Stuttgart

Im Bad Berg herrscht gespenstische Stille

Seit einem Wasserrohrbruch im Mai ist das beliebte Mineralbad geschlossen. Ein Termin zur Wiedereröffnung steht noch nicht fest. Ein Besuch auf der Baustelle.

  • Gespenstische Stimmung im Mineralbad BergFoto: Carina Kriebernig

    Gespenstische Stimmung im Mineralbad BergFoto: Carina Kriebernig

Stuttgart - Die Zeiger der Uhr im Foyer des Mineralbads stehen auf 00:58 Uhr. Genau in diesem Augenblick hat in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai ein Wasserrohrbruch den Technikkeller des beliebten Bads geflutet. „Es fühlt sich ein wenig so an, als wäre man auf der untergegangenen Titanic“, sagt Johannes Fromm von den Stuttgarter Bädern halb im Scherz mit Blick auf das Ziffernblatt. Das Lachen hat er inzwischen zumindest ein wenig wiedergefunden.

Statt Sonnenanbetern zwei Nilgänse auf der Wiese

An diesem Montagvormittag hängen tiefe Wolken über dem Kessel, es regnet immer wieder ein bisschen, die Luft drückt. Im Mineralbad Berg herrscht gespenstische Stille. Dort wo sonst Bergianer die Sonne anbeten, schöne Menschen dem Hobby Sehen und Gesehen werden nachgehen und es viele Erstbesucher Überwindung kostet, bei 30 Grad im kühlen Außenbecken tiefer als bis zum Bauchnabel einzutauchen, sieht man nur zwei Nilgänse auf der verwaisten Wiese. Es ist ruhig, zu hören ist nur das Stapfen von Johannes Fromm, der durch das Bad führt.

„Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass die beschädigten Maschinen ausgetauscht werden“, so der Schwimmbadleiter. Leider sind viele der Geräte Spezialanfertigungen, die es so nur einmal gibt. Selbst die beauftragten Firmen müssten erst Bauteile von externen Dienstleistern anfragen, so Fromm. Als in der Nacht die Hauptversorgungsleitung des Wassernetzes vor dem Mineralbad Berg platzte, wurde über das Foyer der Technikkeller geflutet. Um der Situation Herr zu werden, musste die Leitung auf dem Vorplatz des Mineralbads erst in einer großen Feuerwehraktion freigelegt, dann das stehende Wasser abgepumpt werden. Der ganze Vorplatz hat sich binnen eines Tages in eine offene Baustelle verwandelt.

Spekulieren will der Schwimmbadleiter nicht

Die Frage nach dem Termin der Wiedereröffnung, die allen unter den Nägeln brennt, kann Fromm nicht so ohne Weiteres beantworten. „Das wäre Spekulation“, sagt er. Wie lange das Mineralbad noch geschlossen haben wird, kann man also nicht genau sagen. In den nächsten Wochen oder Monaten werde sich ein klareres Bild abzeichnen, so Fromm. Den finanziellen Schaden könne man bisher auch noch nicht beziffern, da die Erstellung der Angebote noch ausstehe.

Zumindest die Außengastronomie sei gut angelaufen, so der Schwimmbadleiter. Die Pächter hätten in Zusammenarbeit mit dem Mineralbad eine kleine Sommeroase geschaffen. „Wir haben so einen schönen alten Baumbestand, der Schatten spendet und natürlich das einzigartige Flair des Mineralbads“, schwärmt Fromm. Dort sind nun Liegen verteilt, es gibt eine Außendusche für die Abkühlung, ein Volleyballfeld, das bei großer Hitze bewässert wird, Tischtennisplatten und natürlich die Gastro Neuner Deli, die täglich ab 10 Uhr geöffnet hat, zählt Johannes Fromm auf.

Und das wird positiv aufgenommen. Auch die Besucherstruktur habe sich verändert. So kämen in das improvisierte Bad inzwischen auch viele Familien. Die neueste Idee war ein Sandkasten für die kleinen Besucher, die sich sonst eher selten ins Mineralbad Berg verlaufen. „Wir machen das Beste für unsere Gäste daraus“, so der Schwimmbadleiter. Auch viele Bergianer, wie die Stammgäste genannt werden, seien schon gekommen. Die Sonne kann man schließlich auch ohne Wasser ganz gut anbeten.

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