Stuttgart

Nach Zahnarzt-Tod: Notfallpraxis vorerst geschlossen

Ein Dentist stirbt nach einer Infektion mit Legionellen. Wo hat er sich infiziert? Das ist noch offen.  Patienten seien nicht gefährdet,  heißt es.

  • Derzeit geschlossen: die Zahnärztliche Notfallpraxis in Stuttgart-WestFoto: Andreas Müller

    Derzeit geschlossen: die Zahnärztliche Notfallpraxis in Stuttgart-WestFoto: Andreas Müller

Stuttgart - Es ist die zentrale Anlaufstelle für alle Menschen in der Region Stuttgart, die nachts, am Wochenende oder feiertags Zahnschmerzen plagen. Mitten im Stuttgarter Westen, in der Schloßstraße 74, befindet sich das zahnärztliche Notfalldienstzentrum. Betrieben von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZVBW), kann man dort ohne telefonische Anmeldung einfach vorbeikommen – und, im Zweifel nach einer gewissen Wartezeit, Linderung erfahren.

Doch zur Zeit wäre der Weg dorthin vergeblich. Die Schilder am Gebäude sind mit Hinweisen überklebt, die sich ähnlich auch auf der Webseite der KZV befinden. „Aus betrieblichen Gründen“, heißt es dort, müsse das Notfalldienstzentrum „ab sofort bis auf Weiteres geschlossen werden“. Die Versorgung erfolge an anderer Stelle, sowie in chirurgischen Fällen durch die Zahnkliniken von Katharinen- und Marienhospital. Man bitte „um Ihr Verständnis für diese vorübergehende Maßnahme“ und danke für die Geduld.

Betriebliche Gründe? Hinter der vagen Formulierung verbirgt sich ein Todesfall und ein Verdacht, der vollends ausgeräumt werden soll. Bereits Ende Mai, Anfang Juni nämlich ist ein Zahnarzt, der an der Notfallpraxis eingesetzt war, „unerwartet verstorben“. So steht es auf der Webseite des Medizinischen Versorgungszentrums im Kreis Heilbronn, für das er lange tätig war. Über viele Jahre hinweg, heißt es im Nachruf, habe er die Praxis „durch seine fachliche Kompetenz, seine Menschlichkeit und sein Engagement“ geprägt. Man werde ihm „ein ehrendes Andenken bewahren“. Auch in Bewertungsforen wird der Doktor gelobt – unter anderem dafür, wie empathisch er mit Patienten umgegangen sei, die Angst vor der Zahnarzt-Behandlung haben.

Gestorben ist der Mann – dem Augenschein nach noch keine 60 – nach einer Infektion mit Legionellen, die zu einer Legionellenerkrankung geführt hat. Die Bakterien leben im Wasser und sind vor allem beim Einatmen feiner Tröpfchen gefährlich. Dann können sie eine plötzliche, schwere Lungenentzündung verursachen. Im amtlichen Meldesystem wird der Dentist laut dem fürs Landesgesundheitsamt zuständigen Stuttgarter Sozialministerium als „Legionellentodesfall“ geführt. Das bedeutet, dass die Erkrankung „zum Tod beigetragen“ hat, erläutert ein Sprecher. Über die Infektion sei man bereits am 21. Mai informiert worden.

Bisher gibt es keine Hinweise auf eine Infektion in der Praxis

Wo und wie aber hat sich der Zahnarzt infiziert? Womöglich in einer Praxis, wo bei der Behandlung schon mal feiner Sprühnebel entsteht? Das wird inzwischen seit mehreren Wochen untersucht, auch anhand von Wasserproben aus dem häuslichen und beruflichen Umfeld. Bisher habe sich kein Zusammenhang mit der Patientenprobe des Zahnarztes feststellen lassen, berichtet der Sprecher. Mundspüler in der Praxis zum Beispiel hätten demnach bei der Infektion keine Rolle gespielt. Ermittelt werde von den Gesundheitsämtern in Heilbronn und Stuttgart, die Untersuchungen erfolgten im Labor des Landesgesundheitsamtes.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung hatte zunächst nur erklärt, man arbeite „in enger Kooperation mit den zuständigen Stellen“ an der Aufklärung des Sachverhalts. Nach der amtlichen Überprüfung stehe die Notfallpraxis weiter für die Patientinnen und Patienten zur Verfügung, hieß es noch Mitte Juni. Wie kam es jetzt zur vorübergehenden Schließung? „Eine behördliche Anordnung […] gab und gibt es nicht“, betonte ein Sprecher. Die zuständigen Behörden hätten „die Behandlung von Notfallpatienten in den Räumen nicht untersagt“. Eine Gefahr für Patienten habe nach Kenntnis der KZVBW nicht bestanden, auch sei ihr keine Infektion von Patienten bekannt.

Offenbar handelt es sich um eine reine Vorsorgemaßnahme. Man stehe „mit der Hausverwaltung in Kontakt, um eventuell notwendige Maßnahmen im Haus durchführen zu lassen“, so der Sprecher. Das sei im laufenden Betrieb nicht möglich. Auf den Zetteln am Gebäude wurden Patienten übrigens noch am Montag auf Praxiskliniken in Winnenden verwiesen. Tatsächlich, so die KZVBW, übernehme das Zahnärztliche Fortbildungszentrum Stuttgart im Herdweg 50 den Notdienst. So steht es auch auf der Homepage.

Datenschutz-Einstellungen