Dass die wertvolle Ressource Wasser auch in Deutschland knapper wird, ist ein sehr reales Problem: Seen trocknen aus, an Flüssen wie Rhein und Donau sind die Pegel historisch niedrig, weswegen das Wirtschaftswachstum einzubrechen droht, Kommunen verbieten den Bürgern, ihre Gärten zu bewässern oder Flüsse und Bäche zu betreten. „Wir werden ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) kürzlich dem Magazin „Spiegel“.
Das stimmt zwar. Aber ob das Wasser knapp wird, haben die politisch Verantwortlichen zu großen Teilen selbst in der Hand. Denn bisher geht Deutschland extrem verschwenderisch mit dieser Ressource um. Das muss sich ändern.
Der einzelne Bürger kann dazu beitragen, weniger verschwenderisch mit Wasser umzugehen, indem er kürzer duscht, das Auto seltener wäscht und sparsame Armaturen und Geräte benutzt. All das macht allerdings nur einen Bruchteil der Verschwendung aus. Viel problematischer ist, wie Deutschland Wasser speichert – oder eben nicht. Die Böden sind oft von Asphalt, Beton oder Pflastersteinen bedeckt.
Viele dieser Steinwüsten ließen sich problemlos entsiegeln. Das gilt für etliche große Plätze in deutschen Innenstädten, für die Gleisbetten von Straßenbahnen, für Hinterhöfe, Vorgärten, Fußgängerzonen und Schulhöfe. Der Regen kann in versiegelten Böden nicht versickern. Das Wasser wird nicht gespeichert, stattdessen fließt es ab oder verdunstet.
Solange es regelmäßig Niederschläge gab, wurde das Problem nur am Rande wahrgenommen. Doch durch die Erderwärmung hat sich das Klima hierzulande verändert. In Deutschland regnet es jetzt seltener und dafür extremer: Es gibt weniger Niesel- und häufiger Starkregen, dazu häufige Dürren. Trockene Böden können große Wassermengen aber schlecht aufnehmen, erst recht, wenn die Oberflächen unter Steinen und Beton liegen.
Verheerend wirkt die Versiegelung von Flussufern. Fast alle großen deutschen Flüsse sind über weite Strecken begradigt und zubetoniert. Die Uferzonen halten die Feuchtigkeit kaum, was sich auch auf die Umgebung auswirkt. Auch deshalb ist der Grundwasserspiegel so stark gesunken. Die Folgen spüren etwa die Bauer n auf ihren Feldern. Die Dürre hat zudem enorme Auswirkungen für die Wälder: Sie führt dort zu erheblichem Stress, schwächt die Vitalität der Bäume und begünstigt Schädlingsbefall, etwa durch den Borkenkäfer.
Neben der Bodenversiegelung sind auch die wirklich großen Ressourcenfresser ein Problem: Vor allem die Energiewirtschaft und die Chemieindustrie benötigen enorme Mengen Wasser – viel mehr als alle Privathaushalte zusammen. Künftig kommt der hohe Verbrauch von immer mehr Rechenzentren hinzu.
Bemerkenswert ist, wie wenig Transparenz es zur Wasserentnahme in Deutschland gibt. Angesichts der neuen Verhältnisse ist das nicht mehr zeitgemäß. Für die Wirtschaft müssen Anreize zur Sparsamkeit geschaffen werden. Für Rechenzentren etwa gibt es strikte Vorgaben zur Energieeffizienz, nicht jedoch zum Wasserverbrauch. Die entscheidende Frage ist: Wie kann die Industrie weniger Wasser nutzen und die Ressource effizienter einsetzen? Wasser wird damit vom Betriebskostenfaktor zur strategischen Ressource.
In Deutschland war Wasserreichtum, anders als etwa im Mittelmeerraum, einst selbstverständlich. Doch die Zeiten sind vorbei. Das heißt nicht, dass Wasser extrem knapp werden muss. Es sei denn, man macht weiter wie bisher.
