Stuttgart - Was passiert jetzt eigentlich mit dem Züblin-Parkhaus im Leonhardsviertel? So richtig weitergekommen ist man in der Sache Neue Mitte Leonhardsvorstadt nicht. Aktuell beschäftigt sich der neu gegründete Verein Dritter Raum mit der Investorensuche, um das Areal als offenen Raum für Stadtkultur und Begegnung weiterentwickeln zu können. Ausgang: offen. So lange kann zumindest die größte urbane Fotogalerie Stuttgarts darin unbedarft weitermachen und feiert diesen Freitagabend ab 19 Uhr ihre 13. Vernissage mit Musik vom DJ-Duo Bryda.a, Getränken vom Utopia-Kiosk und Audio-Performance von Andreas Guth und Andrew Zbik.
Internationale Kunst, die herausfordert
Das Parkhaus im Leonhardsviertel, das seit 2014 als niedrigschwellige öffentliche Galerie und Ausstellungsfläche für das Ausstellungsprojekt „Fumes and Perfumes“ fungiert, zeigt mittlerweile rund 300 Fotografien, die auf Großformat gezogen an die Wände des Parkhauses geklebt wurden. In diesem Jahr kommen rund 140 neue Fotografien obendrauf, genauer gesagt obendrüber. Denn die Fotografen und Organisatoren der „Fumes and Perfumes“-Ausstellung, Frank Bayh, Steff Ochs, Peter Franck, Bernd Kammerer und Yves Noir tun sich langsam schwer, überhaupt noch freien Platz für die neuen Bilder zu finden. Kaum eine Ecke des Parkhauses ist noch weiß, sogar Streben und Pfeiler müssen als Ausstellungsfläche herhalten. Viele Fotografien vergangener Ausstellungen sind daher aus Platzgründen schon mehrfach überklebt worden.
„Wir schauen aber, dass von jedem bisher ausgestellten Fotografen zumindest ein Bild übrigbleibt, das nicht überklebt wird“, sagt Kammerer. Denn neben ihren eigenen neuesten Arbeiten zeigen die Stuttgarter jedes Jahr auch die Werke internationaler Gast-Fotografen.
Diesmal etwa von Billy Allen aus Großbritannien, der Körper und Kleidung als Skulptur in der Tradition des Film Noir inszeniert, Jordanna Kalman aus den USA, die sich in Collagen aus Akt- und Naturfotos kritisch mit der Rolle der Frau auseinandersetzt, Rahel Cia Rosenberger aus Stuttgart, deren Werke im Spannungsverhältnis zwischen Popkultur und Groteske eine adoleszierende Weiblichkeit einfangen und Marek Würfl aus der Slowakei, der es mit aufs Minimalste reduzierter Porträtfotografie schafft, die individuellen Charakterzüge seiner Models herauszuarbeiten. Auch Illustratoren und Grafiker, die Fotografien vergangener Ausstellungen mit sozialkritischen, expliziten und/oder ulkigen Malereien in einen neuen Kontext setzen, haben sich in diesem Jahr an den Parkhauswänden verewigt, namentlich Friederike Just, Roman Mares und Davide Just. Die teils farbenfrohen, teils in schwarz-weiß ausgeführten Wandmalereien sind beim Durchspazieren vor allem in den oberen Stockwerken zu entdecken, da das Erdgeschoss fast komplett mit neuen Fotografien tapeziert wurde.
Ganz oben auf dem Parkhausdach, wartet zur Ausstellungseröffnung auf alle, die zur Golden Hour einen Blick über die Dächer des Leonhardsviertels haben wollen, noch eine zweite Bar sowie der „Fischkeller“, wie Frank Bayh den letzten Abschnitt der Ausstellung nennt, in dem sich er und Fotopartnerin Steff Ochs eindrücklich und mit Augenzwinkern am Thema Frau und Fisch abgearbeitet haben. Lange wird es wahrscheinlich nicht dauern, bis die ersten Tags und Graffitis die Fotoarbeiten ereilen werden. Im Treppenhaus etwa hängen die „Fumes and Perfumes“-Macher gar keine neuen Werke mehr, da die Gefahr, dass diese bis zur Eröffnung mit Tags zugespachtelt sind, zu hoch ist.
Falls es zur Vernissage gewittern sollte, wie es der Wetterbericht aktuell vorhersagt, wird die Rooftop-Bar im Übrigen einfach unters Parkhausdach verlegt. „Die Eröffnung findet bei jedem Wetter statt“, verspricht Peter Franck. Das DJ-Set als auch die Performance sollen ohnehin im extra abgesperrten Erdgeschoss des Parkhauses stattfinden.
Nach der Eröffnung ist die Ausstellung kostenfrei zu Öffnungszeiten des Parkhauses besuchbar.

