Stuttgart - Es ist ein Einsatz, wie ihn Daniel Anand in Jahren nicht erlebt hat. „Wir hatten eine sehr hohe Brandintensität. Wir mussten sehr viele Einsatzkräfte und sehr viel Technik aufwenden, um die Lage in den Griff zu bekommen“, sagt der Stuttgarter Feuerwehrsprecher am Montagvormittag. Erleichterung schwingt mit, denn: „Es gibt die frohe Kunde, dass der Brand auf dem Stuttgarter Großmarkt seit 9 Uhr gelöscht ist. Wir haben den Einsatz nach rund 60 Stunden beendet.“
Seit dem späten Freitagabend hatten 350 Einsatzkräfte, zeitweise 200 davon gleichzeitig, gegen die Flammen gekämpft. Die Einsatzkräfte wurden regelmäßig zwischen den Stuttgarter Feuerwachen durchgewechselt, um die Belastung möglichst gering zu halten. Über die Gesamtdauer sind alle fünf Feuerwachen der Berufsfeuerwehr und alle 24 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Stuttgart in die Einsatzmaßnahmen involviert gewesen.
Es wurden über 200 Atemschutzgeräte und über 300 Feuerwehrschläuche eingesetzt. Weitere Unterstützung kam von den Werkfeuerwehren Mercedes-Benz und Bosch, dem Technischen Hilfswerk sowie dem Rettungsdienst und den Hilfsorganisationen.
Montagmittag erneut Rauch
In der Nacht zum Montag war noch ein Löschfahrzeug mit Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr als Brandwache vor Ort geblieben, um bei einem erneuten Aufflammen den Brand schnell eindämmen zu können. In den Morgenstunden löschten Feuerwehrleute noch glimmenden oder brennenden Brandschutt ab. Gegen Mittag musste die Feuerwehr erneut zum Großmarkt ausrücken, weil wieder Rauch aufstieg. Im Zuge der Aufräumarbeiten sei damit mehrfach zu rechnen, so Anand. Über eine Drehleiter wurden die erneut züngelnden Flammen rasch bekämpft.
Ausgebrochen war das Feuer in einer Halle im hinteren Teil des Großmarkts in Wangen. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Jetzt geht es um die Frage, was den Brand ausgelöst haben könnte. „Die Brandermittler und Kriminaltechniker sind heute vor Ort“, sagt eine Polizeisprecherin am Montag. Weite Teile des Brandbereichs konnten am Wochenende noch nicht betreten werden. Deshalb wird es wohl dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen. Die Polizei hofft „im Lauf der Woche“ darauf.
Derweil gingen die Abrissarbeiten durch ein Privatunternehmen am Montagmorgen ebenfalls weiter. Genauso wie der Betrieb auf dem Großmarkt. Er versorgt rund zwölf Millionen Menschen im Umkreis von bis zu 300 Kilometern. Zahlreiche Händler, Geschäfte und Gastronomiebetriebe beziehen ihre Waren von dort. Der Betrieb sei „ab sofort wieder vollständig möglich – mit Ausnahme des unmittelbar betroffenen Brandbereichs“, hieß es auf der Internetseite des Großmarkts.
„Die Versorgung war nie gefährdet“, sagt Sprecherin Stefanie Hirrle. Der Betrieb sei am Montagmorgen um 2.30 Uhr angelaufen wie üblich. Trotz des enormen Feuers sei nur ein kleiner Teil des Geländes betroffen. Im abgebrannten Bereich sei der Handel mit Obst, Gemüse, Fleisch und Verpackungen untergebracht gewesen. Man sei dabei, für die betroffenen Händler Lösungen zu finden – etwa mit alternativen Standorten auf dem Großmarktareal. Einige von ihnen verfügten ohnehin über weitere Flächen, die sie nutzen könnten. Bei den Händlern auf dem Großmarkt sind die Aussagen, wie der Betrieb läuft, am Montag sehr unterschiedlich.
Die Reaktionen hängen auch davon ab, wo auf dem Gelände sie sich befinden. „Bei uns ist ein ganz normaler Markttag. Wir befinden uns aber vorne an der Pforte. Das Brandareal ist weiter hinten, davon bekommen wir fast nichts mit“, sagt einer von ihnen. Bei einer Obst- und Gemüsehändlerin klingt das anders. „Wir werden schon noch durch unangenehmen Gestank belästigt. Da kommen immer wieder richtige Rauchschwaden“, berichtet sie. Ihre Fläche befindet sich weiter hinten, näher am Brandbereich. Sie erzählt, die Kunden seien „ganz merkwürdig drauf“. Man sei davon ausgegangen, dass am Montag reichlich eingekauft werde, weil manche doch „am Samstag leer gewesen“ seien. Stattdessen kauften die Leute sehr verhalten „und komplett gegen ihre Gewohnheiten ein“, ohne dass man das so recht erklären könne.
Von Normalität sind der Großmarkt und seine Händler also noch ein gutes Stück entfernt. Die Aufräumarbeiten werden noch eine ganze Weile dauern. Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass möglichst schnell die Ursache für das Großfeuer gefunden wird – und solche Katastrophen künftig ausbleiben.

