Die Arbeitswelt steht vor tiefgreifenden Umbrüchen: Immer häufiger wird Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt. Das macht vielen Menschen Angst. Und ein Blick auf die Statistiken wirkt nicht eben beruhigend. Daten des US-amerikanischen Stanford Digital Economy Lab etwa zeigen, dass junge Menschen kaum noch Jobs in Berufen finden, in denen KI besonders häufig eingesetzt wird. Laut Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom hat jedes vierte Start-up im vergangenen Jahr wegen KI auf Neueinstellungen verzichtet.
Viele Menschen fürchten, dass sie wegen der neuen Technologie eines Tages arbeitslos werden könnten. Bereiche wie das Handwerk profitieren von dieser Sorge, die Zahl der Auszubildenden nahm zuletzt zu. Viele Menschen hoffen, als Dachdecker, Mechatroniker oder Maurer nicht so leicht ersetzbar zu sein. Ob im Handwerk wirklich eine Job-Garantie steckt, ist allerdings offen. China lässt schon heute Autobahnen von KI-gesteuerten Maschinen bauen. Das klingt bedrohlich. Und trotzdem wäre es falsch, in Alarmismus zu verfallen. KI wird die Arbeitswelt zwar grundlegend verändern. Aber das heißt nicht, dass menschliche Arbeit überflüssig wird.
Der Soziologe Florian Butollo geht sogar davon aus, dass durch KI neue Jobs entstehen werden. Es brauche auch künftig Menschen, die die Chatbots programmieren, gegenprüfen und entwickeln, argumentierte Butollo in einem Interview mit der „Zeit“. „Ich stelle es mir vor wie mit dem Internet: KI revolutioniert unsere Arbeit, ohne dass es dadurch weniger zu tun gibt.“
Gerichte etwa werden derzeit von einer Klagewelle überschwemmt, weil sich viele Menschen von KI-Chatbots rechtlich beraten lassen – und per Mausklick rechtliche Schritte einleiten. Im Justizwesen stellt sich jetzt die Frage, wie man selbst KI einsetzen kann, um der Flut an Eingaben zu begegnen. Klar ist dabei: KI kann Richter und Anwälte nicht ersetzen, zumal sie nicht selten falsche juristische Informationen liefert.
Fraglos werden manche Berufe verschwinden, Übersetzer und Buchhalter etwa machen sich aus gutem Grund Sorgen. Doch auch in der Vergangenheit hat es solche Umwälzungen bereits gegeben: Stenotypisten, Telefonisten und Setzer gibt es praktisch nicht mehr, Reisebürokaufleute und Fotolaboranten kaum noch. Kutscher, Handspinner und Laternenanzünder waren in früheren Zeiten ganz normale Berufe. Heute begegnet man ihnen vor allem auf Mittelaltermärkten.
Technische Revolutionen haben die Arbeit immer verändert – ob es nun das Internet oder die Dampfmaschine war. Es ist kein Zufall, dass man KI-Skeptiker nun auch als Maschinenstürmer bezeichnet: wie die Textilarbeiter, die im 19. Jahrhundert Fabrikmaschinen zerstörten, um gegen die Industrialisierung und den damit verbundenen Verlust ihrer Arbeitsplätze zu protestieren.
In einem entscheidenden Punkt unterscheidet sich die KI-Revolution allerdings von vorherigen technologischen Umbrüchen: Zum ersten Mal bedroht die Neuerung insbesondere Akademiker. Auch deshalb dürfte der Aufschrei dieses Mal besonders laut sein.
Das eigentlich Unheimliche der KI-Revolution liegt darin, dass sie so schwer vorhersehbar ist. Dass sie menschliche Arbeit vollends ersetzen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Wo Aufgaben wegfallen, kommen andere hinzu. Das zeigt auch die schon erwähnte Bitkom-Umfrage: Demnach gab es im vergangenen Jahr nicht nur Start-ups, die auf neue Mitarbeiter verzichten. Fast jedes fünfte Jungunternehmen gab an, wegen Künstlicher Intelligenz zusätzliches Personal einzustellen.
