Stuttgart - Es ist der 9. September. In der MHP-Arena beginnt für den VfB Stuttgart mit der Partie gegen den norwegischen Meister Viking Stavanger die Saison in der Champions League. Und das erfolgreich. Auf dem Platz wird Stürmer Ermedin Demirović zum Matchwinner. Beim 3:1-Sieg erzielt er alle drei Treffer für den VfB. Doch es gibt noch weitere Gewinner – abseits des Platzes.
Fröhliche norwegische Fans
Zum einen sind da die norwegischen Fans. Friedlich, fröhlich, entspannt zeigen sich die Gäste – und machen mit ihrer humorigen Art einen Mann international bekannt, der im Leben nicht damit gerechnet hätte. Patrick Müller ist an diesem Tag als Einsatzleiter für die Stuttgarter Polizei vor Ort. Ein Job, bei dem es normalerweise eher darum geht, Spannungen zwischen Fangruppen, aber auch mit der Polizei zu verhindern. Nicht jeder Fußballfan ist ein großer Freund der Ordnungshüter. Doch am 9. September kommt alles anders. Müller hält sich vor dem Spiel am Treffpunkt der norwegischen Fans auf. „Schon da ging es los mit Gesängen, die ich aber nicht verstanden habe“, erinnert sich der 36-Jährige, der seit Kurzem bei der Stuttgarter Polizei den Stabsbereich Einsatz leitet. Irgendwann sei ein Polizeikollege aus Norwegen zu ihm gekommen und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass die Gesänge ihm gelten. Der Grund: Die Gästefans hatten eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Müller und dem Viking-Spieler Zlatko Tripić erkannt. Und feierten den Stuttgarter Polizisten daraufhin den ganzen Tag lang.
„Ich kannte den Spieler bis dahin nicht und wusste nicht, dass die Fans mich meinen“, sagt Müller und schmunzelt. „Diesen Einsatz werde ich nie mehr vergessen.“ Denn der Einsatzleiter, der bis vor einem Jahr noch selbst aktiv Fußball gespielt hat, stellt sich schließlich für Dutzende Selfies mit Fans zur Verfügung. Die Laune bei allen Beteiligten ist bestens. „Das war für uns ein sehr entspannter Einsatz. Es ist schön, mal ein Fußballspiel zu haben, bei dem es keinen Ärger gibt“, sagt Müller. Er habe kurz überlegt und dann spontan entschieden, den Spaß mitzumachen. „Bei jedem Spiel wäre das sicher nicht gegangen“, weiß er.
Der Spieler lässt Grüße ausrichten
Auch bei Zlatko Tripić ist die Episode nicht unbemerkt geblieben. Er hat das Video ebenfalls kommentiert. „Amazing“, steht da unter seinem Namen, also frei übersetzt „überragend“. Dazu gibt es ein Herzchen für den Stuttgarter Polizisten. Und auch über Benedikt Röcker gab es Rückmeldung. Müller ist mit dem ehemaligen VfB-Spieler befreundet. Röcker spielte einst bei Greuther Fürth zusammen mit Tripić und hält noch Kontakt zu ihm. Tripić finde die Aktion „sehr cool“, habe Röcker ihm ausgerichtet.
Eine weitere Internetkarriere schließt Patrick Müller allerdings aus. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job“, sagt er und lacht. Eine Sache freue ihn aber sehr: „Es gibt praktisch nur positive Kommentare. Da konnten wir uns als Polizeipräsidium Stuttgart gut präsentieren.“

