Stuttgart

Stuttgart will im Neckarpark 6000 Parkplätze stapeln

Die Stadt will im Neckarpark ein Gesamtkonzept für die Sport- und Veranstaltungsflächen entwickeln und dabei die Verkehrssituation berücksichtigen. Das Ziel: mehr Aufenthaltsqualität.

  • Ein Blick auf einen Teil des 55 Hektar großen Neckarparks mit den Veranstaltungs- und Sportflächen sowie der Daimler-Teststrecke. Eine große Aufgabe der Stadt ist es, die vielen versiegelten Flächen aufzubrechen und so die Aufenthaltsqualität zu verbessern.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

    Ein Blick auf einen Teil des 55 Hektar großen Neckarparks mit den Veranstaltungs- und Sportflächen sowie der Daimler-Teststrecke. Eine große Aufgabe der Stadt ist es, die vielen versiegelten Flächen aufzubrechen und so die Aufenthaltsqualität zu verbessern.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Auf dem 55 Hektar großen Areal des Neckarparks kommt in Stuttgart viel zusammen: Volks- und Frühlingsfest auf dem Wasen, Mercedes-Benz-Museum, VfB Stuttgart sowie Veranstaltungen und Konzerte locken Jahr für Jahr ein Millionenpublikum an. Und auf dem Gebiet des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht derzeit ein neuer Stadtteil. Doch wird das riesige Gebiet, das über enorme Strahlkraft verfügt, seiner Einzigartigkeit gerecht? „Nein, das Gebiet ist ein zum Teil dichtes Nebeneinander, in dem noch sehr viel mehr Potenzial steckt“, betonte Corinna Althanns, beim Stadtplanungsamt für den Bereich Neckar verantwortlich.

Sie und ihr Kollege Maik Bußkamp hatten deshalb den Bezirksbeirat Bad Cannstatt über ein neues Strukturkonzept für die Sport- und Veranstaltungsflächen Neckarpark unterrichtet, jetzt wurde auch dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik das Vorhaben vorgestellt. Ein teils visionär anmutender Masterplan, der selbst Zukunftsthemen wie „Stadt am Fluss“ oder die brach liegenden Flächen auf der anderen Neckarseite in Stuttgart-Ost berücksichtigt.

Auch die Aufsiedlung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals spiele eine wichtige Rolle, betont die Stadtplanerin. Denn auf dem Gelände, das die Stadt vor rund 25 Jahren von der Deutschen Bahn für ihre Olympiabewerbung gekauft hatte, sollen in den rund 850 geplanten Wohneinheiten rund 2000 Menschen wohnen, die ihre Freizeitaktivitäten auch in den Neckarpark verlegen wollen. Gleichzeitig stehen im benachbarten Sport- und Veranstaltungsareal Neckarpark Veränderungen an – von der geplanten Verlängerung der U19 bis vor das Daimler-Werkstor über die Zukunft der Hanns-Martin-Schleyer-Halle bis hin zur Neuordnung von Sportflächen. „Diese Entwicklungen bieten die Chance, das Gebiet strukturell und qualitativ weiterzuentwickeln“, sagt Baubürgermeister Peter Pätzold. Verbesserungsbedarf gebe es bei den Fuß- und Radwegeverbindungen. Wichtig seien mehr Grün, schönere Freiräume und eine klimaangepasste Entwicklung.

„Der Strukturplan Neckarpark soll hierfür den Rahmen setzen und als Leitbild für die weitere Entwicklung dienen“, sagt Pätzold. Wichtig sei, die unterschiedlichen Projekte sinnvoll miteinander zu verknüpfen. „Unser Ziel ist ein nachhaltiges, klimaresilientes und lebenswertes Sport- und Veranstaltungsareal mit hoher Aufenthaltsqualität, das den Menschen in Bad Cannstatt und ganz Stuttgart und als zentraler Veranstaltungsort auch der gesamten Region langfristig zugutekommt“, sagt Pätzold.

