Stuttgart - Es ist wahrlich kein verkehrsplanerischer Schnellschuss: Nach fast zehnjährigem Vorlauf ist nun klar, auf welcher Verbindung die Pläne für eine Luftseilbahn als Ergänzung zum bestehenden Nahverkehr vorangetrieben werden sollen. Nach intensiven Debatten in Bezirksbeiräten und dem gemeinderätlichen Technikausschuss haben die Stadträte am Dienstag die Trasse zwischen dem Pragsattel und dem Robert-Bosch-Krankenhaus priorisiert. Mögliche Erweiterungen bis zum Wohngebiet Burgholzhof und dem Nordbahnhof sollen die städtischen Verkehrsplaner gleich mituntersuchen. Stephan Oehler, Leiter der städtischen Verkehrsplanung, machte im Rathaus Hoffnung auf „zügige und zeitnahe Erkenntnisse“. Die sich über Jahre hinwegschleppende Untersuchung der Frage, ob, und wenn ja wo, Seilbahnen in Stuttgart Lücken im Nahverkehrsnetz schließen könnten, hatten zum Jahreswechsel durch einen Vorstoß von unerwarteter Seite deutlich an Tempo gewonnen.
Robert-Bosch-Krankenhaus legte eine Machbarkeitsstudie vor
Das Robert-Bosch-Krankenhaus legte eine Machbarkeitsstudie vor, die die Klinik auf eigene Kosten hatte anfertigen lassen. Seilbahnexperten aus Österreich und Südtirol hatten drei Varianten untersucht, wie der Nahverkehrsknoten Pragsattel mit einer Seilbahn mit dem Klinikcampus verbunden werden könne. Das Krankenhaus aber auch die Bewohner des benachbarten Stadtteils Burgholzhof empfinden die Verkehrssituation unzureichend. Auf der Auerbachstraße stauen sich regelmäßig die Autos. Auch für die Busse der Linie 57 gibt es dann kein Durchkommen mehr.
Als Lösung hierfür schlagen die Experten den Bau einer rund 500 Meter langen Seilbahn vor, deren 14 Kabinen die Strecke in 100 Sekunden zurücklegen und dabei alle 24 Sekunden eine neue Fahrtmöglichkeit bieten. Rund 16 Millionen Euro würde laut der Studie eine solche Anlage kosten.
In Heilbronn wird eine Seilbahn zum KI-Innovationspark geplant
Die Fokussierung der weiteren städtischen Planungen auf die Burgholzhof-Trasse geht einher mit der Entscheidung, die lange Zeit favorisierte Verbindung vom Vaihinger Bahnhof zum sogenannten Eiermann-Campus nicht mehr weiterzuverfolgen. Auf der Gewerbebrache am Autobahnkreuz Stuttgart soll ein neues Quartier entstehen, dessen Bewohner eine möglichst gute Nahverkehrsanbindung bekommen sollen. Die Seilbahn wäre eine Option gewesen, stieß aber auf erheblichen Protest bei Anwohnern einer möglichen Trasse. Die Stadtverwaltung empfahl mit Blick auf das Verhältnis von Kosten und Nutzen, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Auch OB Frank Nopper hatte vor wenigen Tagen vorgeschlagen, die Burgholzhof-Seilbahn nun gezielt in den Fokus zu nehmen.
Seilbahnen als Ergänzung zu Nahverkehrsangeboten werden in zahlreichen Städten diskutiert. In Deutschland sind die Pläne für solche Lösungen in Heilbronn am weitesten gediehen, wo eine Seilbahn von der Innenstadt in Richtung Norden zum neu entstehenden Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) geplant wird – das Land unterstützt die Kommune dabei. Stuttgart ist 2017 in die Diskussion eingestiegen.

