Stuttgart - „Ganz ohne Flex geht's nicht“, sagt Thomas Urfer und setzt den Winkelschleifer an. Funken fliegen, als das Werkzeug auf das dunkelblau lackierte Metall der neuen Fruchtsäule trifft. Die wurde am Mittwoch in aller Frühe mit dem Schwertransporter aus Remseck auf den Cannstatter Wasen gebracht. Sie schwebte bereits am Kranhaken durch die Luft, ein paar Zentimeter über dem Stahlbetonsockel des Info-Pavillons. Aber so passte sie noch nicht.
„Uns war klar, dass wir die Säule noch an die baulichen Gegebenheiten vor Ort anpassen müssen. Das geht in der Werkstatt nicht“, erklärt Urfer. In seiner Firma in Remseck am Neckar wurde die neue Fruchtsäule gebaut – ganz aus Stahl. Also misst er nach, zeichnet ein und flext mit seinem Mitarbeiter die Zickzack-Form des Pavillon-Glasdachs in den Fuß der Säule.
„Es muss ein bisschen mehr runter, als wir gedacht haben.“ „Die Fruchtsäule ist halt ein Unikat“, sagt Christian Eisenhardt, bei der in.Stuttgart als Abteilungsleiter für Feste und Eigenveranstaltungen auch fürs Cannstatter Volksfest zuständig. Die Vorgängerin aus Stahl, Holz und einem Stoffüberzug war aus dem Jahr 1972, tat 53 Jahre ihren Dienst, aber „der Zahn der Zeit hat arg an ihr genagt“, sagt Eisenhardt. Also wurde schon vergangenes Jahr eine neue für rund 100.000 Euro in Auftrag gegeben.
Guido von Vacano, der neue Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft, erlebt seine erste Fruchtsäulenaufstellung. „Das ist wirklich was Besonderes“, sagt er. Für ihn verkörpert die Fruchtsäule Kontinuität. „Sie ist ein wichtiges Symbol. Das erste Volksfest von 1818 war ein Fest aus der Krise heraus, ein Fest der Transformation, des Neuanfangs. Das fühlt sich für uns heute nicht so fremd an.“ Die Geschichte könne da auch Ansporn und Inspiration sein.
Um 11.29 Uhr, anderthalb Stunden, nachdem die Fruchtsäule das erste Mal am Haken hing, schwebt sie ein zweites Mal durch die Luft. Und diesmal passt's. Der Job der Floristin Stefanie Meier wird mit der neuen Fruchtsäule ein bisschen komplizierter: Normalerweise dekorieren sie und ihr Bruder Sebastian die Säule, wenn sie noch liegt. Nun müssen sie in der kommenden Woche mit einem Hubsteiger ran. „Aber das kriegen wir hin“, sagt Meier lachend. „Mein Bruder ist ausgebildeter Baumkletterer.“