Versiegelungsgrad bis zu 90 Prozent

Ein Grundproblem des Neckarparks ist sicher, dass er zwar über große Freiflächen verfügt, die aber überwiegend versiegelt sind. Der Versiegelungsgrad liege zwischen 70 und 90 Prozent, „was sich natürlich negativ auf das Klima, die Ökologie und dadurch auf die Aufenthaltsqualität auswirkt“, sagt Stadtplaner Maik Bußkamp. Insgesamt verfügt der Neckarpark über rund 10 200 Parkplätze, nur knapp 4000 davon in Parkhäusern. Der Rest ist ebenerdig verteilt über das Gebiet und nimmt dabei eine Fläche von rund 20 Fußballfeldern in Anspruch. „Wir müssen mit diesem großen Flächenpotenzial anders umgehen, Verkehrsflächen reduzieren, effizienter belegen und Parkplätze stapeln“, sagt Maik Bußkamp.

Doch ein gewollt autoarmer Neckarpark benötigt adäquate Alternativen. Die Nahverkehrsanbindung durch eine verlängerte Trasse der U 19 steht hier bei der Stadt seit Jahren ganz oben auf der Agenda. Ein Problem sind auch die Rad- und Fußwege im Neckarpark, die nur mangelhaft beschildert sind, zudem sucht man vergebens gesicherte Fahrradabstellplätze. Ganz schlecht, da nicht barrierefrei, ist die Anbindung über den Neckardammradweg, die nur mit Absteigen, Schieben oder gar Fahrradtragen durch finstere Röhren verbunden ist.

Während die neue 36 Millionen Euro teure Sporthalle für Beachvolleyball, Judo und Handball vor wenigen Monaten Richtfest gefeiert hatte, stehen weitere Großprojekte noch in der Warteschleife. An erster Stelle muss hier die Hanns-Martin-Schleyer-Halle genannt werden, denn seit Jahren fordert die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart vehement deren Abriss und Neubau.

Auch der VfB Stuttgart hat laut Stadtplanungsamt große Pläne. Vergleiche mit anderen Bundesligaclubs haben gezeigt, dass die „Roten“ mit deutlich weniger Plätzen klarkommen müssen als die Konkurrenz. Doch nicht nur die Trainingsmöglichkeiten und -kapazitäten unter freiem Himmel sind unter dem Ligadurchschnitt, der VfB hat auch keinen Indoor-Trainingsplatz. Das komplette Clubgelände soll deshalb umstrukturiert und modernisiert werden.

Die Flächen südlich der Mercedesstraße stehen ebenfalls auf der Agenda der Verwaltung: Die Vereinssportanlage des Stuttgarter Sportclubs muss modernisiert und das Stadion Festwiese ausgebaut werden. Welche Rolle die einstigen Flächen des VfL Stuttgart spielen, muss noch geklärt werden. Diese hatte die Daimler AG 2009 für eine Standorterweiterung erworben, umgesetzt wurde nichts. Jetzt parken dort Autos. Ob Teile der Flächen wieder zurückgekauft werden können, muss laut Verwaltung geprüft werden. Im Gespräch war die Stadt mit Daimler aber auch, was ihre Teststrecke angeht. Für Forschung und Entwicklung, die immer noch in Stuttgart angesiedelt sind, wird sie laut Bürgermeister Pätzold jedoch noch benötigt.

Stadt am Fluss spielt eine große Rolle

„Generell will die Stadt die Aufenthaltsqualität steigern, die vorhandenen Flächen und Einrichtungen besser verknüpfen und an den Fluss anbinden und so den Neckarpark attraktiver gestalten“, sagt Corinna Althanns. Deshalb wird in den kommenden Jahren auch der Neckardamm auf der Wasenseite zwischen der König-Karls-Brücke und der Daimler-Teststrecke für rund 30 Millionen Euro schick gemacht. Am Campingplatz ist im Rahmen des Stadt-am-Fluss-Projekts sogar an Gastronomie gedacht.

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