Stuttgart

Trotz Ernteausfällen reicht das Futter in der Wilhelma

Die Dürre zerstört landesweit Ernten. Doch die Wilhelma füttert täglich mehr als 9400 Tiere ohne Probleme. Wie schafft sie das?

  • Futtermeisterin Christina Winckle in der Futterküche der Wilhelma. Trotz Dürre gibt es keine Versorgungsprobleme.Foto: Lg/Kovalenko

    Futtermeisterin Christina Winckle in der Futterküche der Wilhelma. Trotz Dürre gibt es keine Versorgungsprobleme.Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Der Klimawandel, mit dem Hitze und Trockenheit einhergehen, hat im ganzen Land Ernteausfälle verursacht. Wie läuft es da in der Wilhelma, die besonders viel Futter für ihre Tiere braucht? Immerhin leben im Stuttgarter Zoo derzeit mehr als 9400 Tiere von 932 Arten. Da gibt es viele hungrige Mäuler, die etwa eine Tonne Futter am Tag benötigen. Wie muss die Chefin Christina Winckler in der Futterküche planen, damit das Futter für alle reicht?

Problematisch ist auch die Trockenheit, wegen der wochenlang kein Heu gemacht werden konnte. Aktuell benötigt die Wilhelma 113 Tonnen Wiesenheu im Jahr, wie Zoosprecher Birger Meierjohann erklärt. Das Heu werde normalerweise im Rosensteinpark geerntet. Das klappte dieses Jahr nicht.

Die Vergleichbarkeit zu den geernteten Heumengen sei nicht immer einfach, da Heu teils auf Ladewagen abgefahren werde, teilweise vorher zu Rundballen gepresst werde. Darum gebe es keine ganz klaren Einheiten, mit denen man rechnen könne, so Meierjohann. Es sei aber so, dass die Wilhelma in diesem Jahr rund 10 Prozent weniger Heu geerntet habe als 2025. Allerdings sei die Ernte auch 2025 relativ schwach gewesen. Es gebe dabei immer von Jahr zu Jahr Schwankungen, die nicht ausschließlich auf Trockenheit oder Bodenfeuchte zurückzuführen seien. „Gegenüber Spitzenjahren wie 2023 oder 2024 haben wir dieses Jahr allerdings Einbußen von um die 50 Prozent“, sagt er.

Doch trotz des Ernteausfalls erklärt Meierjohann: „Wir haben noch genügend Vorräte, zumal wir normalerweise deutlich mehr produzieren, als wir verbrauchen.“ Zu diesem Wiesenheu beschafft die Wilhelma weitere 51 Tonnen Luzerneheu und 21,5 Tonnen Schilfheu, die der Zoo jeweils von extern bezieht. Genaue Lieferanten und Orte nennt der Zoo hier nicht. Das Wiesenheu bekommen dann die meisten Huftiere in der Wilhelma, das Luzerneheu speziell die Giraffen, Okapis und Tapire. Elefanten und Nashörner erhalten Schilfheu.

Die Elefanten sind auch die Tiere, die von allen Tieren im Zoo die größte Menge an Heu benötigen: Jeder Dickhäuter bekommt pro Tag 100 Kilogramm. Die Trockenheit hat bewirkt, dass frisch gemähtes Futtergras aktuell kaum verfügbar sei, heißt es seitens des Zoos. Das Gras wird in der Wilhelma deshalb durch Heu ersetzt. Das ist offenbar derzeit die einzige Änderung, was den Futterplan im Stuttgarter Zoo betrifft. Alles andere ist geblieben. Auch beim Gemüse, welches den größten Anteil am Futter für die Tiere ausmacht? Die Tiere fressen jährlich etwa 146 Tonnen Gemüse, dazu kommen 113 Tonnen Heu und acht Tonnen Fleisch sowie 39 Tonnen spezielle Pellets und 33 Tonnen Stroh. Dazu 13 Tonnen Futterfische, 14 Tonnen Getreide und Sämereien. Die Sämereien fressen die Vögel.

„Lieferprobleme und Ausfälle, die für uns als Abnehmer spürbar sind, gibt es glücklicherweise nicht“, erklärt der Wilhelma-Sprecher. Auch mit Blick in die Zukunft sieht er keine Änderungen. „Es gibt also tatsächlich aktuell keinen Anlass, das Futterbeschaffungskonzept anzupassen.“

Im Sommer bezieht die Wilhelma das Obst und Gemüse frisch von Landwirten aus der Region, im Winter vom Großmarkt. Die Futterbeschaffung erfolgt zielgerichtet nach Plan durchs Jahr: Die Pellets werden stets drei Monate im Voraus bestellt, Fisch wird in der Wilhelma ein Jahr vorher beim Händler reserviert. „Er kommt aus dem Atlantik, Norwegen und Polen.“ Kleine Rotaugen für die fischfressenden Vögel bekommt die Wilhelma vom Bodensee.

Im Frühjahr bestellt der Stuttgarter Zoo schon jeweils saisonales Gemüse wie Kürbisse. Auch die Kartoffelbestellung gibt die Futtermeisterin jeweils im Frühjahr ab. Obst und Gemüse hingegen werden jede Woche neu geordert. Bislang laufen diese Bestellungen trotz der Anbaukrisen im Land nach Plan.

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