Stuttgart

Kostenloses Parken für Carsharing-Autos auf der Kippe

Laut einer Studie ersetzt das Carsharing-Angebot 14.000 bis 20.000 Autos in Stuttgart. Beim Parken allerdings bestehe Handlungsbedarf aufgrund eines ungleichen Wettbewerbes.

  • Carsharing, wie unter anderem vom Anbieter Miles, ist in Stuttgart ein wichtiger Bestandteil der Mobilität.Foto: Sebastian Steegmüller

    Carsharing, wie unter anderem vom Anbieter Miles, ist in Stuttgart ein wichtiger Bestandteil der Mobilität.Foto: Sebastian Steegmüller

Stuttgart - Carsharing hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Teil der Mobilität in Stuttgart entwickelt. Zu diesem Schluss kommt die von der Stadt beauftragte Studie „Mobilität und Zukunft“. Dennoch besteht demnach noch Handlungsbedarf. So sollen ab dem kommenden Jahr die Carsharing-Fahrzeuge nicht mehr kostenlos in der Landeshauptstadt parken dürfen.

Seit 1. Januar 2023 sind Carsharing-Fahrzeuge in Stuttgart von Parkgebühren auf städtischen Stellflächen befreit. Das hat den Ausbau des Angebots positiv beeinflusst. „Doch die Regelung läuft zum 31. Dezember dieses Jahres aus“, erklärte Michael Hagel, der Leiter der städtischen Abteilung Mobilität, in der Sitzung des Ausschusses für Technik. Im Hinblick auf das weitere Vorgehen sollen die nun die erfassten Zahlen helfen.

Carsharing ersetzt 14.000 bis 20.000 private Autos

Laut der vom Mobilitäts- und Planungsbüro Gloricon und dem Umfrageinstitut Schreier erstellten Evaluation nutzen Carsharing in erster Linie Menschen, die deutlich häufiger auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel wie den öffentlichen Nahverkehr, Radfahren oder zu Fuß gehen, Wert legen.

Die Bedeutung ist enorm. Durch das Angebot gibt es laut der Studie rund 14.000 bis 20.000 private Autos weniger in der Landeshauptstadt – ein wichtiger Aspekt hinsichtlich des Parkdrucks in vielen Bereichen. „Aneinandergereiht macht das etwa 70 bis 100 Kilometer Parkraum aus“, rechnet Michael Glotz-Richter von Gloricon vor.

Die Nutzer zeigen sich mit dem vorhandenen Angebot durchaus zufrieden. Besonders wichtig ist ihnen dabei weniger, dass es sich um E-Autos handelt. Vielmehr stehen „eine einfache Buchung, kurze Wege und eine sichere Verfügbarkeit im Mittelpunkt“, sagte Hannes Schreier. Und auch das kostenlose Parken ist den Kunden wichtig. Das wird für diese weiterhin der Fall sein, aber nicht mehr für die Anbieter. Denn die Kehrseite der jetzigen Regelung sei „die große Ungleichbehandlung der verschiedenen Angebotsstrukturen“, betonte Glotz-Richter. Für die nicht stationsbasierten Carsharing-Fahrzeuge, im Fachjargon Free-Floating-Angebote genannt, fallen keine Parkgebühren für den Betreiber an.

Hingegen müssen Anwohner in Gebieten mit Parkraummanagement 55 Euro im Jahr zahlen. Die Gebührensatzung der Stadt sieht für einen Sonderparkausweis für Gewerbetreibende (im Volksmund Handwerkerparkausweis) Kosten von 240 Euro pro Jahr vor, für eine Carsharing-Station Kosten von 480 Euro. Im Vergleich dazu müsste man ohne jegliche Vergütung bei einem Tagessatz von 13 Euro in der Stuttgarter Innenstadt und gerechnet auf 301 Werktage im Jahr 3931 Euro zahlen. „Das zeigt, wie viel ein Parkplatz in Stuttgart wert ist“, sagte Glotz-Richter.

Die Evaluation empfiehlt daher im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes die Gebühren künftig einheitlicher zu gestalten. So könnte sich die Parkgebühr für Carsharing-Fahrzeuge – ob mit Station oder ohne – an den Kosten des Anwohnerparkens mit 55 Euro orientieren. Zeitgleich sollen elektrisch betriebene Carsharing-Wagen aber weiter von Parkgebühren befreit bleiben.

Bis zum Herbst soll ein genauer Plan erstellt werden

Dass sich die Verwaltung an den Empfehlungen orientiert, scheint absehbar. Denkbar ist laut Mobilitätschef Hagel aber, dass man sich bei den Parkgebühren für Carsharinganbieter „vergleichbar mit anderen Städten, wie zum Beispiel Karlsruhe, an den Kosten für den Handwerkerparkausweis orientiert“. Bis zum Herbst soll nun ein genauer Plan für das weitere Vorgehen erstellt werden, dann entscheidet der Gemeinderat.

Wichtig scheint vor allem, dass elektrisch betriebe Carsharing-Fahrzeuge weiterhin von Parkgebühren befreit bleiben, um für die Anbieter weiterhin Anreize zu schaffen, „um ein stadtweites Angebot zu sichern“, betonte Björn Peterhoff (Grüne).

Gerade bei Free-Floating-Angeboten zeige sich vermehrt die Tendenz, dass diese sich nur noch die „Sahnestücke“ herauspicken würden, soll heißen, ihr Angebot auf die Innenstadt beschränken und sich aus den Randbezirken zurückziehen, was nicht sein dürfe.

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