Stuttgart - Der Verkehr auf der Landstraße rauscht an Phil Weinmann vorbei. Noch einmal tritt der 22-Jährige in die Pedale und treibt sein Gravelbike den Bungsberg hinauf. Die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins ist mit einer Höhe von exakt 167 Metern und 40 Zentimetern über dem Meer nicht gerade das, was man eine Bergprüfung nennen würde. Da ist Weinmann ganz anderes gewohnt. Das letzte halbe Jahr arbeitete der junge Mann aus Crailsheim im Marketing bei einem Stuttgarter Fahrradladen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist der Höhenunterschied zwischen Talkessel und Bernhartshöhe fast doppelt so groß.
Der erwähnte Radladen war zuletzt in den Medien, weil er ständig von Lastzügen beim Rechtsabbiegen gerammt wurde. Doch jetzt schreibt Weinmann ganz andere und viel positivere Schlagzeilen. Bei einer Wohltätigkeitstour will er Geld für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) sammeln und für die Registrierung werben: 6500 Kilometer in 22 Wochen. Alle 16 Landeshauptstädte will er bereisen, München und den kompletten Osten hat er schon geschafft. Demnächst kommt Kiel an die Reihe, auf Sylt ist der Wendepunkt.
Frieren am Feldberg, Schwitzen am Bodensee
Am Feldberg geriet er in ein Unwetter und wurde nass bis auf die Knochen. Auf der Bundesstraße ging es steil nach oben, aber noch schlimmer war es bergab. „Da habe ich ganz schön gefroren.“ Ins Schwitzen kam er hingegen am Bodensee, wo er spontan am Bergzeitfahren auf den Pfänder teilnahm. Mit schwer bepacktem Reiserad fuhr er an den staunenden Zuschauern vorbei. „Am Ende durfte ich sogar noch am Mikrofon für meine Sache werben.“ Auf einem Feldweg bei Tuttlingen stoppte ihn derweil eine Bache, die ihre Frischlinge spazieren führte. Erst als ein Auto entgegenkam, traute er sich an der Rotte vorbei.
Bisher sei alles gut gegangen. „Ich hatte nicht einmal einen Platten.“ Und auch einen Schlafplatz habe er immer gefunden. Nach der Feldberg-Tortur kam er in einem Hotelzimmer der Rothaus-Brauerei unter, die ihn am Abend noch für einen Vortrag engagiert hatte. Häufig habe er aber einfach bei Leuten geklingelt und gefragt, ob er in ihrem Garten sein Zelt aufstellen dürfe. Oft seien die Menschen erst verdutzt gewesen. In einem kleinen Ort bei Passau habe eine Frau aber keine drei Sekunden überlegt. Statt im Zelt schlief er dann aber Gartenhütte. Das fand ihr Mann im Anbetracht der angekündigten Wolkenbrüche besser. Sogar ein Abendessen habe er bekommen. Und die Tür habe das Paar ihm auch offen gelassen. „Falls ich nachts aufs Klo muss.“
Ein neues Leben ermöglicht
Seine Verbindung zur DKMS reicht in Weinmanns Schulzeit zurück. Mit 17 ließ er sich nach einer Informationsveranstaltung registrieren. Drei Tage nach seinem 18. Geburtstag kam bereits die Mitteilung, dass er als Spender für eine Frau aus Italien in Frage komme. Tatsächlich konnte er der damals 40-Jährigen durch seine Knochenmarkspende ein zweites Leben ermöglichen.
Seither ist er immer wieder als Vortragsreisender für die gute Sache unterwegs, sieht sich längst aber auch selbst als Profiteur. „Eigentlich erfahre ich selten Ablehnung und habe schon viele tolle Menschen kennengelernt.“ Auch sein Spendenziel von 30.000 Euro ist bereits geknackt. Jetzt steuert Weinmann auf 40.000 Euro zu. Durch Norddeutschland, den Ruhrpott und über Saarbrücken geht es bald zurück in den Süden. Am 17. Oktober will er wieder in Stuttgart sein. Falls nicht doch noch ein Platten dazwischen kommt.

