Stuttgart

Die S-21-Verschiebung wird vor allem für S-Bahn-Nutzer bitter

Die Verschiebung von Stuttgart 21 bringt alle Zeitpläne der S-Bahn Stuttgart ins Wanken. Das betrifft alte und neue Linien – die Folgen sind teilweise skurril.

  • Die Verzögerungen bei Stuttgart 21 bremsen auch zahlreiche Vorhaben der S-Bahn Stuttgart. Die verlängerte Bauzeit für das Milliardenvorhaben dürfte auch wieder Folgen für die Pendlerinnen und Pendler haben, die auf die S-Bahn setzen.Foto: dpa

    Die Verzögerungen bei Stuttgart 21 bremsen auch zahlreiche Vorhaben der S-Bahn Stuttgart. Die verlängerte Bauzeit für das Milliardenvorhaben dürfte auch wieder Folgen für die Pendlerinnen und Pendler haben, die auf die S-Bahn setzen.Foto: dpa

Stuttgart - Die Stuttgart-21-Verschiebung um mindestens fünf Jahre trifft die durch die bisherigen Bauarbeiten für das Milliardenvorhaben ohnehin schon schwer gebeutelte S-Bahn Stuttgart besonders hart. Die Folgen sind vielfältig und teilweise skurril. So werden etwa eigens für den Einsatz bei Stuttgart 21 umgerüstete S-Bahnzüge kurz nach der nun anvisierten Eröffnung des Projekts schon wieder ausgemustert. Die Eröffnung der neuen Strecke nach Neuhausen auf den Fildern verspätet sich wegen der Verzögerung bei Stuttgart 21. Und ein möglicher Betreiberwechsel fällt genau in die Phase der S-21-Inbetriebnahme. Was ursprünglich als geordneter Übergang in das digitale Bahnzeitalter geplant war, droht nun zeitlich auseinanderzufallen.

Die Verbesserung der Situation für Reisende muss zentral sein

Am Mittwoch stellte der Finanzvorstand der Bahnprojektgesellschaft Stuttgart-Ulm, Peter Siefert, bei einer gemeinsamen Sitzung des Verkehrsausschusses der Region Stuttgart und des S-21-Ausschusses des Stuttgarter Gemeinderates das vor, was in den zurückliegenden Wochen bereits bekannt geworden war – und am Freitag vergangener Woche nach dem Lenkungskreis der Projektpartner von Bahnchefin Evelyn Palla öffentlich auch eingeräumt wurde. Dass sie einerseits mehr Offenheit und Transparenz versprach, gleichzeitig aber den internen Revisionsbericht, der ein ungeschöntes Bild des bisherigen Projektmanagements zeichnet, unter Verschluss hält, kritisierten Stadt- und Regionalräte heftig.

Vertreter beider politischen Gremien forderten vom Bahnvertreter, dass bei allen neu aufgesetzten Planungen für die Fortführung von Stuttgart 21 eine Verbesserung der Situation der Reisenden zentral sein müsse – und die Belange der S-Bahn stärker beachtet werden müssen. Die Eröffnung des neuen S-Bahnabschnitts rund um die neue Haltestelle Rosenstein sowie die Inbetriebnahme der digitalen Sicherungstechnik ETCS, die auf dem von allen S-Bahnlinien befahrenen Stammstreckenabschnitt eine dichtere Zugfolge ermöglichen soll, verschiebt sich – Stand heute – auf Mitte 2032.

Diese Verzögerung könnte den Regionalverband bares Geld kosten. Denn er finanziert auch den Umbau der S-Bahnfahrzeuge, damit diese für den Einsatz bei Stuttgart 21 fit sind. Die Umrüstung der großen Flotte begann bereits vor Jahren. Ursprünglich sollten die Bahnen die neue Technik, die sich bereits in der Erprobung befindet, mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 umfassend nutzen. Nach der neuerlichen Verschiebung könnte jedoch ein Teil der ersten umgerüsteten Fahrzeuge bereits das Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer erreichen, bevor ETCS im gesamten Knoten seine eigentliche Wirkung entfaltet.

Auch die Vergabe des nächsten S-Bahn-Vertrags gerät unter Druck. Die Verlängerung des ursprünglich bis 2028 laufenden Vertrags mit DB Regio bis ins Jahre 2032 war beschlossen worden, damit ein möglicher Betreiberwechsel nicht zeitgleich mit der Einführung von Stuttgart 21 und ETCS erfolgt. Genau dieses Szenario droht nun dennoch einzutreten. Der Verband hat bereits das europaweite Vergabeverfahren für den neuen Vertrag gestartet; der Zuschlag soll im zweiten Halbjahr 2027 erfolgen. Denkbar wäre nun eine abermalige Verlängerung des Vertrags. Paradox: auf diese Weise würde die DB Regio von den Unzulänglichkeiten der DB-Projektgesellschaft bei der Realisierung von Stuttgart 21 profitieren.

S-21-Verschiebung verzögert auch neue S-Bahn auf den Fildern

Klar ist nun auch, dass die Verschiebung von Stuttgart 21 die befürchteten negativen Folgen für die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen auf den Fildern hat. Die Strecke soll als Pilotprojekt ausschließlich mit ETCS Level 2 und ohne klassische Lichtsignale in Betrieb gehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Digitale Knoten Stuttgart in der Filderregion rechtzeitig funktionsfähig ist. Nach mehreren Bauverzögerungen peilt der Verband für die neue Strecke inzwischen den Jahreswechsel 2028/29 an. Die Deutsche Bahn nimmt die digitale Sicherungstechnik in diesem Bereich allerdings erst im Frühjahr 2030 in Betrieb. Erst dann können S-Bahnen auch nach Filderstadt-Sielmingen und Neuhausen auf den Fildern fahren.

Auch das jüngste Projekt der Region, die S-Bahnline S 7 zwischen Heimerdingen und Stuttgart-Vaihingen, hängt wieder in der Luft. Die dafür genutzte Panoramabahn in Stuttgart muss wegen Stuttgart 21 länger als geplant genutzt werden. Damit verschiebt sich auch der Umbau der Trasse für die S-Bahn. Unwägbarkeiten sieht die Region auch für den 15-Minuten-Takt auf der S60 sowie bei geplanten Erweiterungen des Netzes nach Weilheim/Teck und Geislingen an der Steige. Die Regionalräte verabschiedeten einstimmig einen neun Punkte umfassenden Forderungskatalog an die Deutsche Bahn, der die vollständige und zügige Umsetzung von Stuttgart 21 und des Digitalen Knotens Stuttgart, einen verlässlichen Bahnbetrieb während der Inbetriebnahme, Verbesserungen für Fahrgäste sowie mehr Transparenz und Tempo bei regionalen Ausbauprojekten beinhaltet.

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