Stuttgart - Auch wenn es am Wochenende zum ersten mal seit langer Zeit auch ausgiebiger in einigen Teilen von Baden-Württemberg geregnet hat, ächzt das Land weiterhin unter extremer Dürre. Das hat Auswirkungen an verschiedensten Stellen, etwa der Landwirtschaft oder in Sachen Waldbrandgefahr. Die Trockenheit wird vor allem in Flüssen sichtbar. Auf dem Rhein ist die Schifffahrt komplett eingestellt, auch andere Wasserwege sind wegen zu geringer Pegel nicht mehr befahrbar. Wer entlang des Neckars in den vergangenen Wochen unterwegs war, könnte aber einen gänzlich anderen Eindruck bekommen haben. Die Pegel scheinen normal, der Neckar sieht auch in Stuttgart aus wie immer. Woran liegt das?
27 Staustufen regulieren den Pegel
Der Neckar hat insgesamt 27 Staustufen. Sie sichern auf einer Länge von 203 Kilometern zwischen Plochingen und der Mündung in den Rhein bei Mannheim eine konstante Wassertiefe – im Normalfall sind das mindestens 2,80 Meter. Dass es derzeit zu wenig Wasser gibt, lässt sich allerdings an anderer Stelle ablesen: An der Wassermenge, die aus dem Neckar fließt.
Offensichtlich wurde das eben an der Stelle bei Mannheim, an der der Neckar in den Rhein mündet. Wo sonst gerudert wird, ist derzeit eine Steinwüste zu sehen. Von Wasser keine Spur. Laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), die die Gewässer im Land beobachtet, weise „ein Großteil der Pegel entlang des Neckars aktuell sehr niedrige bis extrem niedrige Abflüsse“ auf, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. So flossen am Dienstag dieser Woche 12,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bei Plochingen durch den Neckar. Das ist sehr wenig. Das langjährige Mittel an der Stelle liegt bei 51,5 Kubikmetern in der Sekunde. „Das Bild spiegelt sich auch in den Neckarzuflüssen wie beispielsweise Fils und Kocher wider“, heißt es von der LUBW dazu.
Bringt der Regen Besserung?
Werden die Schleusen, die den Abschluss einer Staustufe bilden, befüllt, sinkt der Pegel des Neckars kurzzeitig. Um dies zu kompensieren hatte sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar im Juli zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden. Auf der untersten Staustufe zwischen Feudenheim und Schwabenheim wurde die Wassertiefe des Neckars um rund 20 Zentimeter abgesenkt. Somit steht auf diesem Abschnitt nur noch eine 2,6o Meter tiefe Fahrrinne für die Schifffahrt zur Verfügung. Vergangene Woche hat es in einigen Landesteilen kräftiger geregnet, und es sind weitere Niederschläge vorhergesagt. Das habe zu einem kurzzeitigen Ansteigen der Pegel geführt, so die LUBW. „Eine nachhaltige Entschärfung der Niedrigwasserlage wird dadurch allerdings nicht erwartet“, teilt die Behörde mit.
