Stuttgart

Kommentar: Ein schlecht gelauntes Land

Kommentar: Ein schlecht gelauntes Land

Man glaubt es kaum, aber es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. Trotz des Iran-Krieges und der Folgen wurde im Frühjahr ein höheres Wirtschaftswachstum als erwartet verzeichnet. Schon das dritte Quartal in Folge entwickelte sich die Konjunktur positiv. Zudem steht jetzt fest: Die Kaufkraft der Deutschen hat ebenfalls zugelegt – laut gewerkschaftsnaher Böckler-Stiftung sind die Tariflöhne im ersten Halbjahr stärker gestiegen als die Inflation.

Die Gewerkschaften dürfte das freuen, haben sie jetzt doch noch mehr Argumente vorzuweisen, was sie theoretisch für ihre Mitglieder erreichen können und warum sich Tarifbindung auszahlt. Es könnte sogar alles noch besser werden, denn die Berechnungen basieren auf den Tarifabschlüssen des ersten Halbjahres, und in einigen Branchen wird noch verhandelt.

Weniger gut ist, dass die positiven Entwicklungen anscheinend kaum bei den Menschen ankommen. Deutschland bleibt ein schlecht gelauntes und besorgtes Land, obwohl nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren, sondern auch die Renten wieder einmal deutlich steigen werden. Immerhin orientieren sich diese an der Lohnentwicklung. Doch das jüngste Ipsos-Sorgenbarometer zeigt einen sich verschärfenden Pessimismus, die drei größten Sorgen der Deutschen sind demnach die Angst vor Armut und sozialer Ungleichheit, das Thema Einwanderung – und die Inflation.

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