Stuttgart - Vor drei Jahren haben die stadteigene Veranstaltungsgesellschaft und die Objektgesellschaft für die Schleyerhalle intern eine Machbarkeitsstudie zum Neubau der Arena diskutiert. Das Papier fand seitdem nicht in die Gremien. Nun sollen Anfang Juli zwei Ausschüsse des Gemeinderats in einer gemeinsamen Sitzung den Grundsatzbeschluss für den Bau fassen. Es geht um 500 Millionen Euro – und gegenüber dem Papier von Juli 2023 um erheblich veränderte Eckdaten.
19.000 Zuschauerplätze sollte die „Neue Arena 3.0“ zählen, mit Kopfbühne waren 16.000 vorgesehen. Nach der Kölner Lanxess-Arena und der Munich-Arena hätte das Stuttgart bei der Kapazität bundesweit in die Spitzengruppe katapultiert. Dazu sollte die Arena für moderne Bühneneinbauten mit 33,50 Metern Höhe am Scheitel des Stadions (38,83 Meter) kratzen. Unangefochtener Hochpunkt im Neckarpark bliebe das Mercedes-Museum, dessen Plattform 47 Meter erreicht.
Zu diesen Eckdaten hatte es „Hinweise aus den Ämtern“ gegeben, heißt es in der neuen Vorlage. Baulich wurden die Höhe und die Erhöhung der Besucherzahl moniert, letztere sei „in Bezug auf mehr Kohlendioxid-Emission durch Verkehr zu überdenken“. Einen derartigen Einwand aus der Verwaltung gab es bei öffentlichen Bauten noch nie. In aller Regel will Stuttgart seine Attraktivität steigern und mehr zahlungskräftiges Publikum auch von weit außerhalb in die Stadt locken, was Verkehr erzeugt.
Der Zuwachs an Höhe ist wichtig
Mit der nun zur Abstimmung stehenden „Neue Arena 3.1“ wurde die Platzzahl, aber nicht die Höhe geschrumpft. Gleichzeitig soll die neue Halle mit nun 16.000 (statt aktuell bis zu 15.500) Plätzen eine deutlich höhere Frequenz der Belegung ermöglichen – was in Summe zu einer halben Million mehr Besuchern führen könnte. Es werden künftig 105 statt bisher 71 Veranstaltungen pro Jahr prognostiziert – also fast 50 Prozent mehr.
Größte Arena in Südwestdeutschland
Die Daten könnten für das Markterkundungsverfahren, das die Stadt nach dem Grundsatzbeschluss starten will, zentral sein. Die Arena 3.1 werde die „größte Multifunktionsarena in der Region (Südwestdeutschland)“ werden, also eher an der Spitze einer Landes- als Bundesliga stehen. Dabei schweift der Blick nach Mannheim (SAP Arena, 15.000 Plätze, bei Konzerten 11.800) und Frankfurt, wo eine Halle mit 15.000 Plätzen in Planung ist.
Eine Teilsanierung der 43 Jahre alten Halle, für die in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro aufgewendet werden müssten, schließt die Verwaltung ebenso aus wie die Gesamtsanierung mit Dacherhöhung, in die „deutlich über 300 Millionen Euro“ fließen müssten. Der alten Schleyerhalle wird keine lange Restlaufzeit mehr zugebilligt, werde nicht massiv investiert, habe sie das „Ende des Lebenszyklus in spätestens fünf Jahren erreicht“. Zuletzt hatte Stuttgarts Alt-OB Wolfgang Schuster (CDU) bei dem Thema Tempo angemahnt.
Abkehr vom geplanten Mega-Neubau
Der 2023 angepeilte Mega-Neubau 3.0 wird inzwischen mit „über 500 Millionen Euro“ angegeben. Er würde die Anforderungen an die Nutzung einer modernen Multifunktionsarena „vollumfänglich erfüllen“. Der nun angepeilte Neubau 3.1 mit einem „Zielbudget von circa 500 Millionen Euro“ tut dies „in weiten Teilen“. Bei diesem sind Baupreissteigerungen bis 2030 eingeflossen. Um die rund 500 Millionen zu halten, müsste der Neubau 2030 begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für den Jahreswechsel 2033/2034 vorgesehen. Offen ist, wie die postulierte Klimaneutralität im Betrieb der Halle erreicht werden soll. Dazu müssten „erweitere Maßnahmen auf dem Wasen“ erfolgen. Deren Kosten werden nicht genannt und sind „nicht budgetiert“.
Mit dem von der Verwaltung inzwischen favorisierten Investorenmodell würde die Alleinherrschaft über die Halle enden. Der Investor wäre an einer Zweckgesellschaft Hallenduo (neue Schleyerhalle und bestehende) Porsche-Arena beteiligt. Der städtische Einfluss auf den Veranstaltungsmix und -kalender solle trotz Investor „grundsätzlich gegeben sein“. Andererseits sollen mit dem externen Partner „vermehrt internationale Top-Acts und entsprechende Partner für Namens- und weitere Vermarktungsrechte gefunden werden“, heißt es im Schriftsatz für die Stadträte.
Ein neuer Namensgeber wird gesucht
Der neue Partner soll, wie die Stadt, 150 Millionen Euro als Eigenkapital einbringen, wofür er Anteile an den Hallen erhält. Woher die Stadt ihren Beitrag angesichts weiterer Kürzungsrunden nehmen will, ist offen, im Haushaltsplan sind bisher 45 Millionen Euro vorgesehen. Die Lücke von 300 Millionen Euro Eigenkapital zur Bausumme könnte durch den Verkauf der Namensrechte kleiner werden, der Rest müsste mit Krediten gefüllt werden. Bosch, Daimler AG und Porsche dürften als zahlungskräftige Namensgeber in den nächsten Jahren eher ausfallen. Einzig potenter regionaler Geldgeber mit städtischem Einfluss wäre die Landesbank (LBBW). Hallen trugen aber auch schon die Namen von Versicherungen und Energieversorgern.
Ihre Markterkundung will die Stadt mithilfe von EY Real Estate bereits bis Herbst 2026 abgeschlossen haben. Sie kostet zusammen mit dem Investorenverfahren fünf Millionen Euro, die aus dem Stadthaushalt fließen. Im Anschluss hofft man, bis Ende 2027 einen Partner und einen Generalübernehmer gefunden zu haben, der „Kosten- und Terminrisiken zumindest teilweise“ trägt.

