Stuttgart

Marktschreier und Makrelen sind Mangelware

Hamburg kommt zu Besuch: Heute beginnt der 37. Fischmarkt auf dem Karlsplatz. Käse-Fred ist wieder dabei, Nudel-Olli kommt nicht. Aber das Krabbenbrötchen wird wieder billiger.

  • Auf dem Karlsplatz wird der Fischmarkt aufgebaut.Foto: Andreas Rosar

    Auf dem Karlsplatz wird der Fischmarkt aufgebaut.Foto: Andreas Rosar

Stuttgart - Der Kontrast könnte kaum größer sein. Von der Ostsee an den Neckar ging es für einige Händler binnen weniger Stunden. In der Nacht zum Dienstag haben sie bei der Kieler Woche ihre Stände abgebaut, aufgeladen und gen Süden gebracht. Und dort auf dem Karlsplatz in Stuttgart bauen sie sie nun umgehend wieder auf. Denn am Donnerstag, 2. Juli, um 12 Uhr beginnt der Hamburger Fischmarkt.

Die Familie Jipp etwa hat morgens um 1 Uhr damit begonnen, ihren Leuchtturm zu demontieren, huckepack auf den Laster gepackt, die A 7 angesteuert und die 760 Kilometer nach Stuttgart zurückgelegt. Nun wächst er auf dem Karlsplatz in die Höhe. Tatsächlich hat sie den Turm für den Stuttgarter Fischmarkt gebaut.

Klaus Moritz von der WAGS, der Veranstaltungstochter der Hamburger Schausteller erinnert sich noch gut, wie Jipp senior damals sagte, wenn wir nach Stuttgart fahren, bauen wir einen Leuchtturm. „Ich dachte damals, der hat einen an der Pfanne“, sagt Moritz und grinst. Mittlerweile haben die Jipps immer einen Backfisch auf der Pfanne, wenn die Glocke klingelt, wird der Fisch wird über eine Rutsche abwärts geschickt.

Ohne Leuchtturm kein Fischmarkt in Stuttgart. Die Jipps haben ein Wahrzeichen geschaffen. Die Besucher wissen, was sie erwartet. Gelebte hanseatische Klischees. Jever, 0,3 Liter, für vier Euro, Fisch aller Art, Shantys sowie Buddelschiffe.

Und Käse-Fred, der mit seiner Kodderschnauze seinen Käse unter die Leute bringt, ein Unterhaltungsprogramm ganz eigener Art. Eine uralte Form der Kommunikation, die seit jeher auf Jahrmärkten gepflegt wird. Doch die Marktschreier sterben buchstäblich aus. „Wir finden leider kaum jemand mehr, der das macht“, sagt Moritz. Und kaum jemanden mehr, der auch noch auf Reisen geht. Außer Käse-Fred.

Verträgt sich dänisches Softeis mit Fisch auf dem Fischmarkt?

Nudel-Olli etwa kommt nicht nach Stuttgart, weil sich das für ihn nicht lohne. „Ich habe immer mal wieder gefragt“, sagt Moritz. Gut, hierzulande macht man seine Spätzle selbst, aber daran liegt es nicht. „Wenn der sich Nudeln nach Stuttgart nachliefern lassen muss, ist das zu teuer geworden.“ Also bleibt Nudel-Olli lieber im Hamburg.

Genauso rar wie Marktschreier sind heuer die Makrelen. Zum Schutz der Bestände hat man die Fangquoten um 60 Prozent reduziert, was erst mal gut ist für die Fische, aber bedeutet, dass Makrelen teurer werden.

Die Krabben hingegen haben sich erholt, es gibt mehr als noch vor einigen Jahren. Handelte man sie im Vorjahr noch wie Champagner, sind die Preise mittlerweile gefallen. „Da zahlte man an manchen Orten zwölf Euro fürs Krabbenbrötchen“, sagt Moritz, „am Fischmarkt haben wir auch elf Euro verlangt.“ In Stuttgart werde man nicht mehr als acht Euro zahlen müssen, verspricht er. Matjesfilet und Fischbrötchen kosten um die fünf Euro.

Dieses Jahr sind unter den 48 Ständen auch wieder einige, die Austern, Riesengarnelen, Wurst und Steaks verkaufen. Zum Nachtisch gibt es dänisches Softeis. Ob sich das mit Fisch verträgt, wird sich zeigen. Vielleicht hilft da ein Köm, ein Kümmelschnaps oder ein Küstennebel.

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