Stuttgart - Kaum ist die Männer-Nationalmannschaft aus der WM ausgeschieden, gibt es schon wieder Aufregung um ein internationales Fußballturnier. Dieses Mal aber um die bereits zwei Jahre in der Vergangenheit liegende Europameisterschaft 2024, die auch in Stuttgart ausgetragen wurde. Genauer gesagt geht es um Karten, welche die Euro 2024 GmbH den Gastgeberstädten zur Verfügung gestellt hat. Auch Stuttgart als „Host City“ hat solche Karten erhalten. Das sei vertraglich so vereinbart worden.
Nun ist der Verdacht aufgekommen, dass in zumindest einem Fall in Gelsenkirchen ein Mitarbeitender Karten „zur Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung“ genutzt haben soll. Also nicht so, wie es den Richtlinien dafür entsprach. Deswegen ermitteln nun das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft Bochum. Am Mittwoch wurden Verwaltungsgebäude in vielen Gastgeberstädten in Deutschland durchsucht. In Stuttgart gingen die Ermittelnden in das Haus, in der auf dem Cannstatter Wasen die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart ihren Sitz hat und durchsuchten dort die Räume.
In diesem Zusammenhang hat die Stadt ein Statement abgegeben: Denn schon vor Beginn der EM gab es Zweifel daran, ob es statthaft sei, dass die Städte Karten mit Vorkaufsrecht und sogar Freikarten für die heißbegehrten Matches erhalten sollen. Die Rechercheplattform Correctiv hatte damals eine Anfrage an alle Städte gestellt, die das Angebot erhalten hatten. Von Stuttgart bekamen sie keine Antwort. Susanne Kaufmann, die Sprecherin des Oberbürgermeisters, erläutert, dass damals nicht klar gewesen sei, dass es sich um eine Correktiv-Recherche handelte. Die Fragen seien von „Frag den Staat“ gekommen. Man sei überrascht gewesen, dass das Ergebnis der Recherche bei Correctiv kam.
Zu den Tickets erklärt die Sprecherin, die Stadt habe das damals ein Konzept zur Vergabe der Karten „in Absprache mit allen Referaten und Bürgermeistern erarbeitet und von einem Fachanwalt für Compliance-Fragen prüfen lassen“. Stuttgart habe „im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen mit der UEFA zur Wahrnehmung ihrer Rolle als Host City einige Freikarten sowie ein größeres Kontingent an Tickets mit Vorkaufsrecht angeboten bekommen“. So habe man Repräsentanten der Städte und ihre offiziellen Gäste zu den Spielen bringen könne.
Das Angebot für Stuttgart waren 3500 Eintrittskarten und 210 Freikarten. Abgenommen habe die Stadt 2297 Karten, davon waren 159 Freikarten. Den Rest habe die in.Stuttgart, die mit der Organisation betraute Tochtergesellschaft, „käuflich erworben“. Namen der Personen, welche die Karten bekamen, könne man aus Datenschutzgründen nicht nennen, ohne dass diese ihr Einverständnis geben. Abgeordnete, Landräte, Oberbürgermeister, Konsuln, Repräsentanten aus Partnerstädten und Mitglieder des Stuttgarter Gemeinderats seien dabei gewesen. Die Freikarten seien an die betroffene Person ohne Begleitung ausgegeben worden.
