Stuttgart

Prozess um Schüsse in Weilimdorf beginnt

Im Dezember 2025 wurde ein 16-Jähriger auf einem Spielplatz in Weilimdorf angeschossen. Jetzt stehen zwei Jugendliche vor Gericht.

Stuttgart - In Stuttgart-Weilimdorf haben Schüsse in der Nacht zum 7. Dezember zu großer Aufregung geführt. Auf dem Spielplatz „Beim Esel“ in einer kleinen Parkanlage mitten im Ort war es zu einer Auseinandersetzung mit mindestens 15 Beteiligten gekommen. Dabei erlitt ein 16-Jähriger einen Bauchdurchschuss.

Die Beteiligten flüchteten – auch der lebensgefährlich verletzte 16-Jährige. Er wurde später am Nordbahnhof entdeckt und in eine Klinik gebracht. Dort musste er sich einer Not-OP unterziehen und zwölf Tage lang stationär bleiben. Videos, die im Internet kursierten, zeigten, wie ein anderer den 16-Jährigen huckepack wegträgt, während diverse junge Männer davonrennen. Passanten werden beleidigt und bedroht.

Die Polizei meldete wenige Tage später einen Erfolg. Spezialkräfte nahmen in Gerlingen und Feuerbach zwei 16 und 18 Jahre alte Verdächtige fest. Über deren Tatbeteiligung und mögliche Motive gibt es bisher keine Informationen. Der Ältere der beiden wurde rasch wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Vorfall führte in Weilimdorf zu Aufregung. Zumal es nicht der einzige in jüngerer Zeit gewesen ist. Nach den Schüssen wurde durch Videos bekannt, dass es bereits eine Woche zuvor eine Bedrohung von Passanten durch vermummte junge Männer mit einer Schusswaffe gegeben hatte, die die Polizei nicht öffentlich macht. Anwohner berichteten von einem Brennpunkt, während die Polizei und die Mobile Jugendarbeit das so nicht bestätigen wollten. Dennoch verstärkten beide ihre Präsenz in Weilimdorf. Die Wogen schlugen hoch – auch in einer Bezirksbeiratssitzung.

Jetzt könnte Licht ins Dunkel kommen. Denn am Stuttgarter Landgericht beginnt an diesem Freitag der Prozess gegen die beiden jungen Männer, die im Dezember festgenommen worden waren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und die Anstiftung dazu vor. Die beiden sind inzwischen 17 und 18 Jahre alt, daher wird an einer Jugendstrafkammer verhandelt. Nach derzeitigem Stand soll der Prozess dennoch öffentlich sein. Angesetzt sind bisher 15 Verhandlungstermine bis Mitte Oktober.

Die Anklage geht davon aus, dass die beiden zu einer aus Weilimdorf stammenden Gruppe gehören. Diese soll sich am Abend des 6. Dezember auf dem Spielplatz versammelt haben, um auf eine andere Gruppe zu warten, mit der es Streit gab. Als die verfeindete Gruppe eintraf, soll der Ältere der Angeklagten den Jüngeren aufgefordert haben, mit der mitgebrachten Waffe zu feuern. Der soll daraufhin zwei Schüsse abgegeben haben – ein Schuss traf.

Um welche Art von Konflikt es gegangen ist und womöglich auch, ob die Gruppen mit weiteren Straftaten in Verbindung stehen, soll in dem Prozess geklärt werden. Sofern die Beteiligten reden. Denn das, damit hat die Justiz reichlich Erfahrung, ist in solchen Fällen nicht immer selbstverständlich.

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