Stuttgart

Eine Groß-Allianz für die Energiewende

Elektromobilität, Wärmepumpen, Rechenzentren: Der Strombedarf steigt, doch die Netze sind dafür oft nicht ausgelegt. Eine neue Initiative des Regionalverbands holt deshalb Vertreter aus Stuttgart, den Landkreisen, von Stadtwerken, Netzbetreibern und Energieagenturen an einen Tisch.

  • Günstiger Strom und starke Netze – die Energieversorgung muss dringend modernisiert werden.Foto: dpa/Jens Kalaene

    Günstiger Strom und starke Netze – die Energieversorgung muss dringend modernisiert werden.Foto: dpa/Jens Kalaene

Stuttgart - Es war ein beeindruckender Aufmarsch im Domizil des Verbands Region Stuttgart in der Stuttgarter Kronenstraße: Vertreter der Landeshauptstadt, aller umliegenden Landkreise, der wichtigen Stadtwerke, der Netzbetreiber und von Energieagenturen füllten den Raum. Und damit wurde der Startschuss für die in dieser Form neue und außergewöhnliche Initiative Energie-Region Stuttgart gegeben. Was verbirgt sich dahinter?

Zwei Dutzend Partner aus der Region Stuttgart demonstrieren damit ihr gemeinsames und dringliches Anliegen: nämlich durch eine auf Dauer angelegte, konzertierte Aktion über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg die Energieversorgung im Ballungsraum am Neckar auf Dauer sicherzustellen, die Stromnetze zu ertüchtigen und letztendlich für bezahlbare Preise zu sorgen. Der Direktor des Verbands Region Stuttgart, Alexander Lahl, unterstrich die Bedeutung der Groß-Allianz: „Zusammen entfalten wir eine viel größere Wirkkraft“, sagte er.

Beim Stromnetzausbau gemeinsame Sache machen

Alle reden von der Energiewende, mahnen mehr Elektrofahrzeuge an und reden den Wärmepumpen das Wort, die permanent auf Strom angewiesen sind. Zudem braucht es gerade auch in einer Wirtschaftsmetropole wie der Region Stuttgart für die digitale Transformation in Zukunft vermehrt neue, energieintensive Rechenzentren.

Doch Fakt ist: längst nicht überall sind die Leitungsnetze auf einen steigenden Bedarf ausgelegt. Zudem gelte es, so der Tenor, die Anforderungen an den Klimaschutz besser zu erfüllen als im Moment. In einem „Memorandum of Understanding“, das unterzeichnet wurde, versichern sich die Partner deshalb gegenseitig und schriftlich, künftig in Sachen Energie „an einem Strang zu ziehen“, so der Böblinger Landrat Roland Bernhard.

Die Initiative fügt sich in eine bundesweite und internationale Debatte über die Sicherheit der Energieversorgung ein. Spätestens seit der Energiekrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine gilt der Ausbau von Stromnetzen, Speichern und erneuerbaren Energien nicht mehr nur als klimapolitische Aufgabe, sondern auch als Frage der wirtschaftlichen Resilienz und strategischen Sicherheit. Regionen, die ihre Infrastruktur rechtzeitig modernisieren und ihre Energieversorgung breiter aufstellen, gelten als widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Krisen, Lieferengpässen und einem weiter steigenden Strombedarf.

„Das Memorandum“, so Lahl, „gibt uns da einen Push.“ Mit angestoßen worden war das Memorandum von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Durch gemeinsame Konzepte und Task Forces aus Fachleuten soll, so die Idee, der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Modernisierung des Energiesystems im Herzen Baden-Württembergs besser und schneller gelingen.

Beim Hochfahren der Elektrifizierung in Industrie und Gewerbe sei dies von entscheidender Bedeutung, so der Esslinger Landrat Marcel Musolf. Konkrete Ziele der Vereinbarung sind unter anderem: 

1. die Stromnetz-Infrastruktur und die Netze zügig auszubauen. 

2. notwendige Flächen für den Ausbau der Netzinfrastruktur zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel für Umspannwerke und Energiespeicher, für Wind- und Solaranlagen. 

3. Planungs-, Genehmigungs- und Realisierungsprozesse zu vereinfachen, um mehr Tempo in den Ausbau zu bekommen. Wichtig deshalb, dass auch das Regierungspräsidium Stuttgart als Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde mit an Bord ist.

Absichtserklärung zur Energiewende

Bei allen Zielen spiele der regionale, kommunenübergreifende Gedanke die zentrale Rolle für eine einheitliche Umsetzung der Maßnahmen vor Ort in den Städten und Gemeinden, hieß es. Alexander Lahl räumte ein, dass es sich bei dem Memorandum um „keinen Vertrag, sondern eine Absichtserklärung“ handle. Er und die Mitstreiter sind aber zuversichtlich, das Papier rasch auch mit Leben gefüllt wird. Nur dann, so der Regionaldirektor Alexander Lahl, könne die Region auch „autark von weltweiten Engpässen werden und ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben“.

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