Stuttgart

Müllberge und volle Tonnen in Stuttgart

Anwohner sind verärgert und sorgen sich wegen Ungeziefers: Seit Wochen verzögert sich die Abholung von Gelben Säcken und Mülltonnen in Stuttgart.

  • Müll am Wegesrand in Stuttgart-Süd (links), volle Tonnen im Stuttgarter Osten (rechts): Das Entsorgungsunternehmen Kurz hat seit mehreren Wochen Probleme mit der Abholung der Gelben Säcke.Foto: Scheffel/Paasch

    Müll am Wegesrand in Stuttgart-Süd (links), volle Tonnen im Stuttgarter Osten (rechts): Das Entsorgungsunternehmen Kurz hat seit mehreren Wochen Probleme mit der Abholung der Gelben Säcke.Foto: Scheffel/Paasch

Stuttgart - Seit einigen Wochen prägen sie Stuttgarts Stadtbild wieder länger, als sie sollten: Berge von Gelben Säcken, die auf ihre Abholung warten. Gleichzeitig bleiben teils auch volle Mülltonnen stehen.

Ein neues Phänomen ist das nicht: Immer wieder wird Müll im Stadtgebiet verspätet oder gar nicht abgeholt. In den letzten Wochen erreichten unsere Redaktion zahlreiche Beschwerden – vor allem von Anwohnern aus dem Stuttgarter Süden.

In der Seidenbergstraße etwa stehen Gelbe Säcke seit dem regulären Abholtermin am 12. August. „Seit zwei Wochen stehen die Säcke draußen“, sagt Anwohner Mike Schulze, den wir vor Ort treffen. Doch nicht nur in der Seidenbergstraße, sondern in der gesamten Gegend stapelt sich noch immer der Müll.

Das erste Mal ist es nicht, dass der Stuttgarter sich mit dem Problem herumschlagen muss. Dieses Mal sei die Situation jedoch besonders schlimm. „Jetzt ist es richtig akut. Es stinkt, der Müll zieht Ungeziefer an, auch Ratten waren schon im Müll“, sagt Mike Schulze. Überdies blockierten die Gelben Säcke die Durchfahrt in der ohnehin schon schmalen Straße. Der unangenehme Geruch ist auch bei unserem Besuch nicht zu ignorieren. Über den Gelben Säcken schwirren die Fliegen.

Mit dem Problem hatten sich Mike Schulze und sein Vermieter mehrfach an den zuständigen Dienstleister der Stadt gewandt. Eine daraufhin angekündigte Nachabholung blieb allerdings aus, auch die Erklärung, warum niemand kam. Schließlich brachte der Vermieter die Säcke selbst zum Wertstoffhof. Bis zum nächsten Abholtermin am 2. September konnte er nicht warten.

Auch in der benachbarten Finkenstraße mussten Anwohner die Gelben Säcke zwischenzeitlich selbst lagern. Der Gelbe Sack ist dort jedoch nicht das einzige Problem, wie Anwohner Klaus Huber erzählt. Auch Rest- und Biomülltonnen seien nicht zum regulären Termin geleert worden. „Die Situation ist inzwischen nicht nur unschön, sondern auch unter hygienischen Gesichtspunkten problematisch“, sagt er. Eine mit der Reinigung der Tonnen beauftragte Firma habe wieder unverrichteter Dinge abziehen müssen – die Kosten dafür trägt der Anwohner dennoch.

Auch im Stuttgarter Osten etwa ist wochenlang nicht abgeholter Müll ein Problem. Zwar wurden die Gelben Säcke in der Villastraße just einen Tag vor der Veröffentlichung dieses Artikels entfernt, zuvor standen sie jedoch bereits fast zwei Wochen dort.

Wie rechtfertigen die zuständigen Stellen die Ausfälle und Verspätungen? Für die Gelben Säcke ist seit 2023 die Firma Kurz zuständig, für den übrigen Müll die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Auf Anfrage bestätigt die Firma Kurz Ausfälle, geht jedoch nicht auf die genannten in Stuttgart-Süd ein. „Aufgrund der Ferien setzen wir vermehrt ortsunkundiges Personal als Urlaubsvertretung ein“, teilt eine Sprecherin mit. Da dieses nicht mit den Touren vertraut sei, könne es zu Verzögerungen kommen.

Verspätete Abholungen würden meist „am Folgetag oder auch an Nachfahrsamstagen“ erledigt. Wieso das im Fall in Stuttgart-Süd bis heute nicht passiert ist, dazu äußert sich die Firma nicht.

Auch die AWS bestätigt einzelne Ausfälle und Verzögerungen. Grund seien Personalengpässe durch Urlaub in den Sommerferien und Krankheitsfälle, wodurch in Einzelfällen nicht immer alle Touren wie geplant hätten gefahren werden können, sagt eine AWS-Sprecherin.

Jedoch sei nicht jede ausgebliebene Leerung auf einen Tourenausfall zurückzuführen. „Gelegentlich können die Müllwerker die Behälter nicht erreichen, beispielsweise, weil Zufahrten zugeparkt sind“, heißt es. Eine Nachleerung erfolge in der Regel innerhalb weniger Tage – in Ausnahmefällen erst mit dem nächsten regulären Leerungstermin. „Wurde eine Tonne nicht geleert, sollte sie weiterhin am Bereitstellungsort stehen bleiben, damit eine mögliche Nachleerung erfolgen kann“, so die Sprecherin.

Stuttgarter wünschen sich transparente Aufklärung

Ausfälle wegen Personalmangels seien für Anwohner zum Teil zwar nachvollziehbar, sagt Anwohner Klaus Huber. Er und auch Mike Schulze fordern jedoch mehr Transparenz darüber, wie und wann es weitergeht – etwa über die Webseite. „Im Moment ist da nur ein Fragezeichen“, so Schulze. „Das ärgert mich einfach. Wir sind Kunden der Firma und ich erwarte, dass ich zumindest informiert werde.“

Bezüglich Informationen zu Tourenausfällen und Nachleerungsterminen verweist die AWS auf ihren Kundenservice. Von der Firma Kurz heißt es dazu: Genaue Informationen zum konkreten Abholzeitpunkt könnten „aus organisatorischen Gründen“ nicht gemacht werden. Die Firma bittet Betroffene, nicht abgeholte Gelbe Säcke bis zur Nachabholung stehen zu lassen und über das Online-Serviceportal zu reklamieren.

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