Stuttgart

„Besser als prognostiziert“ – Messe trotzt der Flaute

Nach dem Rekordjahr folgt das Tief. Doch trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage ist die Messe Stuttgart mit dem Ergebnis zufrieden.

Stuttgart - Glückliche Menschen, freudestrahlende Gesichter. Im Hintergrund die Messehallen in Stuttgart. Gäste lachen, probieren neue Dinge aus und haben einfach eine gute Zeit: Mit einem Imagefilm eröffneten die Vertreter der Landesmesse ihre Jahrespressekonferenz. Und die gute Laune war keine Augenwischerei.

Auch die Geschäftsführer Roland Bleinroth und Stefan Lohnert versprühten Euphorie - trotz grundsätzlich schwierigen wirtschaftlichen Voraussetzungen in Deutschland. Man spüre die Zurückhaltung der Unternehmen im Inland. Viele würden sich sehr genau überlegen, ob sie an einer Messe teilnehmen. Umso erfreuter zeigten sich die beiden Geschäftsführer über die Zahlen aus dem vergangenen Jahr.

Trotz turnusmäßig messeschwachem Jahr kamen mehr als 1,06 Millionen Besucherinnen und Besucher zu den 39 Eigen- und 20 Gastveranstaltungen. Zum Vergleich: In 2024 feierte die Messe das beste Geschäftsjahr in der mittlerweile 106-jährigen Geschichte. In allen Bereichen gab es Rekorde. 62 Messen fanden in Stuttgart statt – zusätzlich wurden 19 Veranstaltungen an anderen Standorten organisiert. 1,35 Millionen Gäste wurden in diesem außergewöhnlichen Jahr gezählt. „Da sind die eine Millionen Besucherinnen und Besucher in 2025 gar nicht so schlecht“, betonte Roland Bleinroth.

Und auch mit dem Umsatz war man zufrieden. 134,6 Millionen Euro standen zubuche. „Das ist ein überdurchschnittliches Ergebnis für ein turnusgemäß veranstaltungsärmeres, ungerades Jahr“, sagte der Geschäftsführer. Sogar dem Minus von 2,9 Millionen Euro vor Steuer und Abschreibung konnte man noch etwas Positives abgewinnen. „Wir haben deutlich besser abgeschnitten als prognostiziert“, sagte Roland Bleinroth. Nach dem Sechsjahreshoch 2024 und dem Rekordergebnis von 49,5 Millionen Euro vor Steuer und Abschreibung, hätte man nun eher mit einem Sechsjahrestief gerechnet. 2020 lag man bei minus 13,6 Millionen Euro, 2021 bei minus 5,9 Millionen Euro. „Anfang des Jahres sind wir für 2025 noch von einem zweistelligen Minus ausgegangen. Aber die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, haben Wirkung gezeigt“, erklärte Roland Bleinroth.

Man habe sich das komplette Portfolio angeschaut und überlegt, wo Verbesserungspotenziale sind - mit dem Ergebnis, keine Messe absagen zu müssen. Zudem habe man im Bereich der „Customer Journey“ (Kundenreise) den Service für die Partner und Aussteller ausgebaut. Man habe auch alle Kosten auf den Prüfstand gestellt. „Wir haben hohe Personalkosten, aber niemanden entlassen und auch keine Abfindungsangebote gemacht“, betonte Roland Bleinroth. „Wir brauchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Zu guter Letzt haben die Messe-Verantwortlichen entschieden, in neue Geschäftsmodelle zu investieren, um zukunftsfähig zu sein. „Auch und gerade vor dem Hintergrund einer schwachen Inlandsnachfrage gewinnt die Beteiligung ausländischer Einkäuferinnen und Einkäufer besondere Bedeutung für die Messe“, sagte Geschäftsführer Stefan Lohnert. Zu dem unerwartet guten Ergebnis der Messe in 2025 habe die hohe Auslandsbeteiligung des Unternehmens entscheidend beigetragen. Die wichtigsten Herkunftsländer kamen dabei aus der EU, gefolgt von China, Indien und Nordamerika.

Und dieser Kurs wird fortgesetzt. Im April beteiligte sich die Messe Stuttgart in Shenzhen (China) als internationaler Partner an der Roboticsmesse Fair plus. Im November folgt mit der R+T Southeast Asia in Bangkok eine weitere Messe in Asien. Das Portfolio in Indien wurde im laufenden Jahr durch den Erwerb der Cable & Wire verstärkt. Anfang 2027 steht dann die nächste Premiere ins Haus, mit einer Fachmesse für Schleif- und Oberflächentechnik in Cincinnati, Ohio.

Die beiden Geschäftsführer und Berufsoptimisten blicken nach dem durchwachsenen Jahr zuversichtlich auf 2026. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen sie turnusbedingt wieder mit deutlich höheren Veranstaltungs- und Umsatzzahlen. „Wir werden wohl zwischen 1 und 1,3 Millionen Besucherinnen und Besucher haben und einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro“, sagte Roland Bleinroth. „Auf jeden Fall werden wir eine sehr deutliche schwarze Zahl vor Steuer und Abschreibung notieren können.“

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