Stuttgart

Spätsommer und Freiluftkino im Park der Villa Berg

Vier Samstage, freier Eintritt, Musik zur Einstimmung und echtes 35mm-Analogkino: Das Freiluftkino zeigt Klassiker mit starken Frauen.

  • „Das Freiluftkino war schon im letzten Jahr ein voller Erfolg. Wir hatten Gäste von 18 bis 75 Jahren, die sich gemütlich auf der Wiese Filme angeschaut haben“, erinnert sich Andreas Vogel, der das Kino programmatisch mitgestaltet hat.Foto: Lichtgut/Julian Rettig

    „Das Freiluftkino war schon im letzten Jahr ein voller Erfolg. Wir hatten Gäste von 18 bis 75 Jahren, die sich gemütlich auf der Wiese Filme angeschaut haben“, erinnert sich Andreas Vogel, der das Kino programmatisch mitgestaltet hat.Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Das Open Air Kino im Park der Villa Berg ist zurück. An vier aufeinander folgenden Samstagen, beginnend am 29. August, werden unter freiem Himmel bei freiem Eintritt vier wegweisende Filmklassiker des Neuen Deutschen Films aus den 1960ern und 70ern gezeigt. Nicht im Nolan‘schen IMAX-, sondern im analogen Originalformat auf 35mm-Film. „Und wo hat man noch Gelegenheit, eine analoge Projektion mit 35mm-Film zu sehen?“, fragt Andreas Vogel von der Montagegruppe und der Rakete Bar, der das Programm mitgestaltet hat. Abgespielt werden die Filmrollen auf alten italienischen Filmvorführgeräten.

Gemeinsam haben alle ausgewählten Filme starke Frauenfiguren, die selbstbestimmt über die Kinoleinwand schreiten und sich nicht den Mund verbieten lassen. Unter anderem Uschi Obermaier, Eva Renzi, Uschi Glas, Margarethe von Trotta und Hanna Schygulla. Moderiert werden die Abende von Andreas Vogel, außerdem gibt’s vor jedem Film soulige Musik von demselben und weiteren Soul-Platten-Connaisseuren.

Wer Lust auf lässigen Münchner Retro-Charme, federleichte Wortwitze und pure Sechziger-Attitüde hat, ist bei May Spils’ Kult-Klassiker „Zur Sache, Schätzchen“ genau richtig. „Der erste Film ist einer der größten Kinoerfolge der 60er-Jahre und besticht durch seine sommerliche Leichtigkeit, die für den deutschen Film durchaus ungewöhnlich ist. Er wurde von einer Regisseurin gedreht und beschreibt eine bestimmte Lässigkeit der 60er-Jahre“, erklärt Vogel. „Uschi Glas hat man vorher und nachher nie wieder in so einer Rolle gesehen: In diesem Film macht sie aber klar, was für ein Star sie eigentlich ist.“

Von Sommerfilm bis Unterwelt-Drama

Rudolf Thomes „Rote Sonne“ hingegen bedient alle, die Lust auf einen stilvollen, radikalen WG-Thriller über vier Frauen auf Männerjagd und kühl inszenierte Subversion haben. Vogel verrät: „Die ‚Rote Sonne‘ ist ganz weit weg vom deutschen Fernsehen. Man könnte zwar beim Lesen der Filmbeschreibung denken, es ist eine intellektuelle Versuchsanordnung, aber das ist gar nicht der Fall.“ Neben Uschi Obermaier macht auch Marquard Bohm eine gute Figur. „Man sieht ihn in diesem Film und fragt sich, warum er danach eigentlich nicht der deutsche Belmondo geworden ist“, findet Vogel.

Ein rasantes, optisch berauschendes Stück Zeitgeschichte zwischen High Society und der Rastlosigkeit der Großstadt bekommen Fans von stylischem Schwarz-Weiß-Kino mit Will Trempers „Playgirl“ am 12. September geboten. „Letztendlich ist es ein Film über die Zeit des Wirtschaftswunders, ein bisschen aus der Zeit gefallen“, erklärt Vogel. Die zentrale Figur, ein Model, „eine Ausnahmepersönlichkeit“, wie Vogel betont, wird von Eva Renzi gespielt.

Zum Abschluss der Reihe wartet ein düsterer, kompromissloser Ausflug ins Autorenkino mit Rainer Werner Fassbinders Unterwelt-Drama „Götter der Pest“, das von Verrat, Sehnsucht und unausweichlicher Melancholie erzählt. „Der Film wurde für schlappe 180.000 Mark in fünf Wochen von Fassbinder abgedreht“, erklärt Vogel.

Sobald die Sonne untergegangen ist, beginnen die Filmvorführungen. Picknickdecken und Snacks müssen selbst mitgebracht werden, der Eintritt ist frei. Falls das Wetter nicht mitspielen sollte und es regnet, wird die Aktion in die Berger Kirche verlegt werden.

Das Freiluftkino, das 2025 erstmals veranstaltet wurde (damals mit 16mm-Analogfilm), ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart, des Planungsstabs Stuttgart Moving Image Center und des Planungsstabs Villa Berg, das Ganze in Kooperation mit dem Verein Wand 5/Filmwinter, dem Kinomobil Baden-Württemberg und der Montagegruppe.

Programm Freiluftkino Villa Berg

Samstag, 29. August
Film: Zur Sache, Schätzchen (Regie: May Spils, 1968, FSK 12), Musik: DJ Andreas Vogel

Samstag, 5. September
Film: Rote Sonne (Regie: Rudolf Thome, 1970, FSK 12), Musik: DJ Malayka

Samstag, 12. September
Film: Playgirl (Regie: Will Tremper, 1966, FSK 6), Musik: DJ Konrad Kuhn

Samstag, 19. September
Film: Götter der Pest (Regie: Rainer Werner Fassbinder, 1970,FSK 16), Musik: DJ Koro

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