Stuttgart - „A Kid Could Do It“ – ein Kind könnte das hinkriegen. Ein abschätziger Kommentar, hingeworfen vor einem Bild in einem Museum für moderne Kunst vielleicht. Der französische Künstler The Wa hat ihn zum künstlerischen Prinzip erhoben. Er besprayt Gebäude so, dass sie aussehen, als habe ein Kind ein Haus mit Buntstiften auf einen Bogen Papier gemalt: Vier Wände, ein Dach, ein paar Fenster, eine Tür, vielleicht noch ein paar Blumen.
Bunker, die vor über 80 Jahren die deutsche Wehrmacht an der französischen Atlantikküste hinterlassen hat, hat The Wa (sein bürgerlicher Name bleibt sein Geheimnis) bereits so gestaltet. Und jetzt, im Rahmen von Pfffestival, ein Projekt, das Stuttgart seit 2022 Stück für Stück ein bisschen bunter macht, ein Wohnhaus in Stammheim.
Gewohnt werde in der Asperger Straße 3 schon länger nicht mehr, erklärt Jan Ducks vom Studio Vierkant, den Organisatoren hinter dem Pfffestival, das unter anderem von der Stadt Stuttgart und dem Kunstverein Wagenhalle unterstützt wird. Das Haus wurde Pfffestival vom Liegenschaftsamt zum Gestalten überlassen, irgendwann soll es abgerissen werden. „Wann das ist, wissen wir nicht“, sagt Ducks: „Aber wir hoffen, dass das Gebäude noch ein paar Jahre steht.“
Weil es sich um ein Abrisshaus handelt, hatte The Wa die Möglichkeit, auch Fenster, Türen und das Dach zu gestalten. Das sei selten, sagt Ducks, denn meistens würden die Gebäude noch genutzt. Eine Woche hat The Wa für sein Kunstwerk gebraucht.
Das Echo in den sozialen Medien sei gewaltig: „Wir haben noch nie so viel Aufmerksamkeit zu einer Arbeit bekommen wie zu dieser.“ Reichweitenstarke Kunstaccounts teilten den Pfffestival-Post auf Instagram, es gab Glückwünsche aus der nationalen und internationalen Kunstszene. „The Was Werk scheint einen Nerv getroffen zu haben.“ Warum? „Vielleicht, weil der Künstler ganz bewusst mit Erwartungen bricht, die Naivität zum Prinzip erklärt. Das ist eine supermutige künstlerische Position.“
Und auch in Stammheim selbst waren die Reaktionen eher positiv, berichtet Jan Ducks. „Viele Menschen haben sich sehr gefreut, dass mit dem Gebäude endlich was passiert, weil es schon so lange leer steht.“ Natürlich habe es auch kritische Stimmen gegeben – „die gibt es immer, Kunst ist eben Geschmackssache.“ Aber vor allem die Kindergartengruppen seien begeistert. „Das freut uns besonders.“

