Stuttgart - Wer unter den Arkaden der Markthalle Stuttgart entlanggeht, gemeinsam mit einem Pulk anderer Menschen, fühlt sich ein bisschen wie in Italien in einem dieser wunderschönen Städtchen. Bald geht es auch jenseits der Arkaden an der Dorotheenstraße in Stuttgart beschaulicher zu: Grünbeete, Schirme, Tischchen zum Stehen und zum Sitzen. So sehen es die Planer von g2-Landschaftsarchitekten.
Ab Anfang 2027 wird die Dorotheenstraße umgebaut, im Sinne der blau-grünen Schwammstadt. Bereits in den vergangenen Jahren waren Parkplätze allerlei Sitzmobiliar und Kübel-Bäumen gewichen. Die Stellplätze direkt vor der Markthalle sollen nun umgewandelt werden in Aufenthaltsorte, der Untergrund an der Dorotheenstraße soll an vielen Stellen Beeten und Bäumen weichen. Visualisierungen, wie das dann aussehen könnte, gibt es bereits. Wenn auch nur von dem Bereich direkt an der Markthalle.
Eine versiegelte Stadt heizt sich zum einen stark auf, zum anderen kann sie Regen nicht aufnehmen, alles Wasser rauscht ab durch die Kanalisation. In einer Schwammstadt ist das anders. Bäume und Grünflächen kühlen die Umgebung, nehmen Regenwasser auf, mit dem sie sich selbst feucht halten. An der Dorotheenstraße soll Sickerbelag verlegt werden, es sollen insgesamt ein Dutzend Bäume gepflanzt sowie Grünflächen angelegt werden. Vier Beete sind vor der Markthalle geplant.
Zudem soll Raum geschaffen werden für Lastenräder, Sitzmöglichkeiten, Außengastronomie. Neue Bäume sollen gegenüber gepflanzt werden. Vor der Markthalle gibt es dann zwar keine Parkplätze mehr, allerdings sollen Lieferanten hier in bestimmten Zonen nach wie vor halten können. An der Goerdelerstraße entlang des Karlsplatzes soll ein Klimaband entstehen; dabei handelt es sich um zwei besondere Beete mit Pflanzen für die Artenvielfalt und mit Sitzkanten für Menschen. Auch Außengastronomie ist an dieser Stelle wieder möglich. Das Deserteur-Denkmal zieht um in den Übergangsbereich zur Dorotheenstraße. An der Stelle, an der aktuell unter anderem die Sitzkiesel platziert sind, ist ein sogenanntes Aktivitätsband geplant. Vorgesehen sind eine Boulebahn und Sitzgelegenheiten, die bei Veranstaltungen auf dem Karlsplatz abmontiert werden können. In diesem Bereich befinden sich zudem ein WC, Behinderten- und Taxistellplätze.
Münz- und Dorotheenstraße sollen nach dem Umbau als Tempo-20-Zonen ausgewiesen werden. Der Abschnitt der Dorotheenstraße zwischen Münz- und Holzstraße soll zudem so gestaltet werden, dass er zu einem späteren Zeitpunkt in Fußgängerzonen umgewandelt werden kann. Die Zufahrt zu den Tiefgaragen über die Münzstraße bleibt erhalten. Im Bereich der Münzstraße will die Stadt feste Poller installieren. Zum Schutz bei Veranstaltungen.
Die Kosten für die Umbaumaßnahmen liegen bei rund 7,5 Millionen Euro, das Schwammstadt-Projekt ist allerdings förderfähig. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper hatte bis zum Schluss vergeblich versucht, den Umbau der Dorotheenstraße abzuwenden, zuletzt mit dem Argument des Finanzengpasses der Stadt. Beginnen sollen die Arbeiten nun Anfang 2027, abgeschlossen sein sollen sie nach etwa anderthalb Jahren, also Mitte 2028.

