Stuttgart

Alkoholverbot an Bahnhöfen erst nach dem Wasen

Die Deutsche Bahn will den Konsum von Alkohol deutschlandweit verbieten, in der Region tritt die neue Regelung aber erst Mitte Oktober in Kraft – und auch danach soll mit Augenmaß kontrolliert werden.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn (DB) will den Konsum von Alkohol an deutschen Bahnhöfen verbieten. Fußballfans auf dem Weg zum VfB-Heimspiel und Besucher des Volksfestes müssen aber noch nicht mit Sanktionen rechnen, wenn sie im Vorfeld noch einen Schluck aus der Flasche am Cannstatter Bahnhof oder an anderen Stationen im VVS-Gebiet nehmen. Erst Mitte Oktober soll der Alkohol auch an den 94 Bahnhöfen in der Region Stuttgart verboten sein, „somit gehen wir den anstehenden Großereignissen noch aus dem Weg“, sagt Nikolas Hebding, der Stuttgarter Bahnhofsmanager.

Hingegen sind bereits mehr als 30 Stationen in Deutschland seit längerem alkoholfrei, darunter die Hauptbahnhöfe Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. Mit dem 1. September tritt das Konsumverbot nun an vier weiteren Verkehrsdrehscheiben in Kraft: An den Bahnhöfen Berlin Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen sowie in Kiel und Braunschweig. Es ist der erste Schritt bei der Umsetzung der im Juli von Bahnchefin Evelyn Palla angekündigten Neuregelung. Bis zum 15. Oktober soll an allen rund 5400 Bahnhöfen in Deutschland das neue Verbot gelten. Das betreffe „aber einzig den Konsum. In Gaststätten und in Märkten darf Alkohol weiter gekauft werden“, sagt Hebding.

Deutsche Bahn erhofft sich vom Alkoholverbot mehr Sicherheit

„Dann sind auch wir an der Reihe“, sagt Hebding. Die Entscheidung sei nicht bewusst im Vorfeld forciert worden, „aber wir nehmen diese Verzögerung natürlich gerne an“. Denn somit geht man möglichen Konfliktpotenzialen vorerst noch aus dem Weg. Besonders im Blickpunkt steht dabei der Bahnhof Bad Cannstatt. Wenn an diesem Freitag, 4. September, der VfB Stuttgart zum ersten Heimspiel der Bundesligasaison um 20.30 Uhr den 1. FC Köln in der heimischen MHP-Arena empfängt, passieren wieder Zehntausende Menschen den Bahnhof. Nicht anders sieht es beim Cannstatter Volksfest aus, das nur wenige Woche später, vom 25. September bis zum 11. Oktober, stattfindet.

Mit dem bundesweiten Verbot erhofft sich die Bahn mehr Sicherheit für Fahrgäste und Beschäftigte. Und das bundeseigene Unternehmen hofft auch auf mehr Sauberkeit. Auslöser war ein Vorfall auf der Bahnstrecke von Offenburg nach Karlsruhe, bei dem ein DB-Mitarbeiter bei der Fahrkartenkontrolle eines offenbar alkoholisierten Mannes schwer verletzt wurde. „Es ist leider so, dass das Aggressionspotenzial oftmals mit dem Alkoholpegel steigt“, sagt Hebding.

Mit dem nun in der Hausordnung verankerten Verbot habe man eine verlässliche Grundlage, in Problemfällen einzuschreiten. Bislang ist lediglich das Rauchen, Singen oder Betteln an den Bahnhöfen untersagt. Aber auch in Zukunft sei damit zu rechnen, dass sich nicht immer alle an das Alkoholverbot halten werden – wie bereits jetzt in den Zügen im VVS. Daher werde man bei den zukünftigen Kontrollen „mit Augenmaß vorgehen“. Man wolle niemals in Konfrontation gehen, betont Hebding.

Bußgeld wie beim Schwarzfahren

Vielmehr sei das Ziel des Ordnungsdienstes, wie etwa bei den Heimspielen des VfB oder während Großveranstaltungen wie dem Volksfest, in kurzer Zeit ganz viele Menschen geordnet zu bewegen. „Wir werden niemanden aus der Masse herausziehen“, sagt der Bahnhofsmanager. Auch ansonsten sei nicht sofort mit Sanktionen zu rechnen. „Wir wollen die Menschen behutsam darauf hinweisen.“ Damit habe man bereits gute Erfahrungen gemacht.

Die DB stimme sich im Vorfeld mit Polizei, Ordnungsbehörden und Veranstalter ab. Polizei und DB-Sicherheit sollen ab dem 15. Oktober an den Bahnhöfen sichtbar präsent sein. Aber erst bei dauerhaften Verstößen werde die Polizei herbeigerufen, welche die Personalien aufnehmen könne und einen Strafantrag stellen. Bei Verunreinigungen kann die Bahn zusätzlich ein Reinigungsentgelt von 60 Euro erheben. Allerdings eben noch nicht zum VfB-Auftakt und zum Cannstatter Volksfest. Dennoch rät Hebding den Fahrgästen, sich auf die zukünftige Regelung vorzubereiten: „Einfach den Deckel auf der Flasche lassen und erst später öffnen“.

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