Stuttgart - Worin der der gestalterische Wert von Rolf Gutbrods 1956 eröffneter Liederhalle liegt – und was zu verbessern wäre, sagen Architekten aus Stuttgart.
Stefan Behnisch, Behnisch Architekten: „Die Liederhalle ist ein großartiges Beispiel der frühen Nachkriegsarchitektur. Ich meine, dieses besondere Werk wurde letztendlich unterbewertet. Man hat sich hier gerne auf Weissenhof, auf die Staatsgalerie oder womöglich sogar auf die Bibliothek im Bahnhofsareal berufen, wenn es um architektonische Leistungen ging – selten auf solch große Werke wie die Liederhalle und/oder die originale Landesbibliothek.“
Steffen Walter, heinlewischer Architekten: „Schon als Student durfte ich in den 90er Jahren an ihrer Sanierung mitplanen. Die Halle ist für mich bis heute ein Vorbild. Sie zeigt, wie eine Architektur entstehen kann, die dem Menschen in Maßstab, Atmosphäre und Nutzung gerecht wird.“
Achim Söding, Auer Weber Architekten: „Das Gebäude selbst ist ein Genuss, allein das Foyer erfreut mit seiner Galerie, den Treppen, den freien Wegeführungen. Von außen sind die einzelnen Säle als eigene Volumina mit überraschenden Materialitäten ablesbar. Große Natursteinplatten, keramische Fliesen, eigenwillige Fugenbilder lassen zunächst kaum Rückschlüsse auf die Nutzungen zu. Leider erreichen der Vorplatz als Deckel der Tiefgarage und seine Ränder nicht die Qualitäten, die diesem Bauwerk angemessen sind. Hier wäre eine Neugestaltung sehr wünschenswert.“
Tobias Wulf, Wulf Architekten: „Es lässt nicht nach, dass mir das Gebäude gefällt: diese total lässige Komposition mit seinen drei Volumen, die fast patchworkartig zusammengestellt sind, wobei jedes seinen eigenen Charakter bewahrt. Es ist vielleicht keine Weltarchitektur, aber weit über Stuttgart bekannt. Der Mozart- und der Beethovensaal sind von innen Weltklasse, die asymmetrische Saalform mit der aufschwingenden Empore habe ich sonst noch nirgendwo gesehen.“
Dieter Blocher, blocher partners: „Die Liederhalle zeigt, was Architektur leisten kann: Nicht aufdringlich und dennoch unverwechselbar. Sie trägt die Handschrift ihrer Entstehungszeit und bleibt dennoch offen für die Gegenwart. Wir als Architekten würdigen den Mut, mit dem Rolf Gutbrod vor 70 Jahren diesen prägnanten Ort geschaffen haben. Diese Planung überlässt nichts dem Zufall, das macht die Qualität zeitlos.“
