Stuttgart - Die Wilhelmsbrücke in Bad Cannstatt ist seit Monaten gesperrt und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Ursprünglich sollte der Abriss in diesem Sommer beginnen und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Daraus wird jedoch nichts. Wegen der verspäteten Genehmigung des städtischen Haushalts durch das Regierungspräsidium Stuttgart verzögerte sich die Ausschreibung, sodass der anvisierte Zeitraum für den Rückbau im Oktober 2026 verpasst wurde. Er ist nun für April 2027 terminiert.
Der Abriss kann nur während der Regelsperrung der Bundeswasserstraße erfolgen, also während der saisonalen Unterbrechung der Schifffahrt für Wartungs- und Reparaturarbeiten an Wasserbauwerken. Der Gemeinderat hat die Maßnahme vor kurzem einstimmig beschlossen. Regelmäßige Bauwerksprüfungen der 1949 errichteten Stahlbrücke hatten ergeben, dass die Korrosion an tragenden Bauteilen so weit vorangeschritten ist, dass eine Sanierung technisch weder sinnvoll noch wirtschaftlich vertretbar ist. Der Zustand ist sogar so schlecht, dass die Standsicherheit der Brücke beeinträchtigt ist. Sie wurde daher Ende 2025 gesperrt. Derzeit wird sie ausschließlich zur Führung von Versorgungsleitungen genutzt.
Neue Wilhelmsbrücke kostet mehr als 20 Millionen Euro
Der Rückbau umfasst den Abbruch der Fahrbahn- und Gehwegbeläge, die Demontage der Stahlkonstruktion sowie den Abtransport und die Verwertung der Materialien. Rund 4,6 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Darin sind auch Reserven für unvorhersehbare Entwicklungen enthalten, sollten die Bauarbeiten etwa durch Hochwasser verzögert werden. Der Neubau der autofreien Wilhelmsbrücke, die die Cannstatter Altstadt mit der Neckarvorstadt verbindet, soll im Frühling 2028 beginnen.
Mitte 2029 soll die Brücke fertiggestellt sein. Sie wird Fußgängern und Radfahrern mehr Platz bieten, weitläufige Freitreppen sollen mit zahlreichen Sitzflächen die Aufenthaltsqualität am Ufer erhöhen. Für Rück- und Neubau stehen im städtischen Haushalt insgesamt rund 20,9 Millionen Euro bereit. Die Gesamtkosten des Projekts werden derzeit auf rund 23,8 Millionen Euro geschätzt.
Sobald die neue Wilhelmsbrücke fertiggestellt ist, gehen die Arbeiten rund 160 Meter flussaufwärts weiter. Dann wird der Neubau der Rosensteinbrücke, auf Höhe des Wilhelma-Theaters, in Angriff genommen. Nach derzeitigem Stand soll das Bauwerk im Jahr 2031 fertiggestellt sein. Das Vorgängerbauwerk musste bereits 2024 abgerissen werden, weil es marode war. Seit Dezember 2025 steht dort allerdings eine Behelfsbrücke, die Fußgängern und Radfahrern die Neckarquerung ermöglicht.

