Stuttgart - Friedrich Merz ist kein Kommunikationsgenie. Der stets leicht nölige Tonfall des Kanzlers, gepaart mit der „Papa-sagt-was-zu-tun-ist“-Attitüde und dem Beleidigte-Leberwurst-Blick sind nicht dazu angetan, das Herz des Gegenübers zu erwärmen. Sie sind aber kein Grund, den Kanzler mit Schlägen unter der Gürtellinie zu traktieren. In den sogenannten sozialen Medien kursieren zum Teil unterirdische Beschimpfungen über Merz. RTL hat diese nun ins Fernsehen geholt. Dort warfen Bürger dem Kanzler allerhand vor, etwa, er breche seinen Amtseid und erlasse menschenverachtende Gesetze. Das ist jenseits sachlicher Kritik.
Nun ist Kanzler-Bashing nichts Neues. Schon Helmut Kohl wurde als Birne verspottet, nicht nur im Osten der Republik wurde der Ruf „Merkel muss weg“ mit zum Teil hasserfülltem Blick vorgetragen. Die Hemmschwellen scheinen aber weiter zu sinken. Vor allem der AfD zugewandte Kreise teilen im Internet hunderttausendfach ein Lied, in dem dem Kanzler vorgeworfen wird, das Land zu zerstören und das „Volk verraten und verkauft“ zu haben. Schmissig komponiert, emotional getextet, weitgehend faktenfrei. Apropos Fakten: RTL hat zu der Diskussion und den darin erhobenen Vorwürfen und Repliken einen eigenen Faktencheck produziert und ins Netz gestellt. Die meisten Antworten des Kanzlers waren richtig. In der Sendung selbst kam das aber nicht zum Tragen. Und wer liest schon Faktenchecks?
