Stuttgart

Zähes Ringen um Immobilie der Stadt

Der mehr als zehn Millionen Euro teure Neubau neben dem Tagblattturm steht weiter leer. Weil das Projektlabor Connect 0711 Publikumsverkehr plant, muss die Stadt einen neuen Bauantrag stellen.

  • Das dunkle Gebäude zwischen dem Tagblattturm und den Eberhardhöfen (frühere Teppichgalerie) ist längst fertig, aber weiter nicht bezugsfertig.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

    Das dunkle Gebäude zwischen dem Tagblattturm und den Eberhardhöfen (frühere Teppichgalerie) ist längst fertig, aber weiter nicht bezugsfertig.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Das schmale Wohn-, Büro- und Geschäftshaus in der Eberhardstraße 63 hat die Stadt Stuttgart bereits viel Zeit und Geld und die Verantwortlichen jede Menge Nerven gekostet. Zwischen dem Architektenwettbewerb und der Fertigstellung Anfang 2026 vergingen rund elf Jahre. Statt der ursprünglich kalkulierten 5,35 Millionen Euro werden inzwischen mindestens 10,3 Millionen Euro veranschlagt.

Als Gründe nannte die Stadt unter anderem den verspäteten Baustart, unerwartet entdeckte Fundamente des Tagblattturms, notwendige Umplanungen sowie die Auswirkungen der Coronapandemie und des Ukraine-Kriegs.

Mit der Fertigstellung zum Jahresanfang schien das unsägliche Kapitel abgeschlossen. Doch auch mehr als ein halbes Jahr später ist das Gebäude weiterhin ungenutzt. Nach Aussage der Stadt verhindere die noch fehlende baurechtliche Schlussabnahme den Einzug der Mieter.

Auf drei Büroetagen würde sich einmal wie bisher geplant die Abteilung Integration des Sozialamts einrichten, die den benachbarten Tagblattturm wegen dessen Generalsanierung verlassen muss. Hinzu kommt eine Maisonettewohnung, die innerhalb der Stadtverwaltung ausgeschrieben ist und günstig vermietet werden soll.

Neu ist aber, dass der erste Stock nicht mehr vom Jungen Ensemble (JES) bezogen wird. Die Verantwortlichen waren mit der Flächenaufteilung für ihren Bedarf unzufrieden und verbleiben deshalb im ehemaligen Casino im städtischen Gebäude in der Torstraße 15. Dort stehen rund 200 Quadratmeter zur Verfügung, die multifunktional insbesondere für Workshops, Spielclubs und Vermittlungsarbeit genutzt werden. Stattdessen gibt es nun die Idee, sowohl im Erdgeschoss wie auch im ersten Stock in der Eberhardstraße das Projektlabor Connect 0711 unterzubringen.

Publikumsverkehr erfordert geänderten Bauantrag

Gemeinsam mit migrantischen Vereinen, Kulturschaffenden und weiteren Akteuren erprobt die Stadt dort Workshops, Diskussionsrunden, Kulturveranstaltungen und andere Begegnungsformate für das künftige Haus der Kulturen, an denen auch Besucher teilnehmen. Gerade dieser Publikumsverkehr unterscheidet die geplante Nutzung aber vom bisherigen Vorhaben.

Die bisherige Genehmigung reicht dafür nicht aus. So sind Fluchtwege, Brandschutz und Barrierefreiheit deutlich anspruchsvoller auszugestalten. Für das Erdgeschoss ist bislang ein Ladengeschäft genehmigt. Weil dort nun ebenfalls das Projektlabor Connect 0711 mit Workshops, Veranstaltungen und Begegnungsformaten einziehen soll, muss die Stadt eine Nutzungsänderung beantragen. Für das erste Obergeschoss ist dies nicht erforderlich: Der Proberaum für das JES war genehmigt. Die Stadt muss deshalb eine Nutzungsänderung beantragen. Der entsprechende Bauantrag befindet sich nach Angaben der Verwaltung derzeit aber erst noch in der Vorbereitung. Zwar betont die Verwaltung, dieses Verfahren sei unabhängig von der auch noch ausstehenden Schlussabnahme des Neubaus. Solange jedoch weder diese erfolgt noch über den neuen Bauantrag entschieden ist, bleibt offen, wann das teure Gebäude tatsächlich erstmals genutzt werden kann.

Das seit Frühjahr 2024 aktive Connect 0711 ist gezwungenermaßen als „wanderndes“ Projektlabor unterwegs, es nutzte bisher unter anderem das Linden-Museum und andere Veranstaltungsorte. Eigentlich sollte die Einrichtung längst eine feste Experimentierfläche von rund 300 bis 400 Quadratmetern im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhofs bekommen.

Eine bautechnische Untersuchung machte diese Zwischennutzung jedoch unmöglich. Im Hinblick auf die nun drohende Wartezeit auf die Unterbringung im ehemaligen „Schillerhaus“ – der Dichter wohnte dort von 1781 bis 1782 – kommt das ehemalige Kaufhaus nun aber wieder ins Gespräch.

Im Gemeinderat gibt es Stimmen, die dort nun eine zeitweise Nutzung gemeinsam mit der Internationalen Bauausstellung IBA’27 für denkbar erachten. Die IBA-Macher mieten den ehemaligen Kaufhof zwischen April und Oktober 2027 vorübergehend für ihre Ausstellung. Danach soll das Gebäude zum Verwaltungsstandort umgebaut werden. In den Erd- und Untergeschossen sind zudem öffentliche Nutzungen geplant – unter anderem durch ein Haus der Kulturen.

Projektlabor im ehemaligen Kaufhof?

Die Kosten für die Sanierung des einst gemeinsam mit dem benachbarten Parkhaus in der Steinstraße vom gescheiterten österreichischen Immobilien-Mogul René Benko erworbenen ehemaligen Kaufhauses sind aber immens. Es wird deshalb geprüft, ob eine Generalübernehmervergabe von Planungs- und Bauleistungen möglich ist. Angesichts der desolaten Haushaltslage ist im Rathaus aber auch die Frage gestellt worden, ob ein Verkauf der Immobilie und das anschließende Anmieten des dann sanierten Gebäudes denkbar sein könnte. Dagegen spricht allerdings die mittlerweile gereifte Erkenntnis, mit der Anmietung des ebenfalls für Verwaltungszwecke gedachten ehemaligen „Bollwerks“ für mehr als 800.000 Euro monatlich statt eines möglichen Kaufs einen strategischen Fehler begangenen zu haben, den man womöglich nicht wiederholen sollte. Der Unterschied: anders als damals verfügt die Stadt heute nicht über die nötigen Mittel für einen solchen Immobilienerwerb.

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