Stuttgart - Der „Vorfall in Leipzig steckt allen noch in den Knochen“, sagt die baden-württembergische Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU). Dort war Anfang August eine mit Sprengstoff bestückte Drohne entdeckt worden. Inzwischen ist klar, es gab offenbar eine zweite. Seitdem ist eine bundesweite Debatte über die Sicherheit kritischer Infrastruktur, insbesondere von Flughäfen entbrannt. Die Politik hat schnelle Hilfe versprochen. Auch in Stuttgart gab es bereits Vorfälle mit Drohnen.
Im Rahmen ihrer Sommertour war es Razavi daher wichtig, bei der Station am Stuttgarter Flughafen ein besonderes Augenmerk auf das Thema Sicherheit zu legen. Die „Bedrohungslage hat sich durch den Ukraine-Krieg deutlich verschärft“, betonte die Verkehrsministerin beim Besuch der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die Politik sei nun gefragt, schnell eine entsprechende Technik zum Erkennen von Drohnen zu entwickeln und einzusetzen. Entsprechende Pläne hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bereits angekündigt. Diese solle an den acht größten deutschen Flughäfen zum Einsatz kommen – darunter auch Stuttgart. Erforderlich sei aus Sicht von Razavi aber auch der Einsatz „bei anderen Einrichtungen der kritischen Infrastruktur wie Bahnhöfen oder Krankenhäusern“.
Wie sehr diese neue Technik benötigt wird, zeigte sich bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Airport in Stuttgart. Denn vom Tower in Filderstadt aus, wo in der Regel vier Fluglotsen gleichzeitig sind, kann eine Drohne mit bloßem Auge nicht erkannt werden. „Das ist ab einem Kilometer Entfernung nicht mehr möglich, zumal diese nicht sehr groß sind“, sagt der Leiter der DFS-Niederlassung, Markus Bembeneck. Generell gilt ein Flugverbot für Drohnen an Flughäfen. Unter anderem mit großen Hinweisschildern wird darauf rund um das Gelände in Leinfelden-Echterdingen hingewiesen.
Diese Zone wurde Anfang August noch einmal ausgeweitet. In einem Radius von 1,6 Kilometer seitlich und von fünf Kilometern in der Verlängerung der Startbahn sind keine Drohnen mehr erlaubt. Dennoch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen – auch in Stuttgart. „Wir haben in diesem Jahr fünf gemeldete Drohnen gehabt“, sagt Bembeneck. In einem solchen Fall werden die Bundespolizei alarmiert. Zumeist kläre sich dies schnell und es handele sich um private Geräte. „Im Notfall wird ansonsten der Flugverkehr sofort eingestellt“, sagt der erfahrene DFS-Leiter.
Das Problem dabei. Nicht nur das menschliche Auge, sondern auch „das Radar erkennt die zumeist kleinen Drohnen nicht. Aufgrund der geringen Oberfläche geben sie zu wenig Echo ab, als dass sie auf dem Bildschirm erscheinen könnten.“ Daher sei man auf die Hinweise von Piloten, die beim Start oder der Landung entsprechende Entdeckungen machen oder auf das Bodenpersonal des Flughafens angewiesen. „Es ist schwierig“, gesteht Bembeneck.
Umso mehr hofft auch er auf eine schnelle Entwicklung der Technik. Technisch sei dies unter anderen durch die Erkennung des Funks zwischen der Drohne und der Fernsteuerung des Piloten möglich. Die sogenannte Radiofrequenz-Detektion (RF-Detektion) ist eine der effektivsten und am weitesten verbreiteten Methoden zur Drohnenüberwachung. „Dadurch kann man diese gezielt zum Abstürzen bringen“, sagt Bembeneck. Doch noch gibt es diese Technik in Stuttgart nicht.
Lange Landebahn – Vorfall wie in München ist unwahrscheinlich
Und wie sieht es aus mit einem ähnlichen Vorfall wie in München, als eine Maschine beim Start über die Landebahn hinausschoss und nur noch im letzten Moment abheben konnte? „Das war denkbar knapp“, sagt Bembeneck, „das hätte in einer Katastrophe enden können“. Aus einer Sicht sei dies mit einem menschlichen oder technischen Fehler begründbar.
Die Start- und Landebahn am Stuttgarter Flughafen sei 3,3 Kilometer lang, und somit selbst für einen Airbus 380 geeignet. Ein Fall, dass eine Maschine über die Landebahn hinausgeschossen sei, könne sich daher kaum wiederholen. Und hoffentlich auch nicht ein Angriff mit einer Drohne.

