Da sind sie wieder: die Preise von 2,20 Euro und mehr pro Liter Diesel oder E10, die Autofahrer und Firmen vor gut zwei Monaten das Fürchten gelehrt haben. Das Ende des Tankrabatts treibt die Summen an den Zapfsäulen hoch. Besonders ärgerlich ist, dass einige Konzerne wie Esso schon am Dienstag gewaltig an der Preisschraube drehten – zwar zum gesetzlich erlaubten Zeitpunkt um 12 Uhr mittags, aber eben zwölf Stunden vor dem formalen Wegfall der Steuervergünstigung um Mitternacht. Wer also sich darauf eingerichtet hatte, noch vor Mittwochmittag vergünstigt zu tanken, der sah sich ausgetrickst. Schließlich wird zunächst noch Sprit verkauft, der steuerreduziert erworben wurde. Ebenso wenig passt zum jetzt wieder erreichten Preisniveau, dass der Rohölpreis seit zwei Monaten stark rückläufig ist.
Gerade hat der Bundesverband der freien Tankstellen die feste Erwartung geäußert, dass die „Majors“ (Aral, Shell und Co.) das Risiko des Shitstorms nicht eingehen und erst am Mittwochmittag die rund 17 Cent draufschlagen – auch weil sie vom Bundeskartellamt beobachtet werden. Ein Irrtum. In der Regierung wird schon eine weiter verschärfte Regulierung erwogen. Diese wäre zum jetzigen Zeitpunkt aber noch fragwürdig. Allein um Verstöße gegen die gerade erst etablierte 12-Uhr-Regel zu sanktionieren, mangelt es an behördlichen Kapazitäten – und in Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern offenbar auch am politischen Willen.
