Stele feierlich enthüllt werden. Bereits am Nachmittag findet ebenfalls beim Teamwerk in Esslingen ein kleiner, aber feiner Weinbau-Kongress statt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Zukunft der Steillagen – auch und gerade in der Region Stuttgart ein großes Thema.

